Autor Thema: Political LowLights  (Gelesen 257228 mal)

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Offline Araxes

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Re: Political LowLights
« Antwort #1755 am: 14. Mai 2021, 23:49:08 »

Das ist doch längst Geschichte, heute geht es nicht mehr um die Reduzierung von Arbeitslosigkeit. Heute herrscht ganz im Gegenteil Fachkräftemangel, der zum Teil gerade mit noch Menschen aus anderen Ländern ausgeglichen werden kann.

Hartz4 und Fachkräfte sind aber zwei verschiedene Dinge und den Grund hast du selber genannt, wenn du mal drüber nachdenkts.

Zitat
Die Antwort ist einfach und sie lautet: Ja.

Darüber kann man geteilter Meinung sein.

Zitat
...dass sie sich nicht zeitlebens alternativenlos in einem Hamsterrad drehen müssen, was zumeist nur der Bereicherung einiger weniger in der Gesellschaft...

Diese Einstellung trifft man oft paarweise mit der darüber genannten, also Arbeit ist Ausbeutung, macht nur andere reich und Daueralementierung kratzt kein bißchen am Ego. Das sind dann aber genau die Leute, wegen denen es die Sanktionen gibt.

Zitat
..., aber nicht der optimalen Entfaltung des Einzelnen oder der Gesellschaft als Ganzes dient.

Für manch einen beginnt Entfaltung bei der Selbstachtung, für sich selber zu sorgen, selbst wenn man damit nicht reicht wird.

Zitat
Hier wurde eben noch nicht verstanden, dass der aufgrund der Ausstattung mit einem garantierten Existenzminimum nichts mit seinem Leben beruflich sonst noch anfangen wollende Bürger ein Menschenbild ist, was längst veraltet ist.

Du widersprichst dir gerade selber.

Zitat
Die wohl allermeisten wollen aus eigenem Antrieb mehr als das Minimum. Eine gleichwohl für gewisse Lebensphasen dennoch garantierte Grundversorgung zu haben (was faktisch schon heute der Fall ist, aber durch Drangsalierung der Bürger mit Zwangsmaßnahmen und Kürzungen noch mühsam verdeckt wird) wäre mit Sicherheit ein großer Fortschritt für eine moderne Gesellschaft.

Gibt eben jedem ein Recht auf 2 Jahre BGE im Leben und streiche im Gegenzug das ALG2 komplett. Mal sehen, was bei rauskommt. Vermutlich eine ziemlich niedrige Arbeitslosigkeit.
« Letzte Änderung: 15. Mai 2021, 15:29:53 von Araxes »

Offline Araxes

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Re: Political LowLights
« Antwort #1756 am: 14. Mai 2021, 23:53:54 »
Faktisch haben wir auf niedrigem Niveau heute schon das Grundeinkommen, aber das traut sich keiner politisch offen zu kommunizieren.

Das BGE verlangt aber nicht, erst mal seine Ersparnisse zu verbrauchen. Für jemanden, der keine hat, mag das ALG2 wie ein BGE sein. Das erzeugt aber noch eine zweite Ebene der Unfairness, denn wer sich keine Mühe gibt, selber mal so viel zu verdienen, daß man was sparen kann, wird auch nie zum Sozialstaat beitragen. Der verliert dann aber seine Akzeptanz. Der Sozialstaat fußt auf dem Einverständnis, daß Sozialleistungen bei Bedürftigkeit gezahlt werden und man dafür eben auch Einkommen in Form von Steuern abgibt.

Offline maxim

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Re: Political LowLights
« Antwort #1757 am: 15. Mai 2021, 10:44:48 »
Schröder ist schon lange Geschichte und die Sanktionen waren lange  Zeit verfassungskonform. Die Richter sind die neuen Sozialpolitiker. Fortschritt wird hierzulande in sozialer Münze gemessen. Offenbar ist D der einzige fortschrittliche Staat.
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Offline simplemachine

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Re: Political LowLights
« Antwort #1758 am: 15. Mai 2021, 21:08:28 »
Ich sehe anhand der Vorbeiträge, dass der Kern dessen, um was es künftig geht, noch nicht durchdrungen worden ist. Darum folgendes Beispiel:

Ein/e BürgerIn in D entscheidet sich, die Arbeitsstelle zu kündigen und ein einjähriges Sabbatical zu machen. Ersparnisse in nennenswerter Höhe sind nicht vorhanden. Die Person beantragt nun bei der Behörde das, was ihr gesetzlich im Mindestmaß zustehen soll und erklärt zugleich, für die Dauer von 1 Jahr keinesfalls an irgendwelchen Bemühungen zur Arbeitsssuche oder Umschulung etc. mitwirken zu wollen.

Wie soll also mit dieser Person im künftigen modernen Staat verfahren werden?

Abwandlung: Die Person erklärt, nie wieder arbeiten und mitwirken zu wollen, beansprucht dafür aber auch nur das Mindeste, was ihr für ein menschenwürdiges Leben zusteht.
« Letzte Änderung: 15. Mai 2021, 21:09:59 von simplemachine »

Offline Araxes

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Re: Political LowLights
« Antwort #1759 am: 15. Mai 2021, 21:49:22 »
Wie soll also mit dieser Person im künftigen modernen Staat verfahren werden?

Wenn die Person genug gespart hat, kann sie das gerne machen. Wenn nicht, meinetwegen auch, aber ohne Sozialleistungen. Die Gemeinschaft muß kein Sabbatical (Urlaub) finanzieren.

Offline simplemachine

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Re: Political LowLights
« Antwort #1760 am: 15. Mai 2021, 23:46:44 »
Wenn die Person genug gespart hat, kann sie das gerne machen.

Das ist banal. Jeder kann alles kaufen, was er bezahlen kann. Daher die Maßgabe in meinem Beispiel: "Ersparnisse in nennenswerter Höhe sind nicht vorhanden". Über Leute, die zumindest temporär nicht arbeiten müssen, weil sie angehäufte Mittel haben, um davon zu leben, braucht man nicht weiter zu Reden.

Wenn nicht, meinetwegen auch, aber ohne Sozialleistungen. Die Gemeinschaft muß kein Sabbatical (Urlaub) finanzieren.

Und wie verbleibt nun unsere Gesellschaft mit einer solchen Person. Verhungern lassen?

Und wie soll der Umgang mit der Abwandlung in meinem obigen Beispiel sein? Aufgrund der längerfristigen Komponente vielleicht die wichtigere Frage.
« Letzte Änderung: 15. Mai 2021, 23:48:39 von simplemachine »

Offline maxim

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Re: Political LowLights
« Antwort #1761 am: Gestern um 19:08:27 »

Und wie verbleibt nun unsere Gesellschaft mit einer solchen Person. Verhungern lassen?

Du meinst, man hört auf zu arbeiten und verhungert dann einfach. Ein bisschen vom Bartlby hätte das: Mann wird gefeuert und verlässt dann sein Büro nicht mehr - nicht zum schlafen und zum essen. 'I prefer not to'. Mehr gibt es da nicht mehr zu sagen.

Auch eine Brücke ist ja ein Dach über dem Kopf.

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Offline Yossarian

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Re: Political LowLights
« Antwort #1762 am: Gestern um 19:45:45 »
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Offline Araxes

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Re: Political LowLights
« Antwort #1763 am: Gestern um 21:10:07 »
Das ist banal. Jeder kann alles kaufen, was er bezahlen kann. Daher die Maßgabe in meinem Beispiel: "Ersparnisse in nennenswerter Höhe sind nicht vorhanden".

Dann sollte man nicht den Job hinschmeißen.

Zitat
Und wie verbleibt nun unsere Gesellschaft mit einer solchen Person. Verhungern lassen?
Frage.

Lebensmittelgutscheine.

Zitat
Und wie soll der Umgang mit der Abwandlung in meinem obigen Beispiel sein?

Genauso und eigentlich ist schon das zu viel, denn wenn jemand "erklärt, nie wieder arbeiten und mitwirken zu wollen", dann ist das nicht mein Problem. Kann man gerne so machen, muß man aber dann selber sehen, wo man bleibt. Nicht ausgenutzt werden zu wollen fällt auch unter Menschenwürde.
« Letzte Änderung: Gestern um 21:18:49 von Araxes »

Offline Yossarian

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Re: Political LowLights
« Antwort #1764 am: Gestern um 21:53:21 »
Nicht ausgenutzt werden zu wollen fällt auch unter Menschenwürde.

Good point!

Das bedingungslose Grundeinkommen muß von irgendwem erwirtschaftet werden, das fällt nicht vom Himmel.
« Letzte Änderung: Gestern um 21:56:07 von Yossarian »
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Offline Yossarian

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Offline simplemachine

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Re: Political LowLights
« Antwort #1766 am: Gestern um 22:31:35 »
Du meinst, man hört auf zu arbeiten und verhungert dann einfach. Ein bisschen vom Bartlby hätte das: Mann wird gefeuert und verlässt dann sein Büro nicht mehr - nicht zum schlafen und zum essen. 'I prefer not to'.


Bartleby ist - in der ohnehin rein fiktiven Erzählung -  nicht im Büro verhungert und auch sonst nicht an einem fremdbestimmten Mangel gestorben, sondern daran, dass er sich selbstbestimmt gewissen Mechanismen, die von außen an ihn herangetragen wurden, verweigert hat. Dass in der Geschichte kein lebenserhaltendes Minimum vorhanden gewesen wäre, ist also nicht Thema.


Auch eine Brücke ist ja ein Dach über dem Kopf.


Ich habe eine andere Vorstellung von Menschenwürde, als staatlich initiierte Obdachlosigkeit.


Dann sollte man nicht den Job hinschmeißen.

Nicht ausgenutzt werden zu wollen fällt auch unter Menschenwürde.


Was andere im Rahmen des Erlaubten "sollen" oder gar zu "wollen" haben, ist allein deren Sache. Alles andere ist Bevormundung.


Lebensmittelgutscheine.


Geld oder Gutschein, das ist vom wirtschaftlichen Aufwand her doch nur ein Austausch der Währung. Aber auch hier wieder Bevormundung. Man will den Ärmsten noch die kleinste Freiheit wegnehmen, für was sie ihr begrenztes Tagesbudget überhaupt einsetzen. Vielleicht möchte der Leistungsempfänger ja einen Tag Nulldiät machen und dafür 1x ins Kino gehen. Aber nein, da gibts noch Leute, die gönnen auch das absolute Minimum an selbstverwalteter finanzieller Freiheit nicht mehr.
« Letzte Änderung: Gestern um 22:33:14 von simplemachine »

Offline Yossarian

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Re: Political LowLights
« Antwort #1767 am: Gestern um 23:21:34 »
- in der ohnehin rein fiktiven Erzählung - 

Im Gegensatz zu Melvilles Sachbuch "Moby Dick"...

Zitat
Ich habe eine andere Vorstellung von Menschenwürde, als staatlich initiierte Obdachlosigkeit.

Komm doch endlich mal zum Punkt.
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