Autor Thema: Meine erste Trennung  (Gelesen 6492 mal)

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Offline maxim

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Re: Meine erste Trennung
« Antwort #30 am: 08. September 2018, 20:33:49 »
Das ist ja eben die Sache...was wenn das nicht passiert? Wenn es mir in einem Jahr immernoch so schlecht geht und ich nichts als sie im Kopf habe? Das sind die Sachen die mir Sorgen machen.
In dem Moment, wo du eine Neue kennenlernst, ist sie Vergangenheit. Ist alles nur Selbstmitleid.  Wenn Du in einem Jahr deine Beiträge hier liest, wird es dir peinlich sein. Deine Zeit kommt erst noch. Mit 24 bist Du noch kein ganzer Kerl.
wer für alles offen ist, ist nicht mehr ganz dicht

Offline Yossarian

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Re: Meine erste Trennung
« Antwort #31 am: 09. September 2018, 08:08:28 »
"I came to a point where I needed solitude and just stop the machine of thinking and enjoying what they call living, I just wanted to lie in the grass and look at the clouds."

— Jack Kerouac

Offline Ranma1603

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Re: Meine erste Trennung
« Antwort #32 am: 09. September 2018, 15:51:36 »
In dem Moment, wo du eine Neue kennenlernst, ist sie Vergangenheit. Ist alles nur Selbstmitleid.  Wenn Du in einem Jahr deine Beiträge hier liest, wird es dir peinlich sein. Deine Zeit kommt erst noch. Mit 24 bist Du noch kein ganzer Kerl.

Das ist ja eben das was ich meine. Ja es ist Selbstmitleid, und ganz schön viel davon. Aber ich weiß nicht was ich dagegen machen soll. Alle sagen immer mach irgendwas das dich ablenkt, und das klappt normalerweise in diesem Moment dann auch. Aber spätestens wenn ich 2 Sekunden alleine bin geht das alles wieder los, und ich kenne mich, wenn ich etwas verliere trauere ich dem immer sehr lange nach...und nach 8 Jahren war natürlich auch Gewohnheit dabei, aber das ändert nichts daran dass ich sie über alles geliebt habe und immernoch liebe, und ich kann mir nicht vorstellen dass es irgendwann aufhört dass mir schlecht wird wenn ich daran denke wie sie es mit einem anderen tut.

Und jedes mal wenn ich das sage kommt irgendjemand an und meint ich solle mir einfach selber jemand anderes suchen...aber ich kann sowas nicht. Schon damals sind meine Ex und ich nur ein Paar geworden weil wir in einer Klasse waren.

Offline maxim

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Re: Meine erste Trennung
« Antwort #33 am: 09. September 2018, 19:10:46 »
Junge Männer trauern meistens nicht so wegen der Liebe. Was am meisten schmerzt ist, dass sie dir den Laufpass gegeben hat. Deswegen kriechst Du jetzt am Boden.
Und dass es soweit gekommen ist, hat seine Ursachen wohl vor der Trennung. Insofern ist die Trennung wohl das, was Du brauchtest. Die Welt hat dir eine neue Aufgabe gegeben. Das ist die Zeit, um große Projekte anzugehen, sich beruflich reinzuknien. Tanzen muss nicht unbedingt sein. Solo-Männer laufen da meist mit Dackelaugen rum und sind vollkommen lächerliche Figuren.
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Offline Mattieu

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Re: Meine erste Trennung
« Antwort #34 am: 10. September 2018, 10:20:13 »
Alle sagen immer mach irgendwas das dich ablenkt, und das klappt normalerweise in diesem Moment dann auch. Aber spätestens wenn ich 2 Sekunden alleine bin geht das alles wieder los

Das ist normal, das bleibt auch noch ne Weile so. Wenn dem nicht so wäre, hieße das, dass Dir die achtjährige Beziehung nichts bedeutet hätte. Die Rückkehr zum anderen Leben geschieht schrittweise. Trotzdem ist es wichtig, dass Du Dich zur Ablenkung zwingst, sonst läufst Du Gefahr, komplett in Grübelei zu versinken und Dich gedanklich im Kreise zu drehen.

Stand jetzt kann ich mir nicht vorstellen jemals jemand anderen zu wollen

Klar kannst Du das nicht, vor allem willst Du das momentan noch nicht. Das wird aber kommen. Bis dahin denk an die Zeit, bevor sie kam, da konntest Du Dir nicht vorstellen, sie zu wollen. Es gibt also einen solchen Zustand für Dich.
 
dass ich sie über alles geliebt habe und immernoch liebe,

... und auch gerne geliebt wurdest. Denn das ist das, was jetzt fehlt.
 

und ich kann mir nicht vorstellen dass es irgendwann aufhört dass mir schlecht wird wenn ich daran denke wie sie es mit einem anderen tut.

Mag sein, sowas gibt es. Mir wird immer schlecht, wenn ich an Lumbalpunktion denke.

Hier trifft Dich die Eifersucht, und dazu möchte ich Dir einige Gedanken von Max Frisch nahelegen:

Wenn es so weit ist: wenn der Blick zweier Augen, der Glanz eines vertrauten Gesichtes, den du jahrelang auf dich bezogen hast, plötzlich einem andern gilt; genau so. Ihre Hand, die dem andern in die Haare greift, du kennst sie. Es ist nur ein Scherz, ein Spiel, aber du kennst es. Gemeinsames und Vertrautes, jenseits des Sagbaren, sind an dieser Hand, und plötzlich siehst du es von außen, ihr Spiel, fühlend, daß es für ihre Hand wohl keinen Unterschied macht, wessen Haar sie verzaust, und daß alles, was du als euer Letzteigenes empfunden hast, auch ohne dich geht; genau so. Obschon du es aus Erfahrung weißt, wie auswechselbar der Liebespartner ist, bestürzt es dich. Nicht allein daß es nicht weitergeht, es bestürzt dich ein Verdacht, alles Gewesene betreffend, ein höhnisches Gefühl von Einsamkeit, so als wäre sie (du denkst sie auch schon ohne Namen) niemals bei dir gewesen, nur bei deinem Haar, bei deinem Geschlecht, das dich plötzlich ekelt, und als hätte sie dich, sooft sie deinen Namen nannte, jedesmal betrogen ...
Anderseits weißt du genau:
Auch sie ist nicht die einzigmögliche Partnerin deiner Liebe. Wäre sie nicht gewesen, hättest du deine Liebe an einer anderen erfahren. Im übrigen kennst du, was niemanden angeht, nur dich: deine Träume, die das Auswechselbare bis zum völlig Gesichtlosen treiben, und wenn du nicht ganz verlogen bist, kannst du dir nicht verhehlen, daß alles, was man gemeinsam erlebt und als ein Letztgemeinsames empfunden hat, auch ohne sie gegangen wäre; genau so. Nämlich so, wie es dir überhaupt möglich ist, und vielleicht, siehe da, ist es gar nicht jenes Auswechselbare, was im Augenblick, da ihre Hand in das andere Haar greift, einen so satanischen Stich gibt, im Gegenteil, es ist die Angst, daß es für ihre Hand vielleicht doch einen Unterschied macht. Keine Rede davon: Ihr seid nicht auswechselbar, du und er. Das Geschlecht, das allen gemeinsame, hat viele Provinzen, und du bist eine davon. Du kannst nicht über deine Grenzen hinaus, aber sie. Auch sie kann nicht über die ihren hinaus, gewiß, aber über deine; wie du über die ihren. Hast du nicht gewußt, daß wir alle begrenzt sind? Dieses Bewußtsein ist bitter schon im stillen, schon unter zwei Augen. Nun hast du das Gefühl wie jeder, dessen Grenzen überschritten wurde und dadurch sozusagen gezeigt, das Gefühl, daß sie dich an den Pranger stellt. Daher bleibt es nicht bei der Treue, hinzu kommt die Wut, die Wut der Scham, die den Eifersüchtigen oft gemein macht, rachsüchtig und dumm, die Angst, minderwertig zu sein. Plötzlich, in der Tat, kannst du es selber nicht mehr glauben, daß sie dich wirklich geliebt habe. Sie hat dich aber wirklich geliebt. Dich! aber du, wie gesagt, bist nicht alles, was in der Liebe möglich ist ... Auch er nicht! Auch sie nicht! Niemand! Daran müssen wir uns schon gewöhnen, denke ich, um nicht lächerlich zu werden, nicht verlogen zu werden, um nicht die Liebe schlechthin zu erwürgen.

Max Frisch: Tagebücher I 1946-1949



Scheiße ist, wenn der Furz was wiegt.

Offline Yossarian

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Re: Meine erste Trennung
« Antwort #35 am: 10. September 2018, 11:23:31 »
Sehr schönes Zitat! Danke dafür!
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— Jack Kerouac

Offline DieFrau

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Re: Meine erste Trennung
« Antwort #36 am: 10. September 2018, 11:35:40 »
Mattieu, vielen Dank. Das ist ausgesprochen wahr.
Der intuitive Geist ist ein heiliges Geschenk und der rationale Geist ein treuer Diener.
Wir haben eine Gesellschaft erschaffen, die den Diener ehrt und das Geschenk vergessen hat!...Einstein

Offline Druide

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Re: Meine erste Trennung
« Antwort #37 am: 10. September 2018, 11:49:25 »

Sehr interessante Zeilen,... - DANKE, Mattieu !


Offline Ranma1603

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Re: Meine erste Trennung
« Antwort #38 am: 11. September 2018, 00:25:00 »
Naja das sind ja nicht unbedingt tolle Aussichten. Wobei ich allerdings zu dem Zitat folgendes sagen muss: wenn ich nicht mit ihr zusammen gewesen wäre, hätte ich wahrscheinlich bis heute keine Freundin gehabt, und hätte entsprechend auch nie Sex gehabt oder ähnliches. Wobei sie wahrscheinlich jemand anderes gehabt hätte, also trifft es zumindest halb zu.

Offline simplemachine

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Re: Meine erste Trennung
« Antwort #39 am: 11. September 2018, 01:31:40 »
Man könnte hier den Besuch eines gewerblichen Beziehungspartnerinnen-Entlastungsbetriebs in Erwägung ziehen, um etwas zwanglosen Abstand zu gewinnen.

Offline nigel48

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Re: Meine erste Trennung
« Antwort #40 am: 11. September 2018, 03:30:09 »
ranma, glaube einem alten mann : das einzig wichtige ist, was JETZT IST. alles andere existiert nur in deinem kopf.

kopiere mal deine posts, drucke sie aus und streich dann alle konjunktiv- und modalverben-sätze.

und geh tanzen.
I`M EASY, SO EASY....

Offline Johnbob

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Re: Meine erste Trennung
« Antwort #41 am: 11. September 2018, 09:20:42 »
Ach Ranma, hätte, wäre, könnte... ist doch alles scheißegal!
Das Zitat ist klasse! Danke an Mattieu.

Du wirst irgendwann schon eine passende Partnerin für dich finden. Mach dir mal nicht so einen Stress und setz dich nicht so unter Druck. Das ist für dich momentan auch überhaupt kein Thema. Verarbeite erstmal die Trennung.

Du wurdest verlassen, das kratzt ordentlich am Ego und die 8 Jahre tun ihr übriges.
Jetzt ist erstmal alles blöd aber das vergeht. Du bist nicht der einzige auf der Welt der verlassen wurde und momentan aus einem tiefen Loch kriechen muss.
Es ist nunmal anstrengend aber genauso wichtig diese Erfahrung durchzumachen. Das prägt einen Menschen.

Heul dir mal die Seele aus dem Leib, schrei kräftig oder höre unverhältnismäßig laute Musik. Lass den Dampf ab und du wirst in ein paar Monaten merken wie schön das Leben ohne Bindung/Beziehung sein kann, die Freiheit wirst du irgendwann zu schätzen wissen.
Wenn du glaubst es wär nicht schwer, kommt von irgendwo ein Lump daher.

Offline Ranma1603

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Re: Meine erste Trennung
« Antwort #42 am: 12. September 2018, 04:51:40 »
Ich weiß nicht, ich bin momentan an einem Punkt wo weinen schon garnicht mehr funktioniert und ich schaffe es auch nicht mehr wütend zu werden. Im Moment gehe ich nur arbeiten und ansonsten tue ich garnichts, außer daran zu denken was ich alles nicht mehr haben kann.

Offline Johnbob

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Re: Meine erste Trennung
« Antwort #43 am: 12. September 2018, 08:35:27 »
...außer daran zu denken was ich alles nicht mehr haben kann.

Dann denk aber auch mal daran, was du stattdessen hast.

• Deine Ruhe
• Freiheit
• Mehr Geld für dich und deine Wünsche
• Du kannst tun wann und was du willst
• Musst dich für nichts mehr rechtfertigen
• Keine Gedanken über Beziehungsprobleme machen
• Stressfreier leben
• Freie Zeiteinteilung
• Mehr Zeit für Freunde
• Keine bekloppten Kosenamen mehr hören :)
• Man schläft besser
• Du bestimmst allein was du im TV schaust
• Uvm.

Die Liste könnte ich durchaus weiterführen.
Befasse dich mit dem was du hast, nicht mit dem was du momentan nicht hast.

Hier ein Rat: Kauf dir ein Motorrad – mehr Freiheit kann man nicht erleben.  8)
Wenn du glaubst es wär nicht schwer, kommt von irgendwo ein Lump daher.

Online Korinthenkackerin

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Re: Meine erste Trennung
« Antwort #44 am: 12. September 2018, 09:02:26 »
@Matthieu
Sehr schöner und passender Textauszug!

Ich weiß nicht, ich bin momentan an einem Punkt wo weinen schon garnicht mehr funktioniert und ich schaffe es auch nicht mehr wütend zu werden. Im Moment gehe ich nur arbeiten und ansonsten tue ich garnichts, außer daran zu denken was ich alles nicht mehr haben kann.

Schwere Zeit, kennen wir wohl alle. Du schriebst ja, dein Freundeskreis ist etwas weiter weg? Ist da niemand dabei, den du mal anrufen und dich aussprechen kannst? Mein Freundeskreis ist auch sehr weit verstreut, aber in der heutigen multimedialen Zeit ist das doch kein Hinderungsgrund, jemanden zu erreichen.
Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, welche die Welt nie angeschaut haben.
(Alexander Freiherr von Humboldt)