Gerade auf meiner Anwaltsliste:
nach Beendigung eines – durchaus streitigen – Prozesses bitte ich meinen Kollegen auf der Gegenseite um eine kurze Bestätigung eines bestimmten Sachverhalts. Diese erfolgt auch korrekt und zeitnah. Zum Abschluss bittet mich der Kollege um eine positive Google-Bewertung.
Wenn ich tatsächlich einen Gegner um eine Googlebewertung bäte, und der mich dann positiv bewertete: Wäre das dann eine gute oder eine schlechte Bewertung? 
Hm, kommt drauf an würde ich sagen. Hast du einen Gegner vor dir, der mit offenem Visier kämpft und einfach besser war als du, warum ihn dann nicht positiv bewerten? Sagt doch nur aus, dass man noch ein wenig an sich arbeiten müsste und/oder ein anderer dieses Mal einfach besser war. (Evtl. in der Argumentation der Sache?) Kann man aber natürlich nur machen, wenn man Selbstbewusstsein für sich besitzt und sich nicht wie "ein Affe auf dem Schleifstein" fühlt.
Andererseits, will er Befürwortung ohne wirklich was dafür getan zu haben, oder fehlt ihm gar die Professionalität, würde ich ihm eine "dementsprechende" Bewertung geben, unabhängig seiner ausgesprochenen Bitte. Das braucht natürlich Rückgrat. Ob schlecht oder gut, kannst nur du ermessen, denn du warst dabei.
Grundsätzlich nur positive, oder grundsätzlich nur negative Bewertungen geben, spricht gegen die moralische Integrität und den Berufsethos eines Anwalts, wenn man darüber auch hin und wieder innerlich schief grinsen mag. Auch so mancher Anwalt ist nur ein Mensch.
Grundsätzlich bist du einer gewissen Standesethik unterworfen, bei gleichzeitig eigenen Moral- und Wertvorstellungen. Da kann ich dir nur wünschen, dass sie sich möglichst decken. Trotzdem wird sich ein jedweder Anwalt auch immer mal wieder moralischen Dilemmata ausgesetzt sehen. Alle klugen Leute und insbesondere Anwälte wissen, dass die Wahrheit keine Hauptspeise ist, sondern ein Gewürz.