Was ich sehe?
Ich sehe euch. Ich sehe stolze, starke Männer. Männer, die erhobenen Hauptes vor ihrem Bildschirm sitzen - vielleicht ein Red Bull in der Hand .. . .. oder eine Bratwurst, die gerade vom Grill gefallen ist und an welcher symbolschwangere Asche klebt. Vielleicht auch eine andere Wurst - aber was eine, das bleibt euer Geheimnis.
Ich sehe eine Weide. Eine Grönländische Weide. Sie starrt zurück. Ein Atemzug vergeht, dann noch einer. Das behörnte Monstrum schaut mir in die Seele. Ihr Junges trabt unbeholfen daneben, völlig tapsig und voller Zuversicht. Noch voller Lebensfreude, bevor die Dunkelheit des Alterns ihn eines Tages einholen wird und ihn vollkommen zerstören vermöche. Die Mutter, eine beeindruckende Moschus-Öchsin, mit wilder Mähne und noch wilderem temperament schreit mich durch den Morgendunst an, als wölle ich ihrem Junge etwas tun, als wäre ich ihr Ehemann. Sie ist sich nicht sicher. Bin ich ein Ochse? Bin ich der Vater der Frucht ihrer Lenden? Doch nein.. .. . Ich bin ein menschlicher Mann, nur ein Gast hier auf dieser schneebedeckten Weide. Nur ein Zuschauer, ein Enthusiast dieses Naturschauspiels. Aber ich trage Moschus-Parfüm, habe es mir zart an die Schläfen getupft, da ich vorhin noch beim Grönländer-Speed-Dating vorbei geschaut gehabt hatte. Das gibt es nur einmal. Einmal im Jahr direkt neben dieser Weide. Ich sah sie alle, alle die dort waren. Auf der Suche nach Liebe, so wie ich. Ich trage so viel Liebe in mir.. .. in .. . mir .... in mir ..... darinnen. Eingesperrt, noch. Bald hoffentlich nicht mehr. ENTFLÄUCHE! VERLASSE MICH! AMEN.