Autor Thema: Political LowLights  (Gelesen 99051 mal)

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Offline Araxes

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Re: Karl Popper
« Antwort #1455 am: 05. Juli 2017, 10:24:24 »
Ist Euch schon aufgefallen, daß Politiker und die Journalisten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks seit einiger Zeit sehr oft den Begriff "offene Gesellschaft" verwenden, und zwar immer dann, wenn man früher "freiheitlich-demokratische Grundordnung" gesagt hätte? Achtet mal drauf.

Mir macht das Angst.

Die offene Gesellschaft ist doch was gutes oder nicht?

Offline Yossarian

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Re: Karl Popper
« Antwort #1456 am: 05. Juli 2017, 10:34:23 »
Die offene Gesellschaft ist doch was gutes oder nicht?

Nicht notwendigerweise, jedenfalls nicht die Formulierung als solche. Das ist genauso wenig greifbar wie das "Wahre, Schöne, Gute": Definier das mal.

Unter der freiheitlich demokratischen Grundordnung kann ich mir jedenfalls mehr / konkreteres vorstellen als unter einer "offenen Gesellschaft".
« Letzte Änderung: 05. Juli 2017, 10:45:37 von Yossarian »
"I came to a point where I needed solitude and just stop the machine of thinking and enjoying what they call living, I just wanted to lie in the grass and look at the clouds."

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Offline Araxes

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Re: Karl Popper
« Antwort #1457 am: 05. Juli 2017, 10:45:20 »
Ich denke eher, die Praktikanten beim ÖR und in den Medien im allgemeinen folgen gewissen Moden, die sich in dem inzestuösen Betrieb bilden.

Offline Yossarian

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Re: Political LowLights
« Antwort #1458 am: 05. Juli 2017, 10:52:31 »
Das ist möglich, macht es aber nicht besser, im Gegenteil!

Wenn die Journaille die deutsche Sprache nicht mehr beherrscht und auch die notwendigen / korrekten Begrifflichkeiten nicht mehr kennt, ist der Weg zum Entenquak nur noch ein kurzer.

Eine "offene Gesellschaft" ist nun einmal nicht identisch mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Letztere ist Grundvoraussetzung für ersteres, aber nicht umgekehrt.

Ich verstehe auch nicht den Shitstorm, weil jemand mal gewagt hat, behutsam anzumerken, daß die Ehe für alle möglicherweise grundgesetzwidrig ist. Darüber muß man in Ruhe reden und nachdenken. Es nutzt nichts, etwas zu beschließen, das möglicherweise hinterher vom Bundesverfassungsgericht kassiert wird. Das muß erst gekärt werden und dann unter Umständen zuerst das Grundgesetz geändert werden.
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Offline Araxes

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Re: Political LowLights
« Antwort #1459 am: 05. Juli 2017, 11:35:14 »
Über die sprachliche Qualität in den Medien wundere ich mich schon lange nicht mehr. Mit Allgemeinbildung ist es auch nicht weit her. Shitstürme werden in Zeiten von Twitter und Facebook leicht ausgelöst. Gestern war Peter Tauber von der CSU dran, weil er getwittert hat, daß man mit einer ordentlichen Ausbildung keine drei Minijobs braucht, um in Vollzeit beschäftigt zu sein. Das hat bei Spiegel Online gleich mal 20 Seiten mit Kommentaren gefüllt, die zu 90% gleich klangen.

Offline Yossarian

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Re: Political LowLights
« Antwort #1460 am: 05. Juli 2017, 11:45:37 »
Über die sprachliche Qualität in den Medien wundere ich mich schon lange nicht mehr.


Ich auch nicht. Ein Grund mehr aber, auf solche Differenzierungen hinzuweisen und sie nicht einfach schulterzuckend zur Kenntnis zu nehmen.

Eigentlich müßte man den ganzen Tag Leserbriefe schreiben...
« Letzte Änderung: 05. Juli 2017, 11:47:38 von Yossarian »
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Offline Kjeld

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Re: Karl Popper
« Antwort #1461 am: 05. Juli 2017, 12:20:16 »
Die offene Gesellschaft ist doch was gutes oder nicht?


Das ist nicht der Punkt. Es ist eine Weltanschauung, genauso wie der Islam oder der historische Materialismus. Und es ist gefährlich, wenn Politik und Medien unreflektiert eine bestimmte Weltanschauung als vorauszusetzende Grundlage unserer Gesellschaft annehmen, obwohl diese Rolle nur der freiheitlich-demokratischen Grundordnung und dem Prinzip der unbedingten Wahrung der Menschenwürde zukommt.

Offline Yossarian

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Re: Karl Popper
« Antwort #1462 am: 05. Juli 2017, 12:34:09 »
Es ist eine Weltanschauung

Ds sehe ich nicht so. Ich sehe eine leere Worthülse, die jeder mit dem anfüllen kann, was ihm Spaß macht. Ich wüßte jedenfalls keine allgemeinverbindliche Definition des Begriffs "offene Gesellschaft".

Zitat
genauso wie der Islam oder der historische Materialismus.

Die im Gegensatz zu dem Begriff "offene Gesellschaft" immerhin einigermaßen fest umrissen definierbar sind.
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Offline Kjeld

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Re: Political LowLights
« Antwort #1463 am: 05. Juli 2017, 12:45:32 »
Dann bilde Dich fort.

Offline Araxes

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Re: Karl Popper
« Antwort #1464 am: 05. Juli 2017, 12:48:33 »
Das ist nicht der Punkt. Es ist eine Weltanschauung, genauso wie der Islam oder der historische Materialismus. Und es ist gefährlich, wenn Politik und Medien unreflektiert eine bestimmte Weltanschauung als vorauszusetzende Grundlage unserer Gesellschaft annehmen, obwohl diese Rolle nur der freiheitlich-demokratischen Grundordnung und dem Prinzip der unbedingten Wahrung der Menschenwürde zukommt.

Die offene Gesellschaft ist doch nach unseren diversen Diktaturen Konsens. Sie ist eben unsere Weltanschauung bzw. sollte sie sein und die demokratische Grundordnung gießt Teile davon in Paragraphen.

Offline Yossarian

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Re: Political LowLights
« Antwort #1465 am: 05. Juli 2017, 12:51:05 »
Dann bilde Dich fort.

Philosophische Modelle sind keine Legaldefinitionen; man mag das bedauern, oder nicht.
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Offline Yossarian

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Re: Karl Popper
« Antwort #1466 am: 05. Juli 2017, 12:51:40 »
Die offene Gesellschaft ist doch nach unseren diversen Diktaturen Konsens.

Da würde ich nicht (mehr) drauf wetten wollen...
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Offline Araxes

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Re: Karl Popper
« Antwort #1467 am: 05. Juli 2017, 12:51:48 »
Ds sehe ich nicht so. Ich sehe eine leere Worthülse, die jeder mit dem anfüllen kann, was ihm Spaß macht. Ich wüßte jedenfalls keine allgemeinverbindliche Definition des Begriffs "offene Gesellschaft".

Als Begriff bei Popper ist die schon klar umrissen. Die Gesellschaft, die sich selbst als unperfekt betrachtet und deshalb offen für ständige Veränderungen ist. Im Gegensatz zu verabsolutierten Gesellschaften wie Kommunismus oder Faschismus, die sich als Höhepunkt und deshalb Ende einer Entwicklung sehen, in der Kritik deshalb per se falsch sein muß.

Offline Kjeld

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Re: Karl Popper
« Antwort #1468 am: 05. Juli 2017, 12:59:12 »
Die offene Gesellschaft ist doch nach unseren diversen Diktaturen Konsens. Sie ist eben unsere Weltanschauung bzw. sollte sie sein und die demokratische Grundordnung gießt Teile davon in Paragraphen.


Nein.


Die offene Gesellschaft nach Popper ist ein pessimistischer Minimalismus und alles andere als gesellschaftlicher Konsens.

Offline Araxes

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Re: Karl Popper
« Antwort #1469 am: 05. Juli 2017, 13:11:31 »
Warum pessimistisch und warum nicht Konsens? ich würde eher sagen, die Meinung, dies sei nicht Konsens, ist pessimistisch. Ich glaube schon, daß die Mehrheit der Bürger die politische Diskussion, freie Medien und das alles will.

Minimalismus ist nicht immer was schlechtes. Individuelle Freiheit entsteht aus Minimalismus. Alles, was nicht verboten ist, ist erlaubt. Das ist mir lieber als andersrum. Der kategorische Imperativ ist auch minimalistisch.
« Letzte Änderung: 05. Juli 2017, 15:51:29 von Araxes »