Das Thema ist komplex, und außerdem leide ich an einer anerkannten Behinderung, die mir eine Einschätzung deutlich erschwert: Ich bin Jurist.
So komplex ist das Thema gar nicht, man macht es nur dazu und einige hängen sich dran.
Heißt, du als Jurist kannst dir hier keine Meinung erlauben, weil...? Dieses Denken ist übersteigert. Alle anderen können es ja auch.
Was mir zu der Frage im Kopf rumschwirrt, ist dem sogenannten gesunden Menschenverstand manchmal schwer zu vermitteln.
Arroganz ist ein Charakterfehler, keine Frage des Niveau.
1. Eine Frau tötet eine andere Frau. Femizid?
2. Eine lesbische Frau in einer lesbischen Beziehung tötet ihre Partnerin. Femizid?
3. Eine heterosexuelle Frau tötet ihre Nebenbuhlerin. Beide lieben den selben Mann. Femizid?
1. Welches Motiv liegt vor?
2. Dito!
3. Eine Frau tötet eine Frau. Motiv: Eifersucht / Konkurrenz um denselben Mann. Das wird normalerweise als Beziehungstat oder Tötungsdelikt aus Eifersucht eingeordnet, nicht als Femizid, weil das Opfer nicht wegen ihres Frauseins getötet wird, sondern aus einer persönlichen Konfliktsituation heraus.
In der Forschung werden allerdings auch Grauzonen diskutiert. z.B. Wird die Rivalin als "Bedrohung" im Kontext als Besitzdenken über den Mann gesehen?
Trotzdem bleibt die gängige juristische und kriminologische Einordnung: Kein Femizid, sondern ein Tötungsdelikt aus persönlichem Motiv / Eifersucht.
Als Jurist sind diese Fragen unterirdisch.
Nicht jeder Mord an einer Frau ist automatisch ein Femizid.
Der Begriff beschreibt gesellschaftliche Macht- und Gewaltstrukturen als nur eine einzelne Tat. Deshalb wird er in der Forschung meist auf Fälle angewendet, in denen geschlechtsspezifische Gewalt/Motive gegen Frauen sichtbar werden. Was hier auch einige erkannt haben. Dementsprechend ist es egal, welches Geschlecht der Täter hat.
Ich habe zusätzlich mal ein paar Nachforschungen betrieben, weil`s Interesse geweckt hat. Regt zum Nachdenken an, finde ich. Daten sind aus dem Jahr 2024.
In Deutschland gibt es den Tatbestand des Femizid nicht. Er wird jedoch von dem Medien breitgetreten.
Grundsätzlich, da sind wir uns wohl einig, ist der männliche Part gewalttätiger.
Der Anteil von Gewalt geht zu 70 % von Männern aus, aber auch Frauen üben Gewalt aus, - gegen Männer.
Es gibt es 378 Frauenhäuser, dagegen 12 -15 spezialisierte Männerschutzeinrichtungen mit insgesamt 50 Plätzen in gesamt DE.
126 Männer konnten aufgenommen werden, 256 mussten abgewiesen werden, da kein Platz vorhanden war.
In 61 % der Fälle kommt die Gewalt von Frauen aus Partnerschaften. Das heißt: Gewalt von Frauen gegen Männer ist klar messbar. Das Problem ist das Dunkelfeld.
Es gibt ca. 85. Millionen Einwohner in Deutschland. 2024 gab es 132 klare Femizide an Frauen. Die Femizide machen einen prozentualen Anteil von 0,00024 % auf die Gesamtbevölkerung aus. Aufgeteilt nach kultureller Abstammung habe ich diese nicht.
Deutschland hat pro Jahr ca. 700 - 1000 Tötungsdelikte insgesamt. 200 - 500 Fälle bei denen Alkohol eine Rolle spielt. Insgesamt gibt es 3,9 Millionen Menschen in DE mit einer Alkoholstörung. Auch hier sind 2/3 Männer.
Ja, es wird dagegen etwas getan, jedoch wird es nicht so breitgetreten, wie zur Zeit das Femizid Thema. Ich hätte nichts dagegen, wenn auch diese 3,9 Millionen Menschen wesentlich mehr Beachtung geschenkt bekämen.
Die Dunkelziffern sind in allen Bereichen unterschätzt.
Ich frage mich persönlich, warum eine so geringe Anzahl, eine so große Debatte auslöst.
Nichtsdestotrotz: Jede/r Tote ist einer zu viel.
Da die Problematik an ganz anderer Stelle beginnt, frage ich mich, warum wird nicht dort angesetzt?
Kindheit, Bildung, in der Gesellschaft. Sprich, an der Wurzel angesetzt, um Menschen beizubringen, das man Gefühle steuern kann, Konflikte lösen und Beziehungen tragbarer werden als sie es sind.