Autor Thema: Ehevertrag  (Gelesen 6095 mal)

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Offline ganter

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Re: Ehevertrag
« Antwort #15 am: 04. Februar 2016, 00:19:54 »
Genau!
Recht so!
"Männer definieren sich sowieso nicht über die Drogeneinwurfmenge."
"Im Vergleich zur bricom dürfte jede Wand einer öffentlichen Bedürfnissanstalt ein Quell unendlicher Weisheit sein...."
Bodo

Offline Mattieu

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Re: Ehevertrag
« Antwort #16 am: 04. Februar 2016, 10:08:24 »
Heiraten wegen Witwenrente ist schon ne ziemliche berechnende Nummer.
Scheiße ist, wenn der Furz was wiegt.

Conte Palmieri

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Re: Ehevertrag
« Antwort #17 am: 04. Februar 2016, 10:15:28 »
Ja und? Ohne "Berechnung" bekommen wir gar nichts im Leben.

Früher musste man heiraten, um die Lizenz zum vögeln zu bekommen. Oder eine Wohnung. Oder einen Kredit.
Heute eben Hinterbliebenenrente oder Aufenthaltserlaubnis.
Es geht immer um irgendetwas, was sich "berechnen" lässt.

Einfach so die Liebe funktioniert auch ohne Trauschein.

Das Besondere am heiraten ist das große Vertrauen in den anderen, das dazu nötig ist. Und dadurch wird es auch wieder zum Zeichen über die Berechnung hinaus.

Offline Korinthenkackerin

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Re: Ehevertrag
« Antwort #18 am: 04. Februar 2016, 14:52:31 »
Mir ist es eigentlich schnurz, wer meine eventuelle Eheschließung wie beurteilt  :evil. Mein Partner, den ich von Herzen liebe, muss es wollen und wenn er es nicht wollte, dann wäre das auch kein Drama für mich. Tatsächlich will er aber, so what? Die Ausgangsfrage war nicht, wer das wie findet, sondern wie wir das Ganze praktisch anstellen.

Offline Yossarian

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Re: Ehevertrag
« Antwort #19 am: 04. Februar 2016, 15:03:13 »
Heiraten wegen Witwenrente ist schon ne ziemliche berechnende Nummer.

Die Hinterbliebenenrente dem Staat zu schenken, wenn man sowieso zusammen ist, ist dagegen ziemlich doof.

Ein Bekannter, Altachtundsechziger, war mindestens 25, eher 30 Jahre mit seiner Freundin zusammen, ebenfalls Altachtundsechzigerin. Er seit Jahren arbeitslos (nicht aus Faulheit, sondern weil er sich mit jedem Arbeitgeber binnen kürzester Zeit in der Wolle hatte), sie eine Stelle im öffentlichen Dienst. Sie - ganz frühe Feministin - posaunt ständig rum, daß sie stolz darauf sei, nie geheiratet zu haben.

Dann bekommt sie einen fiesen Krebs und stirbt binnen weniger Monate. Auch in der Zeit ihrer Krankheit kommt keiner von den beiden auf die Idee, zu heiraten. Jetzt lebt er von einer Minirente und ergänzender Grundsicherung. Er hätte einer ganz ordentlich Witwerrente bekommen.
"I came to a point where I needed solitude and just stop the machine of thinking and enjoying what they call living, I just wanted to lie in the grass and look at the clouds."

— Jack Kerouac

Offline simplemachine

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Re: Ehevertrag
« Antwort #20 am: 07. März 2016, 23:42:37 »
Auch in der Zeit ihrer Krankheit kommt keiner von den beiden auf die Idee, zu heiraten.

Schonmal in Betracht gezogen, dass der "Altachtundsechziger" und die "frühe Feministin" vllt. ein gemeinsames Wertesystem verinnerlicht hatten, welches die Überstülpung des rechtlich-behördlichen Systems Heirat über ihre seit Jahrzehnten auch so in Freiheit und Freiwilligkeit fortdauernden Bezeihung nicht als erstrebenswert ansieht? Ideenlosigkeit wird es da wohl eher nicht gewesen sein.

Und wie fragt man auch eine totkranke Partnerin, ob sie entgegen der jahrzehntelangen bisherigen Lebensüberzeugung einen nicht doch noch heiraten will, um den finanziellen Vorteil aus ihrem Schicksal zu ziehen? Wirtschaftlich mag so etwas ja Sinn machen, aber die moralische Last einer solchen "Leichenfledderei" vermag sicher nicht ein jeder ohne Weiteres zu tragen. Wenn der Altachtundsechziger heute mit bescheidenen Mitteln, aber nach wie vor getreu seinen (bzw. den vormals gemeinsamen) Werten lebt, mag das annerkennenswerter sein, als die (vllt. ganz bewusst) verpasste Bereicherung am Ableben seiner Lebenspartnerin.

Auch heute ist zum Glück noch längst nicht jeder gewillt oder charakterlich dazu in der Lage, die menschliche Paarbeziehung durch und durch zu monetarisieren.

« Letzte Änderung: 07. März 2016, 23:56:10 von simplemachine »

Offline Schelm

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Re: Ehevertrag
« Antwort #21 am: 08. März 2016, 00:09:49 »
Du lebst allein...hast keine Nachkommen...und kommst mit deinem "Einkommen" gerade so aus?

Deswegen sind Menschen, die darauf wert legen....ihre Familie versorgt zu wissen Sozialschmarotzer?

"Die spinnen die Bayern" ...  Bodo

Offline Yossarian

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Re: Ehevertrag
« Antwort #22 am: 08. März 2016, 08:21:55 »
Schonmal in Betracht gezogen, dass der "Altachtundsechziger" und die "frühe Feministin" vllt. ein gemeinsames Wertesystem verinnerlicht hatten, welches die Überstülpung des rechtlich-behördlichen Systems Heirat über ihre seit Jahrzehnten auch so in Freiheit und Freiwilligkeit fortdauernden Bezeihung nicht als erstrebenswert ansieht?

Denen war aber auch klar, daß die Rente - eigene wie Hinterbliebenenrente - beitragsbasiert ist, und daß sie so dem "System" jede Menge Kohle geschenkt haben, die zuvor von ihnen selbst erwirtschaftet worden war.

Die beiden waren über 30 Jahre zusammen, von denen hätte es keiner in den falschen Hals bekommen, angesichts ihres nahenden Todes mal darüber nachzudenken, dem "Feind" vielleicht doch lieber nichts zu schenken. Zumal beide verdammt gut wußten, daß seine Altersabsicherung wegen ewiger Zeiten der Arbeitslosigkeit ziemlich lausig ist.
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Offline Mattieu

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Re: Ehevertrag
« Antwort #23 am: 08. März 2016, 09:39:50 »
Und wie fragt man auch eine totkranke Partnerin, ob sie entgegen der jahrzehntelangen bisherigen Lebensüberzeugung einen nicht doch noch heiraten will, um den finanziellen Vorteil aus ihrem Schicksal zu ziehen?

Das stell ich mir als interessante Szene vor.
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Offline Yossarian

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Re: Ehevertrag
« Antwort #24 am: 08. März 2016, 09:50:05 »
Derartige Szenen kommen oft vor; in den seltensten Fällen laufen die so ab, wie du Dir das vielleicht gerade vorstellst.

Gerade wenn man noch genug Zeit hat, Dinge zu regeln, sind derartige Szenen fast eher die Regel. Meistens wird das dann von dem betrieben, der gehen muß, selten von dem, der übrigbleibt. Einen Partner versorgt zu wissen, ist oft genug der letzte Liebesdienst, den man ihm erweisen kann. Notare, die sich auf Intensivstationen die Klinke in die Hand geben und Nottestamente von Sterbenden aufnehmen, können ein Lied davon singen.
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Offline Mattieu

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Re: Ehevertrag
« Antwort #25 am: 08. März 2016, 10:40:15 »
Derartige Szenen kommen oft vor; in den seltensten Fällen laufen die so ab, wie du Dir das vielleicht gerade vorstellst.
Ui, der Satz ist ja sogar doppelt spekulativ.

Gerade wenn man noch genug Zeit hat, Dinge zu regeln, sind derartige Szenen fast eher die Regel. Meistens wird das dann von dem betrieben, der gehen muß, selten von dem, der übrigbleibt.
Das ist ein anderer Fall als der oben beschriebene.

Einen Partner versorgt zu wissen, ist oft genug der letzte Liebesdienst, den man ihm erweisen kann. Notare, die sich auf Intensivstationen die Klinke in die Hand geben und Nottestamente von Sterbenden aufnehmen, können ein Lied davon singen.
Kann ich gut nach vollziehen. Der obige Fall bezieht seine Brisanz aber aus der entgegengesetzten Konstellation, in der der Hinterbliebene versorgt sein möchte gegen die bisher jahrelang als gemeinsam angenommene Überzeugung. Das stell ich mir szenisch einigermaßen spektakulär vor.
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Offline Yossarian

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Re: Ehevertrag
« Antwort #26 am: 08. März 2016, 10:49:07 »
Das Blöde in dem Fall ist, daß wahrscheinlich beide in ihrer ideologischen Verbohrtheit das Naheliegende weder gedacht noch ausgesprochen haben - er, der Hinterbliebene, noch viel verbohrter als sie. Sie war in solchen Dingen eher pragmatisch, und es hätte wahrscheinlich nicht viel des Überlegens bedurft. Allerdings hatten sie wohl beide gehofft, daß sie nicht stirbt. Nahegelegt hatte ich ihm die Heirat schon, was er natürlich zurückgewiesen hat. Da sie sich ansonsten anläßlich ihrer Erkrankung um die Regelung ihrer Angelegenheiten gekümmert hatten, war denen wohl schon klar, wie es um sie stand.
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Offline grashopper

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Re: Ehevertrag
« Antwort #27 am: 08. März 2016, 11:13:10 »

Kann ich gut nach vollziehen. Der obige Fall bezieht seine Brisanz aber aus der entgegengesetzten Konstellation, in der der Hinterbliebene versorgt sein möchte gegen die bisher jahrelang als gemeinsam angenommene Überzeugung. Das stell ich mir szenisch einigermaßen spektakulär vor.

Der beschriebene Fall ist eben wohl so, dass keiner von beiden daran gedacht hat, dass er/sie mal abkratzt. Und es ihr/ihm ggf. egal war, was aus dem eigenen Vermögen/der erarbeiteten Rente wird.


Ob sie ihm oder umgekehrt er ihr eine eventuelle Rente gegönnt hätte, bleibt aufgrund der jetzigen Tatsache obsolet und ungewiss.

Wenn sich aber Paare gegenseitig absichern wollen, ist das für mich keine monetäre Willkür derjenigen. Sondern auch der Wunsch nach Absicherung des Partners.

Und eben nix dem Staat oder der Kirche schenken, wo man eh schon jahrelang reingebuttert hat.






"draußen nur Kännchen" - Bodo

Offline Nikibo

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Re: Ehevertrag
« Antwort #28 am: 08. März 2016, 12:38:50 »
Wie verbohrt muss man in sein Weltbild sein, den Partner so unnötig verarmen zu lassen? Verstehe ich nicht. Liebe sieht für mich anders aus.
Vernünftig ist wie tot.
Nur vorher.

Offline Yossarian

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Re: Ehevertrag
« Antwort #29 am: 08. März 2016, 15:33:10 »
Ich weiß nicht, ob ihr wirklich bewußt war, wie es um ihn steht. Auch Altlinke reden nicht immer gerne über Geld, und als "Mann im Haus" konnte er wahrscheinlich nicht über seinen altlinken Schatten springen und wollte vielleicht nicht zugeben, wie es aussieht.

Jedenfalls haben die eine hübsche Hinterbliebenenrente nebst Zusatzversorgung aus der VBL verschenkt.
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