Ein überaus merkwürdiges Museum
Eigentlich erwarten wir von einem Museum, das es uns entweder eine Kunstsammlung zeigt um ihrer Schönheit willen und sie dann fachkundig erläutert, oder aber als ein hsitorisches Museum, uns die Geschichte einer Stadt, eines Region oder eines Landes erzählt. Das Nationalmuseum in in der Stadt Luang Prabang im schönen Norden Laos' tut freilich weder das eine noch das andere.
Auf den ersten Blick scheint es sich nur um den zur Besichtigung freigegebene Palast des letzten Königs von Laos und seiner Familie zu handeln. Die einzige Geschichte die hier erzählt wird, vermittelt durch die Räume fortfolgend aufgehängte naiv gezeichneter Bilder und Texttafeln, ist ein ungemein frommes buddhistisches Märchen von einem Prinzen, der alles weggegeben hat und am Ende dafür belohnt wurde (vom Buddha? vom Karma?), obwohl seine Eltern und seine Frau immer dagegen gewesen waren.
Aber schon die schlechte Beleuchtung der Räume schafft eine ganz eigenartige, unheimliche Atmosphäre, die nichts Gutes ahnen lässt. Wegen eines verhängten Photographierverbotes konnte ich das leider nicht dokumentieren. Die Räume - Empfangsaal, Thronsaal, Schlafzimmer der königlichen Familie - werden einfach so präsentiert, wie der König sie zuletzt zurückgelassen zu haben scheint, oberflächlich renoviert und mit den dazugehörigen Möbeln und Repräsentationsgegenständen versehen. Irgendwelche Erläuterungen dazu gibt es kaum, nur die Herkunft der Objekte wird genannt. Wenn ich mir als Museumsbesucher einen Reim auf das Gesehene machen will, muss ich es selbst in mein mein Vorwissen einordnen und kann dieses dann mit der Kenntnis des Vorgefundenen erweitern. Anstatt Geschichtsdarstellung zu sein, wird das Museum so selbst zur Geschichtsquelle.
Und als solches gibt es Zeugnis zu einerüberaus bedrückenden Geschichte: Die Geschichte einer verzweifelten Monarchie, die sich gegen den unvermeidlichen und schnellen Untergang stemmte. Wir sehen hier, dass der König die Wände des Thronsaals in den sechziger Jahren mit einem aus sichtlich billigem Material hergestellten Glasmosaik hat bedecken lassen, die mit ihren Darstellungen laotischer Geschichte offensichtlich an sehr viel kunstfertigeren Wandmalereien der königlichen Tempel und Paläste anknüpfen sollen, dabei Grausamkeiten ganz bewusst nicht auslassen und zugleich ein rührend vergeblicher Versuch sind, mit Hilfe eines japanischen Künstlers an die dem Traditionellen abgewandte Weltkunst des 20. Jahrhunderts Anschluss zu finden.
Wie sehen große Möbel, Sänften und Elephantensättel, in überlieferter Form und Ausgestaltung und in königlichen Anspruch hergestellt, aber aus Holz grob geschnitzt und Goldbronze angestrichen wie Kulissen und Requisiten in europäischen Provinztheatern. Welch ein Gegensatz zu den Insignien, die Königin Sirikit als vorgebliche Arbeiten des traditionellen thailändischen Kunsthandwerkes aus kostbaren Metallen, Hölzern und Seidengeweben hat herstellen und in ihrem persönlichen Museum in der Nähe von Bang Pa In austellen lassen! Dort zeigt sich die thailändische Monarchie in unermesslichem Selbstbewusstsein als der Inbegriff einer Nation, hier hebt der Könogshof von Laos tapfer einen gichtigen Finger, damit man sehen möge, dass er auch noch da ist.
Es folgen Räume mit Geschenken, die das Königshaus von ausländischen Potentaten erhalten hat - bessere Reiseandenken. Aus Bangkok ein Bild eines goldenen Tempels, aus Frankreich als trotzige Erinnerung an die verlorene Kolonialherrschaft ein Säbel im napoleonischen Stil. Das bermerkenswerteste Stück ist sicher ein Bröckchen Mondgestein, das Richard Nixon 1973 hier gelassen hat, wohl eine Nebenerscheinung seiner Annäherung an die Volksrepublik China, bei der auch die kleinen Nachbarn nicht leer ausgehen sollten.
Den Abschluss bilden zwei Photographien. Die erste zeigt zwei junge laotische Tänzerinnen, die in züchtiger Hofkleidung mit zwei älteren Herren tanzen, deren einer der letzte König von Laos ist. Der andere ist Ho Chi Minh.
Das zweite Photo zeigt die letzte Königin. Sie sitzt in ganz unköniglicher Pose in ihrem Schlafzimmer auf der Bettkannte, nach der großbürgelichen Art Südostasiens gekleidet, und schaut mit weitgeöffneten Augen an der Kamera vorbei, als wurde sie einem unvorstellbaren Grauen entgegenschauen, an das sie noch nicht glauben und das sie dennoch schon sehen kann.
Die letzten Gerüchte über den Verbleib der königlichen Familie von Laos kamen einige Jahre später aus einem kommunistischen Umerziehungslager.