Autor Thema: Weird Scenes Inside a Law Firm  (Gelesen 741447 mal)

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Offline Conte

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Re: Weird Scenes Inside a Law Firm
« Antwort #3270 am: 28. Mai 2026, 21:36:30 »
Wenn ich meinen Chef für therapiebdürftig halte und das auch äußere, haltet Ihr das für eine Beleidigung?

Definitiv: Nein. Das ist eine Mutmaßung über den Gesundheitszustand und eine Behandlungsempfehlung. Wohl übergriffig, aber nicht entehrend.
Wenn Nazis nicht Nazis genannt werden wollen, dann wissen sogar Nazis, dass Nazis Scheiße sind.

Offline Yossarian

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Re: Weird Scenes Inside a Law Firm
« Antwort #3271 am: 28. Mai 2026, 22:09:51 »
Sehe ich auch so.
"I came to a point where I needed solitude and just stop the machine of thinking and enjoying what they call living, I just wanted to lie in the grass and look at the clouds."

— Jack Kerouac

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Offline Yossarian

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Re: Weird Scenes Inside a Law Firm
« Antwort #3272 am: Gestern um 19:44:13 »
Ich sitze im Sozialgericht und werde gleich einen Mandanten verprügeln, das habe ich mir fest vorgenommen.

Er ist äthiopischen / eritreischen Ursprungs, wer weiß das schon. Das wissen die oft selbst nicht wirklich, jedenfalls die nicht, die in den Kriegswirren abgehauen sind. Die sitzen dann hier in der Erstaufnahmeeinrichtung, und das BAMF erklärt ihnen, ob sie Ereitreer oder Äthiopier sind.

Der Mandant ist Betrüger; seine ganze Familie - alles Betrüger. Die Akte vom Jobcenter liest sich eher wie die Ermittlungsakte einer Staatsanwaltschaft. Was man nicht mit Betrug erreicht, versucht man zu erschnorren. Anwaltsdienstleistungen zum Beispiel.

Heute geht es aber um seine Frau, die 5 Große zurückzahlen soll, weil sie als Mitglied der Bedarfsgemeinschaft halt mit drin hängt, wenn er schwarz arbeitet und sich erwischen läßt.

Er sagt, sie wisse von nichts, sie sagt auch, sie wisse von nichts. Beides ist ein nicht ganz unrichtig. Es ist wie bei einem Muslim, dem man eine deutlich erkennbare Schweinshaxe hinstellt, ohne zu sagen, von welchem Tier das Fleisch stammt, und er das partout auch gar nicht wissen will, bevor er mit Genuß reinhaut.

Ihn habe ich zum Termin dazubefohlen. Zum einen, weil er als Zeuge unsere / ihre Version bestätigen wird.

Tatsächlich aber, weil ich ihm bei der Vorbesprechung zum Termin gesagt habe, daß er gefälligst Geld mitbringen soll.

Es ging nämlich urspünglich auch darum, daß die beiden ein fettes Ermittlungsverfahren am Bein hatten wegen Betruges zu Lasten des Jobcenters. Das hat die Staatsanwaltschaft vor ein paar Tagen mit wenig Begründung vorläufig eingestellt, nachdem ich meine Beiordnung als Pflichtverteidiger beantragt hatte.

Klar, vor Erhebung der Anklage gibt es in den seltensten Fällen eine Beiordnung als Pflichtie; also stellt man auch mal nur aus dem Grund ein, um nicht auch noch einen Verteidiger aus der Staatskasse bezahlen zu müssen. Der Staat ist eben auch nur ein Schlitzohr und weiß, wie es seine Organe der Rechtspflege behumsen kann, ohne daß man dieses Verhalten ungestraft als betrügerisch bezeichnen kann.

Welches Geld: Verteidigt hatte ich seine Frau und ihr zusammen mit dem Einstellungsbeschluß auch eine Rechnung geschrieben. Ich schreibe immer Rechnungen, damit die Leute begreifen, daß Anwälte was kosten. Aber wahrscheinlich lachen sie sich nur halbtot, weil bei ihnen offiziell nichts zu holen ist und sie sich freuen, wie viel sie mal wieder "gespart" haben.

Dem Mandanten hatte ich frech gesagt, wenn er die Rechnung für die Verteidigung seiner Frau nicht zahlt, könnte es sein, daß er vielleicht doch noich in den Knast geht - es ist halt erst mal nur vorläufig eingestellt - und daß er und seine Frau doch noch verurteilt werden, die zehn tausend ans Jobcenter zurückzuzahlen.

Das war nicht mal gelogen. Man muß dem Mandanten nur klar machen, daß es besser für ihn ist, seinen Anwalt nicht zu vergraulen, bevor eine Sache komplett (!) ausgestanden ist.

Die Mandantin setze ich ich auf ihren Stuhl im Verhandlungssaal, den Mandanten schicke ich noch mal raus und erkläre der Richterin, daß er sistierter Zeuge sei, was ich ihm noch mal kurz erklären müsse.

Ich raus auf den Flur mit dem Mandanten und direkt nach meinem Geld gefragt mit dem dringenden Bedürfnis, ihn windelweich zu prügeln, wenn er jetzt mit seiner üblichen Show kommt.

Die folgt auch sogleich, beginnend mit seinem weinerlichen Gesicht, das er immer macht, wenn er irgendwas bezahlen soll. Anfangs glaubt man ihm wirklich, daß er jeden Moment losflennen wird. Und wie immer stammelt er was von 30 € im Monat, beginnend ab Weihnachten 2029. Sonst habe ich ihn dann jedes mal mit einem Seufzer aus dem Büro geworfen, aber heute bin ich unübersehbar stocksauer.

Selbst der sonst sehr ichbezogene Mandant merkt das und zückt zögerlich sein Portemonnaie mit einer Gestik, als wolle er es mir zeigen, um zu beweisen, daß er kein Geld hat.

Dummerweise lugt Beweisstück A, wie es immer so schön in amerikanischen Krimiserien heißt, deutlich aus dem Portemonnaie heraus: Ein Bündel 50er. Er holt es heraus, sichtlich verunsichert und überlegt, wie er aus der Nummer wieder rauskommt. Ich erspare ihm weitere Pein und halte die Hand auf, woraufhin er mir, jeder Widerstand zusammenbrechend, das ganze Bündel in die Hand drückt.

Drinnen wartet man derweil auf die Dolmetscherin. Die kommt nicht. Das Gericht will sie anrufen und fragen, wo sie bleibt. Die Dolmetscherin drückt die Anfufe weg. Wir interpretieren das so, daß die Dolmetscherin auch später am Tag nicht erscheinen will. Das Gericht beendet die Sitzung und vertagt. Neuer Termin von Amts wegen. Erfahrungsgemäß wird das Gericht die Dolmetscherin von seiner Liste streichen

Wieder einmal umsonst bei Gericht herumgelungert.

Nicht ganz.

Immerhin ist es mir gelungen, den Mandanten nach ein paar freundschaftlichen Schlägen auf den Hinterkopf auf den Kopf zu stellen und zu schütteln. Und es ist tatsächlich ein bißchen Geld aus seinen Taschen gefallen.

Hat gelangt für eine Autowäsche und eine Schachtel Citalopram.

Life is good.  8)
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Re: Weird Scenes Inside a Law Firm
« Antwort #3273 am: Gestern um 21:56:14 »
Er ist äthiopischen / eritreischen Ursprungs, wer weiß das schon. Das wissen die oft selbst nicht wirklich, jedenfalls die nicht, die in den Kriegswirren abgehauen sind. Die sitzen dann hier in der Erstaufnahmeeinrichtung, und das BAMF erklärt ihnen, ob sie Ereitreer oder Äthiopier sind.
Nationalitäten sind ein Konstrukt der Kolonialmächte, die Leute identifizieren sich zuweilen völlig anders.

Zitat
Es ist wie bei einem Muslim, dem man eine deutlich erkennbare Schweinshaxe hinstellt, ohne zu sagen, von welchem Tier das Fleisch stammt, und er das partout auch gar nicht wissen will, bevor er mit Genuß reinhaut.
Ein Muslim weiß gar nicht, wie eine Schweinshaxe aussieht.

Zitat
...nachdem ich meine Beiordnung als Pflichtverteidiger beantragt hatte.
Das klingt so, als hättest Du Dich für diese Geschichte freiwillig gemeldet...

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