Autor Thema: KZ-Bordelle  (Gelesen 2584 mal)

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Yossarian

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KZ-Bordelle
« am: 20. März 2014, 12:01:02 »
Ich war gestern schon früh zuhause war und hatte deshalb späteren Nachmittag schon die Glotze an. Auf zdf-info lief ein hochinteressanter Bericht über KZ-Bordelle.

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1931786/System-Sonderbau---KZ-Haeftlingsbordelle

Bisher wußte ich nur, daß es so was gab.

An Positivem ist zu vermelden, daß fast alle Frauen, die da "tätig" waren, ihren KZ-Aufenthalt überlebt haben. Das war´s dann aber auch schon mit dem Positiven.

Was mich an der ganzen Geschichte am meisten befremdet, ist, daß es da überhaupt "Kundschaft" gab.

Wie einer der in der Sendung interviewten Historiker es auf den Punkt gebracht hat, war das beherrschende Thema unter den Gefangenen der Hunger und nicht irgenwelche erotischen Bedürfnisse. Und selbst wenn ein paar Insassen noch Energie und Muße für warme Gedanken hatten, was treibt einen dazu, zur Triebabfuhr bei der Lagerleitung für zwei Reichsmark einen Bordellbesuch förmlich zu beantragen und sich dort an einer Mitgefangenen zu vergehen?

Es sind zwei oder drei "Bordellbesucher" interviewt worden, die damals als KZ-Häftlinge schon privilegierte Stellungen hatten (Lagerfeuerwehr und Frisör). Die haben zwar viel erzählt, aber nicht, was sie geritten hat, da hinzugehen. Von einer Zwangsprostituierten existiert ein Tonbndprotokoll, sonst gab es von den Frauen selbst nichts.

Einigermaßen tröstlich war, daß die Bordellbesucher bei den anderen Gefangenen, insbesondere den politischen, nicht sehr hoch angesehen waren, und daß es regelrechte Proteste gegen die Errichtung dieser Bordelle von seiten der (männlichen) politischen Gefangenen gab.

Kuckt Euch den Beitrag mal an, so lange er noch in der Mediathek zu sehen ist.

Offline Schelm

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Re: KZ-Bordelle
« Antwort #1 am: 20. März 2014, 21:47:42 »
Ich glaube, dass es diesen Beitrag auch bei Youtube gibt....ich habe den da schon mal gesehen. Manchmal habe ich mit sehr alten Menschen zu tun ..eigentlich eher mit deren Witwen/Witwern...die in Südamerika wohnen...ich weiß da schon....wem ich da zum Teil Renten anweise  :-\
"Die spinnen die Bayern" ...  Bodo

Offline simplemachine

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Re: KZ-Bordelle
« Antwort #2 am: 23. März 2014, 13:29:31 »
Was mich an der ganzen Geschichte am meisten befremdet, ist, daß es da überhaupt "Kundschaft" gab.

Naja, wenn man in ein Männer-Gefangenenlager mit absolut miserablen Lebensbedingungen auf einmal hübsche junge Frauen bringt, deren Dienste gegen ein Entgelt beansprucht werden können, dass man sich leisten kann, was soll dann schon passieren? Egal ob man nun das Weltbild eines Gutmenschen oder einer EMMA-Leserin verinnerlicht hat, es werden in so einer Konstellation kaum wirklich alle Gefangenen eine dies verbietende Moral entwickeln. Ich würde sogar bezweifeln, dass es in heutigen normalen Gefängnissen großartig anders wäre.

Yossarian

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Re: KZ-Bordelle
« Antwort #3 am: 23. März 2014, 17:57:58 »
Das ist nicht der Punkt. Wenn Du Fotos von den halbverhungerten Gestalten kennst, zu denen KZ-Häftlinge gemacht wurden, dann fragst Du Dich erst mal, wie man in so einem Zustand überhaupt noch an Sex denken geschweige denn einen hochkriegen kann.

Dann ist es noch mal was ganz anderes, ob man in eine solche Situation "auf einmal hübsche junge Frauen bringt, deren Dienste gegen ein Entgelt beansprucht werden", oder ob man weiß, daß man da nichts anderes tut, als eine Mitgefangene zu vergewaltigen. Daß die Frauen sich dort nicht freiwillig prostituiert haben, dürfte wohl auch dem letzten "Kunden" bekannt gewesen sein.

Offline nigel48

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Re: KZ-Bordelle
« Antwort #4 am: 23. März 2014, 18:23:39 »
arschlöcher gibts einfach ÜBERALL.
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Offline simplemachine

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Re: KZ-Bordelle
« Antwort #5 am: 23. März 2014, 21:44:13 »
Das ist nicht der Punkt. Wenn Du Fotos von den halbverhungerten Gestalten kennst, zu denen KZ-Häftlinge gemacht wurden, dann fragst Du Dich erst mal, wie man in so einem Zustand überhaupt noch an Sex denken geschweige denn einen hochkriegen kann.

Sicher. Aber dasselbe wird bei Bildern aus der "3. Welt" auch empfunden und es ist wohl gesicherte Erkenntnis, das der Fortpflanzungstrieb stark genug ist. Die Natur setzt eben Fortpflanzung über alles.

Daß die Frauen sich dort nicht freiwillig prostituiert haben, dürfte wohl auch dem letzten "Kunden" bekannt gewesen sein.

Ich denke nicht, es wurde ja ausdrücklich Freiwilligkeit propagiert. Zumindest am Anfang wurden ja auch Freiwillige rekrutiert, darunter aber auch vornehmlich solche, die vorher schon Professionelle waren (um einen "professionellen Betrieb zu gewährleisten"). Diejenigen wurden mit dem Versprechen geködert, nach 6 Monaten in Freiheit zu gelangen. Die Frauen lagen ja auch nicht in Ketten, sondern hatten (neben quasi einer Überlebensgarantie) starke Privilegien, wurden aufgepäppelt um weiblich auszusehen, bekamen Sonderrationen, Hygiene, medizinische Versorgung, schöne Kleidung etc. Die Grenzen zwischen freiwillig um da rauszukommen und reinem Zwang waren sicher verwischt, aber in der Grauzone fragen Männer nicht. So ist es heute doch immer noch. Und selbst wenn die Wahrheit allen genau bekannt wäre, verhält es sich, wie vorstehend schon von nigel48 festgestellt.
« Letzte Änderung: 23. März 2014, 21:47:56 von simplemachine »

Offline Kulle

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Re: KZ-Bordelle
« Antwort #6 am: 23. März 2014, 21:53:35 »
....Die Frauen lagen ja auch nicht in Ketten, sondern hatten (neben quasi einer Überlebensgarantie) starke Privilegien, wurden aufgepäppelt um weiblich auszusehen, bekamen Sonderrationen, Hygiene, medizinische Versorgung, schöne Kleidung etc. ...
Du hast sehr romantische Vorstellungen von dieser Zeit. Alle Achtung.

Yossarian

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Re: KZ-Bordelle
« Antwort #7 am: 23. März 2014, 22:03:45 »
in der Grauzone fragen Männer nicht.

Du meinst vielleicht, in der Grauzone fragst *Du* nicht.

Offline simplemachine

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Re: KZ-Bordelle
« Antwort #8 am: 24. März 2014, 21:34:45 »
Du meinst vielleicht, in der Grauzone fragst *Du* nicht.

Nach Aussagen eines Bekannten eines Bekannten, der wiederum jemanden kennt, der schon einmal in einem Bordell gewesen sein soll, sind Fragen nach den tieferen Beweggründen der Dienstleistungsanbietung bei den Frauen im Allgemeinen absolut unerwünscht und werden auch nicht beantwortet.

Yossarian

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Re: KZ-Bordelle
« Antwort #9 am: 25. März 2014, 08:45:51 »
Ich weiß jetzt aus persönlicher Erfahrung nicht, welche Themen beim Smalltalk im Puff nach der dort üblichen Etikette zu vermeiden sind; aber hier gibt es Bordellgänger, die uns da sicher erleuchten können. Ich muß sogar gestehen, daß ich selbst nie danach gefragt habe, obwohl ich früher, als ich noch mehr Straferteidigungen gemacht habe, schon ab und an mit Damen aus dem Gewerbe zu tun hatte und mit einer sogar gelegentlich tiefschürfende Gespräche geführt habe.

Aber Du willst hier doch nicht wirklich ein gewöhnliches Bordell in irgendeiner deutschen Großstadt mit einem KZ-Bordell vergleichen, oder?


Offline nigel48

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Re: KZ-Bordelle
« Antwort #10 am: 25. März 2014, 09:09:02 »
es ist ja nicht so, dass es in den kzs nur häftlinge und insassen gab.
bei aller brutalität waren die faschos ja auch noch klever und effizient.
wenn alle darben gibst du 10% kleine vergünstigungen für spitzeldienste, aufsicht etc. und ab und zu eine extrabelohnung.
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Offline Yossarian

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Re: KZ-Bordelle
« Antwort #11 am: 20. Januar 2021, 21:54:43 »
Ich wußte nicht wohin damit, wollte es aber loswerden:

Heute vor 79 Jahren trafen sich 15 hochrangige Vertreter der NS-Regierung zur Wannseekonferenz.
"I came to a point where I needed solitude and just stop the machine of thinking and enjoying what they call living, I just wanted to lie in the grass and look at the clouds."

— Jack Kerouac

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