Autor Thema: Loslassen  (Gelesen 9523 mal)

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Offline Nikibo

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Re: Loslassen
« Antwort #165 am: 18. August 2020, 08:49:35 »
Conte, Du krankst an der Welt, wie sie ist. Für mich klingst Du sehr verzweifelt.

Aber geht es nicht uns allen so? Wir alle hatten Ideale, Wünsche, Hoffnungen, Pläne, das Meiste davon hat sich nicht erfüllt. Damit müssen wir alle leben.

In manchen Punkten stimme ich Dir zu. Ethik, Moral (wobei der Begriff hier im Forum sehr umstritten ist) vermisse ich sehr häufig auch. Und auch, dass es früher hier schöner war. Wobei das "schöner" sich für mich auf die Zeit vor der großen Einwanderungswelle bezieht. Ich bin kein Freund von Multikulti. Was für Dich jetzt in Deiner persönlichen Situation vermutlich wie ein Schlag ins Gesicht wirkt. Ist es aber nicht, soll es auch nicht sein. Ich selbst lebe sogar Multikulti, ich habe einen russischen, einen libanesischen Schwiegersohn und eine indonesische Schwiegertochter. Von den 10 Personen der engsten Familie ist einer Veganer, eine Vegetarierin, zwei andere essen kein Schwein.

Ich mag nicht, wie unsere eigene Kultur durch die muslimische und andere Kulturen unterlaufen wird, wie sehr wir uns Fremden anpassen, sie hofieren, statt Anpassung zu fordern und durchzusetzen. Und wieviel Geld auch denjenigen, deren Papiere nicht mal klar sind, hinterhergeworfen wird, Geld, was fleißige Menschen hier hart verdient haben. Helfen ja, aber es hat Grenzen.

Dass Du Dich für den muslimischen Glauben entschieden hast, aus welchen Gründen auch immer, ist Dein persönliches Ding. Dass Du Vegetarier bist, ebenfalls. All Deine Werte, Hoffnungen, Wünsche kannst Du nicht einfach anderen überstülpen. Man kann erklären, warum und wieso man so denkt und handelt, aber mehr auch nicht. Missionieren geht anderen nur auf die Nerven und man macht sich unbeliebt. Ein Grund, warum sich militante Vegetarier immer wieder unbeliebt und sich selbst zur Lachnummer machen. Ich bin Raucher, ich werde auch verhöhnt. Geht mir am Allerwertesten vorbei.

Dass "schwul" ein Schimpfwort in den letzten 30 Jahren geworden ist, kann ich mir gar nicht vorstellen. Mein Eindruck der letzten 10 Jahre ist eher, wer nicht "schwul" ist, der ist nicht ganz normal.
Immer mehr wird das Andersartige, Fremde zur neuen Norm erhoben. Und wer nicht Beifall klatscht, ist Feind, wenn nicht gleich Nazi.

Mich kotzt die neue Welt auch an und ja, manchmal fallen mir dazu auch Nazisprüche ein; vor lauter Kopfschütteln, ob des fehlenden gesunden Menschenverstandes, wird man noch ganz kirre im Kopf.

Aber ich bin kein Nazi. Ganz im Gegenteil, mein Leben lang habe ich meine eigenen Wünsche, Hoffnungen, Sehnsüchte für andere zurückgestellt. Nie würde ich einem Menschen, welcher Kultur er auch immer entstammt, etwas Böses antun. Die Sprüche sind trotzdem da. Weil einem oft zuviel an Verständnis abverlangt wird hier in diesem Land.


Ich freue mich für Dich, dass Du jemanden, den Du liebst, an Deiner Seite hast. Und ich freue mich für Dich, dass Du geliebt wirst. Die Kultur spielt da überhaupt keine Rolle.
Ich habe aber den Eindruck, dass Du Dein muslimisches Bekenntnis als ganz normal verkaufen willst. So kommt es bei mir an. Es natürlich nichts Schlechtes, aber auch nichts Normales, es ist eher etwas sehr Besonderes, aber ich halte es eben nicht für nachahmenswert. Schon allein deshalb nicht, wenn ich sehe, wie viele Muslime hier ihre Frauen behandeln, wie wenig Rechte Frauen in dieser Glaubenskultur haben.


Steh zu Deinem Weg, wenn er Dich glücklich macht, ist das total in Ordnung. Aber mach uns doch nicht schlecht, weil wir es nicht für uns wollen.

« Letzte Änderung: 18. August 2020, 11:09:33 von Nikibo »
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Offline Yossarian

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Re: Loslassen
« Antwort #166 am: 18. August 2020, 09:05:37 »
Sehr schön geschrieben, Ibo!
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Offline phoenix

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Re: Loslassen
« Antwort #167 am: 18. August 2020, 09:20:47 »
Sehr schön geschrieben, Ibo!

Yepp.

 
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Offline grashopper

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Re: Loslassen
« Antwort #168 am: 18. August 2020, 10:01:58 »
Dankeschön, Ibo!👍
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Offline DieFrau

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Re: Loslassen
« Antwort #169 am: 18. August 2020, 15:24:13 »
Bei den Leuten, die behaupten ich sei "Deutscher". Für mein Gefühl bin ich das eben nicht, oder nur auf dem Papier.

Du bist Deutscher und das nicht nur auf dem Papier. Du willst es nicht mehr wahrhaben und sein. So einfach ist es aber nicht. Wenn du das Land und das Deutschsein satt hast, dann reicht eine neue Religion nicht aus. In diesem Land zu bleiben, die Vorteile zu genießen und rumstänkern beschleunigt die Verwandlung auch nicht.

Thailand bietet sich an. Erst wenn du dein Lebensmittelpunkt dort verlagerst, kannst du "vielleicht" irgendwann weniger Deutsch sein.
Der intuitive Geist ist ein heiliges Geschenk und der rationale Geist ein treuer Diener.
Wir haben eine Gesellschaft erschaffen, die den Diener ehrt und das Geschenk vergessen hat!...Einstein

Offline maxim

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Re: Loslassen
« Antwort #170 am: 18. August 2020, 18:29:30 »
« Letzte Änderung: 18. August 2020, 18:31:17 von maxim »
wer für alles offen ist, ist nicht mehr ganz dicht

Offline amaru

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Re: Loslassen
« Antwort #171 am: 21. August 2020, 20:50:51 »
In manchen Punkten stimme ich Dir zu. Ethik, Moral (wobei der Begriff hier im Forum sehr umstritten ist) vermisse ich sehr häufig auch. Und auch, dass es früher hier schöner war. Wobei das "schöner" sich für mich auf die Zeit vor der großen Einwanderungswelle bezieht. Ich bin kein Freund von Multikulti. Was für Dich jetzt in Deiner persönlichen Situation vermutlich wie ein Schlag ins Gesicht wirkt. Ist es aber nicht, soll es auch nicht sein. Ich selbst lebe sogar Multikulti, ich habe einen russischen, einen libanesischen Schwiegersohn und eine indonesische Schwiegertochter. Von den 10 Personen der engsten Familie ist einer Veganer, eine Vegetarierin, zwei andere essen kein Schwein.

Ich mag nicht, wie unsere eigene Kultur durch die muslimische und andere Kulturen unterlaufen wird, wie sehr wir uns Fremden anpassen, sie hofieren, statt Anpassung zu fordern und durchzusetzen. Und wieviel Geld auch denjenigen, deren Papiere nicht mal klar sind, hinterhergeworfen wird, Geld, was fleißige Menschen hier hart verdient haben. Helfen ja, aber es hat Grenzen.

Dass Du Dich für den muslimischen Glauben entschieden hast, aus welchen Gründen auch immer, ist Dein persönliches Ding. Dass Du Vegetarier bist, ebenfalls. All Deine Werte, Hoffnungen, Wünsche kannst Du nicht einfach anderen überstülpen. Man kann erklären, warum und wieso man so denkt und handelt, aber mehr auch nicht. Missionieren geht anderen nur auf die Nerven und man macht sich unbeliebt. Ein Grund, warum sich militante Vegetarier immer wieder unbeliebt und sich selbst zur Lachnummer machen. Ich bin Raucher, ich werde auch verhöhnt. Geht mir am Allerwertesten vorbei.

Dass "schwul" ein Schimpfwort in den letzten 30 Jahren geworden ist, kann ich mir gar nicht vorstellen. Mein Eindruck der letzten 10 Jahre ist eher, wer nicht "schwul" ist, der ist nicht ganz normal.
Immer mehr wird das Andersartige, Fremde zur neuen Norm erhoben. Und wer nicht Beifall klatscht, ist Feind, wenn nicht gleich Nazi.

Mich kotzt die neue Welt auch an und ja, manchmal fallen mir dazu auch Nazisprüche ein; vor lauter Kopfschütteln, ob des fehlenden gesunden Menschenverstandes, wird man noch ganz kirre im Kopf.

Aber ich bin kein Nazi. Ganz im Gegenteil, mein Leben lang habe ich meine eigenen Wünsche, Hoffnungen, Sehnsüchte für andere zurückgestellt. Nie würde ich einem Menschen, welcher Kultur er auch immer entstammt, etwas Böses antun. Die Sprüche sind trotzdem da. Weil einem oft zuviel an Verständnis abverlangt wird hier in diesem Land.

Ich bin geneigt, zuzustimmen, wobei ich mich frage, was du meinst, wenn du von Multikulti sprichst. Bezieht sich das jetzt auf Religion, persönliche Werte, geografische Herkunft, Nationalität, ethnische Abstammung oder was anderes? Und was genau bedeutet das Multi jetzt in diesem Zusammenhang? Heißt es parallel zusammenlebend und nicht als ganzes funktional? Ist das vielleicht nicht intrinsisch für dieses Wort? Ich behaupte mal, das Problem ist so komplex, dass wenn zwei Personen darüber reden, ohne das genau zu klären, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie das gleiche meinen gleich null.

Eine Erfahrung dazu habe ich mal in einer Beraterfirma gemacht. Dort hatte ich die Ehre, von den zwanzig Teams eines Projektes gerade in das Team zu gelangen, das über einige Jahre die beste Performance hatte. Die Metrik dafür waren sogenannte "epic points". In dem Team waren u.a. zwei Chinesinnen, ein Este, ein Pole, ein Inder und eine Thailänderin, d.h. es war eine sehr "bunte" Arbeitsumgebung. Das Team wurde dazu geleitet von einem Typ, der absolut brilliant war. Zwar hatte er einen Knacks weg und ein kleines Alkoholproblem, aber er hatte es verstanden, wie man ein Team zusammenhält und zu Höchstleistungen antreibt. Wir haben jedenfalls super zusammengearbeitet und von den Stärken und Perspektiven der anderen profitiert. Bevor jetzt die Anklage kommt, oh wie naiv, ich weiß, dass das keinesfalls selbstverständlich ist.

Passend dazu habe ich mal eine Studie gesehen, die versucht hat, dieses Phänomen zu erforschen. Es ging um die Arbeitsleistung im Verhältnis zur Heterogenität der Arbeitsumgebung. Man würde das heute wahrscheinlich als grob politisch inkorrekt ansehen. Wir reden hier vor allem über Vielfalt an ethnischen Hintergründen und Geschlecht. Die untersuchten Firmen waren, wenn ich mich recht erinnere, hauptsächlich Dienstleister in der IT. Das Ergebnis der Studie war, dass die Teams mit der besten Performance tendenziell auch große Vielfalt haben. Andererseits war es so, dass die Teams, welche die schlechteste Performance haben, auch die mit großer Vielfalt an genannten Faktoren waren. Die homogenen Teams waren eher in der Mitte. Als ich das gelesen habe, dachte ich mir, na klar: Wer sich Vielfalt als Ideologie auf die Fahnen schreibt, der produziert auf Dauer nur Chaos. Allerdings kann es schon die richtige Antwort sein, seine Konzeptionen zu befreien und mehr Informationen in das System zu lassen! Wobei mir auch klar ist, dass die gegebenen Faktoren nur für einen Bruchteil der Variabilität zwischen Menschen verantwortlich sind und der Unterschied zwischen Individuen in einer Gruppe größer ist, als der zwischen Gruppen.

Die Frage, die sich daraus zwangsweise ergibt, ist: Warum funktionieren einige Gruppen mit großer Vielfalt und andere nicht? Die Antwort kennt glaub ich jeder! War es nicht Lincoln, der mal sagte "A house divided against itself cannot stand"? Das ist m.E. ein guter Leitfaden zur Orientierung. Es braucht ein, nennen wir es, übergeordnetes Framework, eine Fahne, unter der wir uns alle vereinen können. Dann ist Vielfalt eine schöne und produktive Sache!

Eine andere logische Frage wäre: Gibt es Faktoren, unter denen Variabilität kontraproduktiv ist, weil keine Einheit herstellbar ist? Z.B. was die Situation mit Islam angeht: Da bin ich skeptisch wie einige andere hier auch. Zu welchem Grad es möglich ist, dass wir uns unter einem gemeinsamen Wertesystem vereinigen können, ist nicht so offensichtlich. Das ist ein komplexes Problem, dem man m.E. Tribut zollen muss. Klar, was nicht funktionieren kann, ist, wenn man logische Stimmigkeit für ein gemeinsames Feindbild opfert. Ich schätze, dass wir uns alle noch lange damit rumschlagen dürfen, es herauszufinden.
« Letzte Änderung: 21. August 2020, 20:54:34 von amaru »
Moderne Menschen sehen Gott nicht, weil sie nicht tief genug schauen (C. G. Jung)

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Offline Nikibo

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Re: Loslassen
« Antwort #172 am: 27. August 2020, 10:40:23 »
Du bist Deutscher und das nicht nur auf dem Papier.

Conte schreibt, er ist nicht mehr Deutscher dem Gefühl nach. Und das kann ich  nachvollziehen und vor allem, es ist durchaus möglich, sich trotz deutscher Papiere sich nicht "deutsch" zu fühlen und dabei sogar in Deutschland zu bleiben.

Und wenn man so hört, wie "Deutschsein" definiert wird - wer will schon so sein? Dann bin ich dem Gefühl nach auch nicht "deutsch".

« Letzte Änderung: 27. August 2020, 10:54:39 von Nikibo »
Sind des Schäfchens Locken braun, lehnt es am Elektrozaun.

Offline Nikibo

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Re: Loslassen
« Antwort #173 am: 27. August 2020, 10:49:51 »
Ich bin geneigt, zuzustimmen, wobei ich mich frage, was du meinst, wenn du von Multikulti sprichst.
Die millionenfache Zuwanderung, insbesondere von Menschen, die ihrer Kultur nach überhaupt nicht zu uns passen und sich auch nicht anpassen wollen. Ich habe nichts gegen Einwanderer, die sich hier anpassen und sich durch ihre eigene Leistung ernähren möchten und können.
« Letzte Änderung: 27. August 2020, 10:53:35 von Nikibo »
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Offline amaru

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Re: Loslassen
« Antwort #174 am: 27. August 2020, 11:20:37 »
Du fühlst dich nicht deutsch, weil du mit der Definition des Deutschseins nicht übereinstimmst? Würde mich mal interessieren, was das für eine Definition ist. Vielleicht können wir uns dann alle zusammen un-deutsch fühlen und das als neues Kriterium für Deutschsein ausgeben ;D

Immerhin:

Die millionenfache Zuwanderung, insbesondere von Menschen, die ihrer Kultur nach überhaupt nicht zu uns passen und sich auch nicht anpassen wollen. Ich habe nichts gegen Einwanderer, die sich hier anpassen und sich durch ihre eigene Leistung ernähren möchten und können.

scheinst du ja davon auszugehen, dass wir eine Kultur haben, die bewahrenswert ist.
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Offline grashopper

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Re: Loslassen
« Antwort #175 am: 27. August 2020, 12:40:43 »

Immerhin:

scheinst du ja davon auszugehen, dass wir eine Kultur haben, die bewahrenswert ist.

Du nicht?
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Offline Nikibo

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Re: Loslassen
« Antwort #176 am: 27. August 2020, 13:52:17 »
Du fühlst dich nicht deutsch, weil du mit der Definition des Deutschseins nicht übereinstimmst? Würde mich mal interessieren, was das für eine Definition ist.

Dass ich mich nicht "deutsch" fühle, habe ich so nicht gesagt.

Ich bin Deutsche, dafür bin ich dankbar und froh. Mir gefällt unser Land, unsere Kultur. Ich mag die Gründlichkeit, den Hang zur Perfektion, den Fleiß, auch, dass alles möglichst sehr gepflegt sein sollte, die Zurückhaltung, das Kultivierte. Das bin ich.

Uns wird nachgesagt, dass unser Glas immer halbleer statt halbvoll ist, dass wir eher muffelig und schlecht gelaunt sind, vielerorts sind wir unbeliebt, weil sich manche von uns wie die Wildschweine benehmen (Mallorca z.B.). Das alles bin ich nicht.
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Offline DieFrau

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Re: Loslassen
« Antwort #177 am: 27. August 2020, 15:00:21 »
Conte schreibt, er ist nicht mehr Deutscher dem Gefühl nach. Und das kann ich  nachvollziehen und vor allem, es ist durchaus möglich, sich trotz deutscher Papiere sich nicht "deutsch" zu fühlen und dabei sogar in Deutschland zu bleiben.

Und wenn man so hört, wie "Deutschsein" definiert wird - wer will schon so sein? Dann bin ich dem Gefühl nach auch nicht "deutsch".

Conte krankt nicht an die Welt, wie sie ist. Conte krankt an sich selbst, wie er ist...schon immer. Wie definiert Conte das "Deutschsein", dem er nicht mehr(!) gehörig fühlt?
Ist auch merkwürdig, sich kurz vor der Rente sich nicht mehr Deutsch zu fühlen und das Deutschsein schlecht machen. 



Ansonsten muss ich nicht viel dazu sagen, du hast ein wunderbares Beispiel gebracht:

Dass ich mich nicht "deutsch" fühle, habe ich so nicht gesagt.

Ich bin Deutsche, dafür bin ich dankbar und froh. Mir gefällt unser Land, unsere Kultur. Ich mag die Gründlichkeit, den Hang zur Perfektion, den Fleiß, auch, dass alles möglichst sehr gepflegt sein sollte, die Zurückhaltung, das Kultivierte. Das bin ich.

Uns wird nachgesagt, dass unser Glas immer halbleer statt halbvoll ist, dass wir eher muffelig und schlecht gelaunt sind, vielerorts sind wir unbeliebt, weil sich manche von uns wie die Wildschweine benehmen (Mallorca z.B.). Das alles bin ich nicht.


Es steht und fällt mit der Selbstwahrnehmung, und ob man sich selbst akzeptiert oder eben ablehnt. Anderes zu sein ist nicht das Problem, Contes aber schon. 


« Letzte Änderung: 27. August 2020, 15:44:51 von DieFrau »
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Offline Nikibo

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Re: Loslassen
« Antwort #178 am: 27. August 2020, 15:16:05 »
Na ja, dann kennst Du ihn wohl besser.
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Offline DieFrau

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Re: Loslassen
« Antwort #179 am: 27. August 2020, 15:45:55 »
Na ja, dann kennst Du ihn wohl besser.

War für mich auf jeden Fall eine Bereicherung.
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