Folge ich Deiner Argumentationsweise, dann ist nicht jeder einzelne Wahlberechtigte von Sachsen-Anhalt ein Nazi, aber im Durchschnitt gibt es eben mehr Nazis als unter den Wahlberechtigten anderer Bundesländer. Richtig?
Vorausgesetzt, man hält AfD-Wähler für Nazis. Alleine mit der Attributierung verschafft man der AfD neue Wähler - und auch mit dem selbstgerechten Blick von Westdeutschland auf den Osten. Bislang hat der Westen immer nachgezogen. Bei den Landtagswahlen 2023 in Bayern kamen Freie Wähler und AfD zusammen auf 30%. Bist du dir ganz sicher, daß die heute nicht die Zahlen von Sachsen-Anhalt erreichen?
Ich habe sowohl in meiner Kanzlei als auch in der Beratung bei dem Verein für Demente und deren Angehörige täglich mit Betroffenen dieses "Narrativs" zu tun. Und nicht ganz wenige von denen waren alles andere als von Armut betroffen, bevor die Demenz bei Ehemann, Ehefrau, Elternteil etc. zuschlug.
Kann es sein, daß du beruflich da eine gewissen Selektion antriffst? Wärst du Verkäufer von Kreuzfahrten bei einer Reiseagentur oder Anlageberater bei der Sparkasse, wäre deine Erzählung eine andere.
Die würden Dir für diese Bemerkung jetzt wahrscheinlich ganz anekdotisch aufs Maul hauen!
Es ist trotzdem nur anekdotisch und nicht repräsentativ. Falls da wirklich die ungleicher Vermögensverteilung zwischen den Alten das Problem ist, gab es doch schon einen guten Vorschlag: den Boomer-Soli vom DIW. Ist was dagegen einzuwenden, daß Vermögende Alte die bedürftigen Alten unterstützen? Außer vielleicht, daß rechtzeitiger Konsumverzicht und Geldanlage damit ein bisschen bestraft wird.
Jedenfalls: wenn man den Jüngeren keine Perspektive bieten kann, daß es sich lohnt, hier zu bleiben, zu arbeiten, eine Firma zu gründen, werden die weggehen. Das Land muß aus der Depression raus. Wir sind aber noch lange nicht am Tiefpunkt. Der droht bei 50% Sozialabgaben für die, die Arbeit haben. Es wird aber auch viel schwieriger, eine zu bekommen.