Autor Thema: Robin Hood des Altersheimes  (Gelesen 6257 mal)

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Offline Araxes

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Re: Robin Hood des Altersheimes
« Antwort #45 am: 30. Oktober 2014, 12:35:48 »
Wer oder was ist oder war "Forki"?

Der Forckenbeckplatz. Hier gibt es einen historischen Abriß.
Viel wichtiger: Da war ein Spielplatz mit einem Betonelefant, in dessen Ohr man reinkriechen konnte. Und da ist eine große Wiese, auf der man Drachen steigen lassen konnte. Damit verbinde ich ein unbewältigtes Kindheitstraum, weil ich immer nur die billigen Papierdrachen und dicke Hanfschnnur hatte. Die sind dann nie richtig geflogen.

Da saßen auch noch die Kriegsversehrten mit Arm oder Bein ab rum und haben Karten gespielt.

Über den direkt anschließenden Zentralviehhof führte vom Forckenbeckplatz eine 420 Meter lange Überfühurung zum S-Bahnhof. Der lange Jammer. Quelle



"Auf der Eldenaer Straße soll es mehr Kneipen als Hausnummern gegeben haben: Die Schlachthofleute waren gute und trinkfeste Kunden, die Sitten dementsprechend handfest."

Jetzt ist da alles schick und auf dem ehemaligen Zentralviehhof ist eine perverse Townhouse-Siedlung entstanden. Speckgürtelbebauung mitten in der Stadt.

« Letzte Änderung: 30. Oktober 2014, 12:46:23 von Araxes »

Offline Gianluca

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Re: Robin Hood des Altersheimes
« Antwort #46 am: 30. Oktober 2014, 13:07:12 »
Furchtbar

Yossarian

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Re: Robin Hood des Altersheimes
« Antwort #47 am: 30. Oktober 2014, 13:09:22 »
Zentralviehhof

Die ersten drei mal hatte ich Zentralfriedhof gelesen. Mich wunderte nur, daß ein Fredhif mit Häusern überbaut worden sein soll.

Offline Araxes

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Re: Robin Hood des Altersheimes
« Antwort #48 am: 30. Oktober 2014, 15:19:32 »
Manchmal findet man ja noch nette Geschichten. Komplett zu lesen im friedrichshain-magazin - Zeitschrift für Stadterneuerung auf Seite 3.

’ne Jejen-sprechanlarje?

Anfang 2000: Die Erinnerung an die Zeit
der Wende verblasste in den Köpfen
der Menschen so langsam und der
Alltag mit seinen großen und kleinen
Problemen ließ wenig Spielraum für
Sentimentalitäten. Die Sanierung des
Samariterviertels schritt voran und auch
ich war mehr mit den seinerzeitigen
Problemen beschäftigt, die meine Arbeit
mit sich brachte. Keine Zeit für Rück-
blicke. Eines Tages passierte es dann
doch, und ich wurde unverhofft in die
Zeit vor der Wende zurückversetzt. Was
war geschehen?

Die Sanierung eines klassischen Alt -
baus mit Vorderhaus, Seitenflügel,
Hinterhaus im Samariterviertel stand
an. Das Gebäude war voll belegt. Was
jedoch sofort auffiel, war der Umstand,
dass es im Haus an Kindern und jungen
Leuten mangelte. Dagegen wohnten
dort fast nur mittelalte, alleinstehende
Männer, viele mit merkwürdigen
Tätowierungen. Aufgelockert wurde
diese Herrenriege lediglich durch drei
alte Damen.

Die ungewöhnliche Bewohnerstruktur
regte meine Neugierde an. Ich sprach
mit den Mietern, und nach und nach
offenbarte sich mir ein wesentlicher Teil
der Geschichte dieses Hauses und seiner
Bewohner.

Die männlichen Mieter sind alle gleich-
zeitig dort eingezogen. Es war das Jahr
1987. Berlin (Ost) lag mit Berlin (West)
im Wettstreit darüber, wer die schönste
Feier seit der Gründung der Stadt vor sei-
nerzeit 750 Jahren auf das Parkett l egen
würde. Das Stadtjubiläum war auch der
Anlass für eine humanitäre Aktion der
besonderen Art. Die Herrschaften im
Politbüro ließen sich in einem eher selte-
nen Anflug von Menschlichkeit dazu hin-
reißen, eine Generalamnestie zu erlassen
und Hunderte verurteilter Kleinkrimi-
neller in die Freiheit zu schicken. Damit
der Pritsche in der Zelle kein Schlafplatz
unter einer der zahlreichen Brücken
Berlins folgte, wurden die Ex-Knackis in
besagtes Haus einquartiert. Das Haus
stand seinerzeit fast leer – bis auf die
Wohnungen der drei Damen – und war
im Vergleich zu den meisten Objekten
in DDR-Altbaugebieten erstaunlich gut
erhalten. Dann kam die Wende. Die
Männer blieben.

Anfang 2000 wurden wir im Zuge des
Sozialplanverfahrens vom Bezirksamt
damit beauftragt, eine Mieterversamm-
lung durchzuführen. Unsere Aufgabe
war es, die Mieter über ihre Rechte und
Pflichten im Sanierungsgebiet aufzu-
klären und ihnen unter anderem den
Unterschied zwischen Modernisierung
und Instandhaltung zu erläutern. Natür-
lich durfte auf dieser Versammlung auch
der Eigentümer nicht fehlen.

Natürlich durfte auf dieser Versammlung auch
der Eigentümer nicht fehlen.

Er, mittelständischer Handwerker und
waschechter Berliner aus dem Westteil
der Stadt, der auch einmal klein ange-
fangen hatte und sich seiner Wurzeln
bewusst war, traf den Ton. Das war auch
gut so, denn schließlich sollte er die
geplanten Baumaßnahmen vorstellen.
Er erklärte in bestem Berlinerisch den
Vorzug von zentralen Heizungsanlagen
und referierte über die Verbesserung
des Wohngefühls durch Bäder mit
Innentoiletten. Schließlich hatten viele
Wohnungen im Haus noch ein Außen-
klo.

Die Mieter hörten geduldig zu und
ließen den Eigentümer erläutern. Bis zu
dem Punkt, wo er über die Verbesserung
der Wohnqualität durch den Einbau
einer Gegensprechanlage berichtete.
Hier unterbrach ihn einer der Mieter.
Der gefühlt 2,50 Meter große Mann
räusperte sich kurz und fragte: „Wat is’n
bei na Jejensprechanlarje ’ne Fabesse-
rung?“ Der Eigentümer antwortete: „Na
ja, wissense, dann kann nich jeda unje-
betene Jast ins Haus, schließlich passiert
ja so ville.“ Da lächelte der Mieter nur,
ließ seine Hand, die an eine Druckform
für Plastik-Klodeckel erinnerte, auf die
Schulter des Hauseigentümers nieder-
sausen und entgegnete in väterlichem
Ton: „Ach weeßte, Jungchen, allet wat
dem Haus passieren kann, wohnt schon
drinne.“


Für einen Bruchteil einer Sekunde war
es mucksmäuschenstill im Raum. Dann
brachen alle Anwesenden in Lachen aus.
Das Eis war gebrochen. Die folgende
Sanierung wurde mit dem nötigen
gegenseitigen Respekt durchgeführt
und war ein voller Erfolg. Der Eigen-
tümer verfuhr bei den Mieten nach dem
Grundsatz „Leben und leben lassen“,
so dass nach der Zeit der Sanierung
alle wieder aus ihrer jeweiligen Zwi-
schenumsetzwohnung, die vom Bezirk
zur Verfügung gestellt wurde, in das
Haus zurückgezogen sind und zum größ-
ten Teil – dank bezahlbarer Mieten –
noch heute dort wohnen.

Knut Beyer

Offline Nikibo

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Re: Robin Hood des Altersheimes
« Antwort #49 am: 30. Oktober 2014, 17:06:20 »
Herzerwärmend.
Vernünftig ist wie tot.
Nur vorher.

Online Yossarian

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Re: Robin Hood des Altersheimes
« Antwort #50 am: 28. März 2016, 22:50:27 »


In dem Alter dürfte er haftunfähig sein, da ist das mit Sicherheit eine billigere Lösung als eine Scheidung.
"I came to a point where I needed solitude and just stop the machine of thinking and enjoying what they call living, I just wanted to lie in the grass and look at the clouds."

— Jack Kerouac

Online Yossarian

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Re: Robin Hood des Altersheimes
« Antwort #51 am: 28. April 2016, 08:17:56 »
"I came to a point where I needed solitude and just stop the machine of thinking and enjoying what they call living, I just wanted to lie in the grass and look at the clouds."

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Re: Robin Hood des Altersheimes
« Antwort #52 am: 12. April 2017, 18:51:22 »
"I came to a point where I needed solitude and just stop the machine of thinking and enjoying what they call living, I just wanted to lie in the grass and look at the clouds."

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Re: Robin Hood des Altersheimes
« Antwort #53 am: 25. Juli 2017, 14:15:54 »
79-jährige in ihrem Porsche mit 238 km/h in 120er-Zone geblitzt.

Respekt.  8)

Vor wenigen Jahren hatte sich meine Mutter (jetzt 83) im Baustellenbereich auf der Autobahn ihre ersten Punkte eingehandelt, weil sie zu schnell war. Der Polizist, der sie an Ort und Stelle rausgewunken hatte, staunte nicht schlecht. Nicht auszudenken, wenn meine Mutter einen Porsche hätte...  :evil
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