Autor Thema: Trennung trotz gegenseitiger Liebe?  (Gelesen 5759 mal)

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Offline Yamaha-Rider

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Trennung trotz gegenseitiger Liebe?
« am: 27. Februar 2014, 19:19:40 »
Hallo an alle User,

Ich mache gerade eine schwere Phase durch, und versuche mir viele Meinungen, viel Rat und Zuspruch einzuholen.
Zum Glück habe ich gute Freunde die mir immer zur Seite stehen und mir bereits gut geholfen haben.
Allerdings möchte ich mir neutrale Meinungen und Erfahrungen einholen, worauf ich hier gelandet bin.

Zum Problem:
Meine Ex-Freundin und ich waren 3 Jahre glücklich zusammen. Wir liebten uns gegenseitig sehr und tuen es immer noch. Klingt erstmal komisch, aber der reihe nach.

Vorgeschichte:
Ich war 18, sie 16. "Mensch sind die Jung, ist doch eh nur Kindergarten" werden jetzt die meisten sagen. Nein so ist es nicht, das war kein Kindergarten. Wir liebten uns, vertrauten uns, waren immer für einander da und hatten eine schöne Zeit. Wir haben nur sehr selten gestritten, da es  wenig Streitpotential gab. Sie kam aus einem strengen Elternhaus und durfte bis sie 18 wurde nicht auf Party's und nur selten über Nacht weggehen. Sie ist sehr vernünftig und bescheiden, trotz des jungen Alters. Sie hatte nur wenige richtige Freunde und ich war sozusagen ihr Anker.

Vor gut einem Jahr:
Sie wurde 18. Absolvierte ihr Abitur und ging öfters mit Freundinnen aus. Ich war sehr selten dabei, da ich lieber was mit den Jungs einen Anstoßen war. Alles war in Ordnung.

Vor einem halben Jahr:
Mein Vater erkrankt an eine unheilbare Krankheit. Eine sehr schwere Situation für mich. Meine Mutter leidet sehr und ich muss stark für sie sein, was mich selbst sehr schwach machte.
Ich wurde meiner Freundin gegenüber kalt. Ich gab ihr in der Zeit wenig Liebe, unternahm wenig mit ihr, war wenig selbstbewusst. Ich habe auch darüber nur selten mit meiner Freundin geredet. Damit wäre auch ein großes Problem aufgedeckt. Wir kommunizierten garnicht mehr über unsere Gefühle und Probleme.
Sie hatte auch Probleme, wollte mich aber nicht damit belasten, weil es mir nicht gut ging. So begannen wir alles in uns hineinzufressen.
In der Zwischenzeit fing sie in einer Bar  das Arbeiten an um etwas Geld für das bevorstehende Studium zu sparen.
Dort lernte sie viele Leute kennen und entdeckte das "andere aufregende Leben" ohne elterliche Einschränkung. Sie wurde zunehmend selbstbewusster. Davor war sie es nur wenig. Durch meine geistige Abwesenheit machte ich ihre Entwicklung nicht mit bzw. ich bekam es garnicht so krass mit, dass erzählte sie mir im Nachhinein.
Sie traf alte Freunde wieder und lernte deren Freunde kennen.
Sie chattete aufeinmal mit mehr Leuten, auch mit paar Kerlen. Früher hatte ich nie ein Problem damit habt, weil sie mir auch alles erzählte und ich wusste das es nur freundschaftlich ist und ich die Personen auch kannte.
Durch meine emotionalen Tiefpunkt wurde ich eifersüchtig, machte oft dumme Anmerkungen, war beleidigt, sprach es aber nicht an. Irgendwann war es mir zu viel, wurde laut und sagte ihr dass es mich stört und sie es lassen soll.
Sie war enttäuscht über meine Reaktion und zeigte mir ihre Chatverläufe um mir zu beweißen das da wirklich nichts ist.
Danach wurde es zwischen uns noch kühler. Sie fing merklich an Abweisend zu werden.

Anfang des Jahres:
Sie kam zu mir und weinte. Sie beichtete mir, das einer dieser Kerle mit dem sie gechattet hat nach der Disko nach Hause gefahren hat und sie geküsst hat.
Ich dachte mir ok, total beschissen, aber er hat dich ja gepackt und du kannst nichts dafür.
Ich fragte sie: "Hast du Gefühle für ihn?"
Sie sagte: "Ich weiß nicht"
Ich: "Warum? Wie konnte das passieren?"
Sie: "er war für mich da, wir redeten sehr viel in der bar und sie dachte es wäre nur Freundschaft. Bis er mich küsste und da hat sie gemerkt das sie doch was für ihn empfindet."
Ich: "liebst du mich noch?"
Sie: "Ja, aber es ist anders"
Für mich ist eine Welt zusammen gebrochen.
Ich war entäuscht, wütend und traurig.

Eine Woche später, etwas beruhigt und klarer im Kopf, ist mir bewusst geworden, wie sehr ich sie noch liebe und das ich sie nicht so einfach gehen lassen kann. Ich klopfte bei ihr an und traf mich nochmals mit ihr um zu reden, weil alles so ungeklärt war. Sie erklärte mir, dass sie zuzeit total verwirrt sei, nicht weiß was sie will, und sie sich selbst finden muss. Sie hat große Zunkunftsangst.
Sie brach den Kontakt mit dem Typen ab, weil es unfair gegenüber mir wäre und weil sie sich mit ihm auch keine Zukunft vorstellen könnte. Allerdings merkte ich, dass es ihr schwer fiel, dass zu sagen.

Wir haben beschlossen es nochmal mit uns versuchen. Wir trafen uns öfters und es war teilweise so wie früher. Wir lachten viel, quatschten sehr viel, sie kuschelte an mich ran. Jedoch herrschte eine Distanz. Sie ließ sich nicht küssen, schon gar nicht anfassen. Klar nachdem was passiert ist, nicht so einfach.
Da ich aber sehr ungeduldig bin und in der Luft hing, da ich nicht weiß was sie nun will, suchte ich nochmal das Gespräch auf.

Sie sagte mir: "Ich habe eine gewisse Blockade, mich dir wieder zu öffnen. Ich liebe dich, aber weiß nicht was los ist. Es tut mir so leid dich leiden zu sehen. Ich habe angst dich zu verlieren, aber ich kann nicht so mit dir zusammen sein. Du machst mir immer mehr vorwürfe und ich habe Angst das du mich anfängst zu hassen. Ich will den Typen nie wieder sehen, da es ein Arsch ist, und du sollst wissen das ich keine Sekunde zwischen euch entscheiden wollte. Es liegt nur an ihr, da sie selber nicht weiß wo sie steht, was sie will und hat große Angst vor der Zukunft, du kannst nichts dafür."
Wir redeten 5 Stunden, weinten, hielten uns in den Armen, küssten uns.
Wir sind aber beide zu dem Entschluss gekommen das wir uns trennen.(das kam aber mehr von ihr.)
Im Gespräch war auch eine Pause, das wollte ich bewusst nicht, weil ich die Ungewissheit nicht ertrage und es nicht packe.
Sie schrieb mir nochmal eine SMS. "Ich werde dich nie vergessen, und immer vermissen. Ich glaube daran das wir irgendwann einen Neustart beginnen können. Ich liebe dich"

Nun bin ich ganz schön geschlaucht. Einerseits bin ich erleichtert, dass endlich eine Entscheidung getroffen wurde, andererseits total traurig. Wie kann sie sich trennen und mich noch gleichzeitig lieben?!
Sagst sie das alles nur um mich zu "besänftigen"?
Glaubt ihr daran, dass es einen Neustart geben könnte?
Sie hat mich darum gebeten, dass ich mich bei ihr bald melden soll, weil sie wissen will wie es mir geht bezüglich meinem Vater. Ich habe es ihr versprochen. Taktisch ist es aber unklug, da sie sich melden sollte, wenn es sie interessiert.
Wie soll ich mich nun verhalten?
Kann ich noch hoffen oder soll ich versuchen loszulassen?

Würde mich freuen, wenn sich einer die Mühe macht, die Story durch zulesen.

Lg,
Yamaha-Rider

Offline Kulle

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Re: Trennung trotz gegenseitiger Liebe?
« Antwort #1 am: 27. Februar 2014, 19:49:26 »
....Vor einem halben Jahr:
Mein Vater erkrankt an eine unheilbare Krankheit. Eine sehr schwere Situation für mich. Meine Mutter leidet sehr und ich muss stark für sie sein, was mich selbst sehr schwach machte.
....

Das ist wohl dein Hauptproblem. Du darfst genauso schwach sein wie deine Mutter. Du darfst leiden wegen dem Zustand deines Vaters. Du musst nicht irgend eine Show abziehen. Heule wenn du heulen willst.

marple

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Re: Trennung trotz gegenseitiger Liebe?
« Antwort #2 am: 27. Februar 2014, 20:01:29 »
Die Situation mit deinen Eltern isst sicherlich schwer zu ertragen für dich. Klar, dass du dann erst mal deine Kraft für dich brauchst.

Im Zusammenhang mit deiner Freundin wäre wichtig zu wissen, wie lange du sie dafür weggestellt hast. Wenn sie in der Zeit Abi gemacht, Arbeit begonnen hat, etc., bedeutet das für mich, dass es etliche Monate gewesen sein müssen. Also etwa ein Viertel eurer gesamten Beziehungszeit? Oder mehr?

Was lange gebraucht hat, schlecht zu werden, braucht bald doppelt so lange, um eventuell zu "heilen".

Ich kann nur raten, wie sie die Sache sieht:
Wenn sie eine Weile Zeit hatte, darüber nachzudenken, wird sie vielleicht gemerkt haben, dass du sie in einer Krisensituation lange in einer Ecke geparkt hast, wo sie still stehen bleiben und nicht zusätzlich Streß verursachen sollte. Ich glaube dir unbesehen, dass du sie irgendwann aus dieser Ecke wieder herausholen wolltest. Aber was ist in den nächsten Krisen? Beim Studium? Bei Abschlüssen? Wenn dein Vater geht? Wenn der Job nicht toll läuft? Wenn Geld knapp ist?

Du hast sie aus der Ecke geholt, weil sie sich darin gemuckst hat. Weil du sie dadurch wieder bemerkt hast. So eingestaubt, wie sie da stand, soll sie jetzt aber gleich wieder so schön frisch gewachst und gewaschen sein, wie du sie abgestellt hast. Also wieder bloß keine Probleme machen. Freundin mit Saisonkennzeichen?

Ich weiß nicht, ob es wieder was wird. Ihr seid jung und relativ unerfahren. Da spielen schöne Erinnerungen noch eine große Rolle. Aber darauf bestehen kannst du nicht. Und drängeln bringt erst recht nichts.

Sie hat mich darum gebeten, dass ich mich bei ihr bald melden soll, weil sie wissen will wie es mir geht bezüglich meinem Vater. Ich habe es ihr versprochen. Taktisch ist es aber unklug, da sie sich melden sollte, wenn es sie interessiert.

Hmm. Du hast ihr was versprochen, um was sie dich gebeten hat. Aber jetzt willst du zu deinen Gunsten taktieren? Ihr oder dir beweisen, ob sie oder ob sie nicht genug Interesse für wieder mal deine Probleme aufbringt? Denk mal drüber nach.

Durch meine emotionalen Tiefpunkt wurde ich eifersüchtig, machte oft dumme Anmerkungen, war beleidigt, sprach es aber nicht an. Irgendwann war es mir zu viel, wurde laut und sagte ihr dass es mich stört und sie es lassen soll.

Das ist übergriffig von dir. In einer Beziehung hat es keine Befehle zu geben.

Offline Yamaha-Rider

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Re: Trennung trotz gegenseitiger Liebe?
« Antwort #3 am: 27. Februar 2014, 20:55:35 »
Danke für die Antworten!
Seit der Diagnose wurde ich anders zu ihr.
In der Zeit des Abiturs war ich immer für sie da. Auch so stand ich bei Problemen immer zur Seite und half ihr, ohne mich bitten zu müssen. Dafür ist sie mir sehr dankbar und hat es immer wieder betont.
Deswegen ist sie auch sehr sauer auf sich selbst, dass ausgerechnet meiner Krise das alles so passiert ist. Und ich habe ihr den Vorwurf gemacht, dass sie meiner Situation gegenüber zu wenig Verständnis gebracht hat. Ich habe sehr selten ihre Hilfe gebraucht und jetzt wo ich ihren Beistand gebraucht hätte, verschaut sie sich in jemand anderen.
Aber wie gesagt, wir haben zu wenig miteinander geredet über unsere Anliegen und Bedürfnisse usw.

Du hast definitiv recht: Taktieren ist falsch.
Für mein Benehmen bei meiner Eifersucht habe ich mich im letzten Gespräch entschuldigt.

Sie konnte meine Situation voll verstehen und immer wieder gesagt das es an ihr liegt und ich mir nicht die Schuld geben soll.

Ich weiß nun nicht wie ich mich verhalten soll. Ich denke es ist nötig den Kontakt abzubrechen, damit sie sich voll auf sich konzentrieren kann und um ihre Gefühle zu ordnen. Nur ich habe Angst, dass die Liebe mit der Zeit schwindet.
Aber damit muss ich wohl lernen umzugehen. Ich muss auch akzeptieren können dass sie mich nicht mehr will.
Ich werde mich nach paar Wochen bei ihr melden und ihr berichten wie es mir geht.
Am besten sollte ich nicht über unsere Beziehung/Gefühle reden oder? Das wäre noch zu früh denke ich.

Offline Korinthenkackerin

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Re: Trennung trotz gegenseitiger Liebe?
« Antwort #4 am: 27. Februar 2014, 22:14:34 »
Wie kann sie sich trennen und mich noch gleichzeitig lieben?!

Doch, das geht  :(. Ich habe mich mal aus reiner Vernunft mit Anfang 20 von einem jungen Mann getrennt, der mir sehr viel bedeutet hat, aber ich wäre nicht gut für ihn gewesen... Da ich ihm das nicht sagen konnte, habe ich damals wenig erklärt, kam einfach mit einem anderen zu einer Party, hab ihm weh getan.

So gesehen denke ich mal, dass ihr schon noch viel an dir liegt. Sie hat dir ja geschrieben, dass sie an einen Neustart glaubt. Ich denke mal, wenn sie das nicht wirklich für möglich halten würde, dann hätte sie diesen Satz weggelassen.

Aber - es kann natürlich sein, dass sie sich jetzt weiter entwickelt und die Gefühle für dich auf der Strecke bleiben. Genauso wie es sein kann, dass du dich weiter entwickelst. Wer weiß das schon? Vielleicht tut euch die klar ausgesprochene Trennung jetzt erst mal gut. Ich würde mich einfach, wie du es vor hast, mal melden in ein paar Wochen. Lass es langsam angehen. Dräng sie nicht. Sei selber offen für andere Aktivitäten, du hast ja auch geschrieben, dass du öfters mit deinen Jungs unterwegs bist. Ich würde auch keinen Plan machen für das Treffen, also, was du ansprechen solltest. Lass es einfach auf dich zukommen.
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marple

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Re: Trennung trotz gegenseitiger Liebe?
« Antwort #5 am: 27. Februar 2014, 22:24:07 »
Sie konnte meine Situation voll verstehen und immer wieder gesagt das es an ihr liegt und ich mir nicht die Schuld geben soll.

Also DAS solltest du definitiv nicht wörtlich nehmen. Natürlich gibt sie dir mindestens eine Mitschuld. Sie will dir nur nicht wehtun oder nicht weiter diskutieren. Also verlass dich bloß nicht drauf, dass sie dir kritiklos gegenüber steht und um Verzeihung bitten wird/sollte/müsste.

Lass ihr ein bisschen Zeit und dann mach das, um was sie dich gebeten hat. Ob sich dann daraus noch ein anderes Gespräch entwickelt, solltest du ihr überlassen.


Offline simplemachine

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Re: Trennung trotz gegenseitiger Liebe?
« Antwort #6 am: 27. Februar 2014, 23:30:18 »
In der Zeit des Abiturs war ich immer für sie da. Auch so stand ich bei Problemen immer zur Seite und half ihr, ohne mich bitten zu müssen. Dafür ist sie mir sehr dankbar und hat es immer wieder betont. Deswegen ist sie auch sehr sauer auf sich selbst, dass ausgerechnet meiner Krise das alles so passiert ist. Und ich habe ihr den Vorwurf gemacht, dass sie meiner Situation gegenüber zu wenig Verständnis gebracht hat. Ich habe sehr selten ihre Hilfe gebraucht und jetzt wo ich ihren Beistand gebraucht hätte, verschaut sie sich in jemand anderen.

Sie konnte meine Situation voll verstehen und immer wieder gesagt das es an ihr liegt und ich mir nicht die Schuld geben soll.

Man weiß doch, was es heißt, wenn Frauen sagen, es liegt nicht an dir: Es heißt, es liegt DOCH an dir. Dafür spricht ja auch die ganze geschilderte Lage, das Problem ist ja nicht von ihr ausgegangen. Offenbar sucht sie jetzt die Distanz, aber hat wohl (noch) schuldgefühle, jemanden, für den noch (Rest-)Gefühle bestehen und der früher für sie da war, in einer Krise hängenzulassen. Aber die Tendenz erscheint schon sehr ernst und Schuldgefühle stabilisieren die Lage nicht für ewig. Hier muss wieder echte Beziehungssubstanz aufgebaut werden.

Ich denke es ist nötig den Kontakt abzubrechen, damit sie sich voll auf sich konzentrieren kann und um ihre Gefühle zu ordnen. Nur ich habe Angst, dass die Liebe mit der Zeit schwindet. Ich werde mich nach paar Wochen bei ihr melden und ihr berichten wie es mir geht.

Halte ich für falsch. Wenn, dann ist es jetzt die Zeit zu kämpfen und zu zeigen, dass man ein zukunftstauglicher Beziehungspartner ist und nicht mehr nur der sich zurückziehende Problemtyp, der Gefühle nicht hinreichend kommuniziert, abweisend und eifersüchtig, ja geradezu ein Runterzieher ist. Es braucht wieder denjenigen, der auch schon früher von ihr gemocht wurde.  Ein paar Wochen Auszeit hingegen können sehr destruktiv sein, nicht umsonst bezeichnet man die Auszeit als Trennung auf Raten. Und vor allem können in ein paar Wochen locker Konkurrenten auftauchen, die besser sind, als der von ihr beschriebene "Arsch", der leicht abzuservieren  und keine Gefahr wirkliche Gefahr war. Nur wenn selbst so ein "Arsch" schon Beziehungsprobleme macht, steht man selbst sicher auf einem ganz dünnen Brett. Und letztlich geht es auch nicht darum, nach ein paar Wochen zu "berichten, wie es mir geht", eine Beziehung ist ja keine unregelmäßige Sprechstunde beim Therapeuten, sondern die Bedürfnisse des Anderen spielen (vor allem in der Krise) eine Rolle. Hier ist aus meiner Sicht vor allem gefragt, Energie und Aufmerksamkeit in die Beziehung und damit die Partnerin zu stecken, wenn die Sache gerettet werden soll. Eigene Probleme sollten dabei möglichst künftig so gut wie möglich in den Hintergrund geschoben werden, statt sie weiter ungefiltert in die Beziehung durchzureichen.



« Letzte Änderung: 27. Februar 2014, 23:34:28 von simplemachine »

Offline Korinthenkackerin

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Re: Trennung trotz gegenseitiger Liebe?
« Antwort #7 am: 28. Februar 2014, 07:30:55 »
Halte ich für falsch. Wenn, dann ist es jetzt die Zeit zu kämpfen und zu zeigen, dass man ein zukunftstauglicher Beziehungspartner ist und nicht mehr nur der sich zurückziehende Problemtyp, der Gefühle nicht hinreichend kommuniziert, abweisend und eifersüchtig, ja geradezu ein Runterzieher ist.

simplemachine, ich wäre völlig bei dir, wenn die Altersstruktur anders wäre. Würde der Ausgangsposter z. B. schreiben, er sei 32, seine Freundin 29, man habe zwei kleine Kinder, würde ich deine Meinung absolut teilen, keine Frage. Aber die beiden sind noch so jung (22 und 19), sind schon seit drei Jahren zusammen. In dem Alter (denke ich) kann man sich auch noch ein bißchen Zeit lassen und eine Beziehung auf sich zukommen lassen.

Ich habe hier bei meinem Sohn eine ganz ähnliche Situation, die beiden ersten Abschnitte hätten von ihm kommen können. Der ist jetzt 19, die Freundin 16, die beiden sind seit zwei Jahren zusammen und führen eine wirklich gute Beziehung. Wobei es auch so ist, dass sie eben abends nicht mit raus darf und er dann öfter mal mit den Jungs geht. Aber - die beiden hocken jetzt manchmal schon abends bei mir auf der Couch, weil es dort offenbar interessanter ist, als die Zeit zu zweit zu verbringen und ich frage mich dann schon, ob es beiden reichen wird für die nächsten 50 Jahre?? Es geht mich aber nichts an, also sag ich dazu nichts. Meine Jugendzeit war um Klassen turbulenter, ich war ziemlich sicher auf jeder Party  ;D und hatte mit 40 eben keinen Nachholbedarf auf verpasste Dinge. Seine Freundin ist superlieb und natürlich wäre es einerseits schön, wenn sie mal die Mutter meiner Enkel wird. Auf der anderen Seite fände ich es aber traurig, wenn die beiden so gar keine anderen Erfahrungen sammeln und sich dann womöglich in der Familienphase zu Tode miteinander langweilen und sich dann trennen. Und hier beim Ausgangsposter sehe ich das ähnlich. Die beiden haben noch das ganze Leben vor sich und auch wenn die Trennung jetzt schmerzlich ist, weil noch viele Gefühle da sind - wer weiß schon, was das Leben noch für tolle Dinge für die beiden bereit hält?
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Offline Mattieu

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Re: Trennung trotz gegenseitiger Liebe?
« Antwort #8 am: 28. Februar 2014, 11:40:22 »
Absence might make the heart grow fonder
or is it out of sight out of mind, I wonder.

Wie mans macht isses eh falsch.
Scheiße ist, wenn der Furz was wiegt.

Offline ElTorro

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Re: Trennung trotz gegenseitiger Liebe?
« Antwort #9 am: 28. Februar 2014, 13:04:53 »
Nur ein paar Denkansätze:

Man liebt immer nur das Bild, das man sich vom Objekt der Begierde macht. Ob das OdB diesem Bild entspricht oder sich davon im Laufe der Zeit weg entwickelt, steht auf einem Blatt.

In einer guten und innigen Beziehung lässt man den anderen an den eigenen Sorgen und Problemen, Gedanken und Wünschen teil haben (mehr oder weniger, klar).
Tut man dies über längere Zeit nicht - sei es aufgrund akuter Probleme, äußerer Umstände oder auch, weil sich die Beziehung verschlechtert - läuft man Gefahr, sich voneinander weg zu entwickeln. Wenn man vom Partner nicht mehr die Unterstützung und den Zuspruch bekommt, den man selbst benötigt - und/oder auch: wenn man selbst emotional ausgesperrt wird und nicht die Unterstützung und den Zuspruch geben kann, wird man sich irgendwann diesbezüglich an andere wenden - an Freunde, Bekannte, die Familie oder auch an jemand Außenstehenden (Chatpartner).

In jungen Jahren ist das zukünftige Leben noch sehr offen: Studium, Beruf, Familie, Freunde - alles kann sich noch oft und tiefgreifend ändern. Ob das bei zwei so jungen Leuten immer parallel verlaufen kann?

Und schließlich: wenn sich zwei so finden und zusammenbleiben, kann das gut gehen. Bei einem befreundeten Paar ist das so, und sie hatten kürzlich silberne Hochzeit. Man kann aber auch irgendwann das Gefühl bekommen, im Leben etwas verpasst zu haben.
Früher sagte man, man sollte sich erst mal "die Hörner abgestoßen " haben, bevor man sich fest und endgültig bindet.

Offline nigel48

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Re: Trennung trotz gegenseitiger Liebe?
« Antwort #10 am: 01. März 2014, 10:10:22 »
dein vater ist krank und du hast für deine mutter die rolle als beschützer und tröster geerbt.
1. das ist eine sehr große emotionale und geistige belastung für dich.
2. weil du damit z.t. den platz deines vaters einnimmst, was anmaßend ist, hast du schuldgefühle.
3. weil die gesellschaftliche "moral" dies (1.) von die erwartet und du das aber nicht vollständig leisten kannst, versagst du.

4. dir sagt man ständig, du bist jung und sollst dein leben genießen. - was wg s.o. nicht geht.

und das in der phase der selbstfindung: wer bin ich und was will ich.

mit dem klumpen am hals stehst du morgens schon auf. schon vor dem frühstück bist du emotional und seelisch überfordert.
-> und daran kannst du nichts ändern.  - also suchst du dir einen schauplatz, an dem du scheinbar  agieren kannst, dein verhältnis zu deiner liebsten.

deine freunde sind zwar für dich da, haben aber völlig andere sachen im kopf.

allein hast du wenig chancen damit klar zu kommen. sieh dich nach einer männergruppe um und geh zu einem therapeuten. nicht weil du rank bist, sondern damit du gesund bleibst. (obwohl ich drauf wetten würde, dass du schon körpersyptome hast - kopf, rücken, knie, waden?)
nimm einen man über 50. keinen analytiker. - systhemisch ist das schlüsselwort.
« Letzte Änderung: 01. März 2014, 10:12:27 von nigel48 »
Man fährt an den See, um zu schwimmen - nicht wegen der Mücken, oder? - Lemmy Kilminster

Yossarian

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Re: Trennung trotz gegenseitiger Liebe?
« Antwort #11 am: 01. März 2014, 10:25:18 »
Waden? Wieso Waden?

Offline nigel48

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Re: Trennung trotz gegenseitiger Liebe?
« Antwort #12 am: 01. März 2014, 11:06:40 »
Waden? Wieso Waden?

weil er logischer weise den impuls hat wegzulaufen. als "moralischer" und anständig - braver junger mann unterdrüct er den impuls, hält ihn fest.
ergebnis ist dauerhartspann in der sprint-muskulatur.
undwer weg will und nicht kann, oder weg muß und nicht will bekommt probleme mit dem knie. vorzugsweise mit dem linken.
notfall muß ein unfall her. heftig stürzen oder sehnen im fußgelenk zerren/reissen lassen...
der körper arbeite lieber und besser mit der seele zusammen als mit dem kopf. - ist so.
Man fährt an den See, um zu schwimmen - nicht wegen der Mücken, oder? - Lemmy Kilminster

Yossarian

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Re: Trennung trotz gegenseitiger Liebe?
« Antwort #13 am: 01. März 2014, 11:25:12 »
Und wie behandelt man dieses Symptom?

Offline nigel48

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Re: Trennung trotz gegenseitiger Liebe?
« Antwort #14 am: 01. März 2014, 11:40:35 »
Und wie behandelt man dieses Symptom?

in dem man die ursachen beseitigt.
hier: der junge mann braucht rückendeckung von älteren männern.
sie können im klar machen, dass es aufgaben gibt, die man nicht erledigen kann.
frieden schließen mit der unvollkommenheit. erkennen, trotz der unvolkommenheit ein großartiger mann zu sein.
aber das bekommt man NUR von älteren männern.
Man fährt an den See, um zu schwimmen - nicht wegen der Mücken, oder? - Lemmy Kilminster