Autor Thema: So was wie Religion, Heilsversprechen und zweigeschlechtliche Fortpflanzung  (Gelesen 867 mal)

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Offline Yossarian

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Re: So was wie Religion
« Antwort #15 am: 04. August 2016, 14:50:03 »
Wo bei die Betonung auf oder so liegt.

oder so als unbestimmter philosophischer Begriff.  8)

Zitat
Erdbeereis ist sehr vergänglich. Viel Erdbeereis macht Bauchweh, macht fett und ist schlecht für die Zähne.
Die Weisen wissen, dass das Wohlbefinden durch Erdbeereis Mängel und Grenzen hat.

Das wußte schon Epikur, ganz ohne Erdbeereis.

Zitat
Sie sie sind trotzdem wie Kinder. Sie wollen jetzt andauerndes Wohlbefinden ohne Nebenwirkungen.

Die Weisen, oder die Menschen?

Zitat
Einige ganz Schlaue haben daher den Begriff der "Erlösung" erfunden und gleich dazu die Firmen, die das verkaufen: Nämlich die Religionen.

Es gibt noch andere Firmen, die verkaufen das Gleiche, nennen es aber anders. Kapitalismus, Sozialismus, Kommunismus. Während die totale Bedürfnisbefriedigung der wenigen Privilegierten im Kapitalismus, denen das wirtschaftlich möglich ist, ein offensichtlicher Selbstbetrug ist, da ihre Lebensweise zu ungesunden körperlichen wie geistigen Veränderungen führt, der reue- bzw. folgelose Konsum objektiv nicht möglich ist, bleiben die beiden anderen Weltanschauungen jenseitsbezogen. Nur wird nicht mehr dem einzelnen sozialistischen Kämpfer irgendwas im Jenseits versprochen, sondern er kämpft und opfert sich auf für künftige Generationen, die es dann irgendwann einmal besser haben werden, hat aber selbst nichts mehr davon, nicht einmal in einem vorgegaukelten Himmel. Die individuelle Erlösung bleibt also aus.

Es gibt da außer den gängigen -ismen bestimmt noch jede Menge anderer interessanter "Firmen", die mir aber gerade nicht einfallen.
« Letzte Änderung: 08. August 2016, 10:51:20 von Frühstücksdirektor »
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Offline Conte Palmieri

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Re: So was wie Religion
« Antwort #16 am: 04. August 2016, 15:10:38 »
[... bleiben die beiden anderen Weltanschauungen jenseitsbezogen. Nur wird nicht mehr dem einzelnen sozialistischen Kämpfer irgendwas im Jenseits versprochen, sondern er kämpft und opfert sich auf für künftige Generationen, die es dann irgendwann einmal besser haben werden, hat aber selbst nichts mehr davon, nicht einmal in einem vorgegaukelten Himmel. Die individuelle Erlösung bleibt also aus.
Die Austeritäsprogramm, die Troikas und andere Gangs armen Ländern auferlegen, habe auch etwas jenseitsbezogenes. Die nächste Generation opfert ihr Leben den Investoren, die übernächste dem Schuldendienst und die dritte bekommt dann einen Anteil.

Die Belohnung wird immer hinausgezögert. Da lob' ich mir den Heinrich Heine...

...

Ein kleines Harfenmädchen sang.
Sie sang mit wahrem Gefühle
Und falscher Stimme, doch ward ich sehr
Gerühret von ihrem Spiele.

Sie sang von Liebe und Liebesgram,
Aufopfrung und Wiederfinden
Dort oben, in jener besseren Welt,
Wo alle Leiden schwinden.

Sie sang vom irdischen Jammertal,
Von Freuden, die bald zerronnen,
Vom Jenseits, wo die Seele schwelgt
Verklärt in ew'gen Wonnen.

Sie sang das alte Entsagungslied,
Das Eiapopeia vom Himmel,
Womit man einlullt, wenn es greint,
Das Volk, den großen Lümmel.

Ich kenne die Weise, ich kenne den Text,
Ich kenn auch die Herren Verfasser;
Ich weiß, sie tranken heimlich Wein
Und predigten öffentlich Wasser.

Ein neues Lied, ein besseres Lied,
O Freunde, will ich euch dichten!
Wir wollen hier auf Erden schon
Das Himmelreich errichten.

Wir wollen auf Erden glücklich sein,
Und wollen nicht mehr darben;
Verschlemmen soll nicht der faule Bauch,
Was fleißige Hände erwarben.

Es wächst hienieden Brot genug
Für alle Menschenkinder,
Auch Rosen und Myrten, Schönheit und Lust,
Und Zuckererbsen nicht minder.

Ja, Zuckererbsen für jedermann,
Sobald die Schoten platzen!
Den Himmel überlassen wir
Den Engeln und den Spatzen.
...
« Letzte Änderung: 08. August 2016, 10:51:37 von Frühstücksdirektor »
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Offline Yossarian

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Re: So was wie Religion
« Antwort #17 am: 04. August 2016, 15:24:05 »
Die Austeritäsprogramm, die Troikas und andere Gangs armen Ländern auferlegen, habe auch etwas jenseitsbezogenes. Die nächste Generation opfert ihr Leben den Investoren, die übernächste dem Schuldendienst und die dritte bekommt dann einen Anteil.

Die tun das aber nicht freiwillig, weil das vielleicht ihren eigenen Glaubensgrundsätzen entspräche. Das wird den Menschen in diesen Ländern übergestülpt.

Das Opfertier muß nicht notwendigerweise der Religion des Opfernden angehören. Meistens ist es sogar einfacher, wenn dem nicht so ist.
« Letzte Änderung: 08. August 2016, 10:51:49 von Frühstücksdirektor »
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Offline Conte Palmieri

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Re: So was wie Religion
« Antwort #18 am: 04. August 2016, 15:57:45 »
Die tun das aber nicht freiwillig, weil das vielleicht ihren eigenen Glaubensgrundsätzen entspräche. Das wird den Menschen in diesen Ländern übergestülpt.
Aber sie bekommen das Heilsversprechen, dass später mit dem "Wachstum" die Erlösung kommt. Das ist schon so ähnlich wie bei der Sowjetherrschaft. Da wurde nicht auf das "Wachstum" gewartet, sondert auf den "Kommunismus".
« Letzte Änderung: 08. August 2016, 10:52:03 von Frühstücksdirektor »
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Offline Yossarian

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Re: So was wie Religion
« Antwort #19 am: 04. August 2016, 16:02:36 »
Ein Versprechen, das genauso ungebeten kommt wie das Heilsversprechen, das die Pfaffen im Gefolge der Konquistadoren den Indianern in Mittel- und Südamerika gemacht haben.

Nicht, daß die Religion(en) der Indios viel besser gewesen wären.
« Letzte Änderung: 08. August 2016, 10:52:15 von Frühstücksdirektor »
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Offline Conte Palmieri

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Re: So was wie Religion
« Antwort #20 am: 04. August 2016, 21:21:56 »
Raxie, wir reden hier von Heilsversprechen. Das ist ein anderes Thema.
« Letzte Änderung: 08. August 2016, 10:52:27 von Frühstücksdirektor »
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Offline Araxes

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Re: So was wie Religion
« Antwort #21 am: 05. August 2016, 10:37:46 »
Nein, diesmal hast Du nicht verstanden, worum es geht.

Doch, doch. Austerität als Buhmann, wenn es mit der Verschuldung nicht weitergehen kann. Ich drehe das glatt um und behaupte, daß "deficit spending" eine Illusion und ein unhaltbares Versprechen ist. Als würde Geld endlos fließen können. Austerität kommt auch meist erst dann, wenn der Bankrott schon an die Wand geschrieben ist. Wenn dann die Austeritätskritiker wenigstens klar sagen würden, daß sie den Staatsbankrott für besser halten... tun sie ja aber nicht. Sie bauen die Illusion auf, daß man Geld immer beschaffen kann. Kann man mit einer eigenen Notenbank auch. Das verliert dann nur immer schneller an Wert. Ein Blick nach Venezuela reicht. Wir müssen nur richtig viel Schulden machen und mit dem Geld richtig viele staatliche garantierte Arbeitsplätze schaffen und dann wird die Zukunft golden. Die Vision gibt's bei Linke und SPD immer noch. Und da kommt man auch wieder zur Staatsgläubigkeit der Linken, die ihn bekämpfen, wenn sie jung sind und in ihm Karriere machen, wenn sie älter werden. Man sucht sicher selber einen Job beim Staat und hält das auch für die beste Lösung für alle anderen. Finanziert wird das mit Schulden.
« Letzte Änderung: 08. August 2016, 10:52:42 von Frühstücksdirektor »

Offline Conte Palmieri

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Re: So was wie Religion
« Antwort #22 am: 05. August 2016, 11:10:50 »
Wir reden hier aber über Heilsversprechen als wiederkehrendes Muster ideologischer und religiöser Erzählungen. Das ist wirklich ein anderes Thema. Schreib doch unter "Die Wirtschaft" oder "Die rübennasigen Griechen" oder so.
« Letzte Änderung: 08. August 2016, 10:52:54 von Frühstücksdirektor »
Zum Straucheln brauchts doch nichts als Füße.

Offline Yossarian

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Re: Re: Kräfte des Marktes - sich selbst zur Ware machen
« Antwort #23 am: 05. August 2016, 11:35:11 »
Doch, doch. Austerität als Buhmann, wenn es mit der Verschuldung nicht weitergehen kann.

Oder die Benzinpreise als Buhmann, wenn es mit der Luftverschmutzung nicht weitergehen kann.  :.)

Es ist wirklich völlig schnuppe, welches sinnvolle oder sinnlose Beispiel genommen wird. Es geht im Moment gerade um Heilsversprechen und nicht um Wirtschaft!

Thema verfehlt, NOP.  ;)
« Letzte Änderung: 05. August 2016, 14:51:13 von Yossarian »
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Offline grashopper

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Re: So was wie Religion
« Antwort #24 am: 05. August 2016, 14:13:55 »
Wir reden hier aber über Heilsversprechen als wiederkehrendes Muster ideologischer und religiöser Erzählungen. Das ist wirklich ein anderes Thema. Schreib doch unter "Die Wirtschaft" oder "Die rübennasigen Griechen" oder so.

Ihr könnt das ja alles wissenschaftlich und kryptisch umschreiben, aber ging es nicht um Beziehungen, die keine sind oder nicht wirklich welche auf Dauerversprechen werden wollen?
Dann kämen wir auch wieder auf das ursprüngliche Thema zurück *hüstel
« Letzte Änderung: 08. August 2016, 10:53:06 von Frühstücksdirektor »
"draußen nur Kännchen" - Bodo

Offline Conte Palmieri

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Re: So was wie Religion
« Antwort #25 am: 05. August 2016, 14:38:50 »
Für den unglücklichen Single enthält die Hoffnung auf eine Beziehung ja auch so etwas wie eine Heilserwartung.
Allerdings eine weltliche. Und ich kann feststellen, dass sie sich, soweit vernünftig zu bedenken, auch erfüllt hat. Dabei ist freilich der Unterschied zu beachten: Liebe ist existentiell, aber nicht transzendent. Es spielt sich alles im begrenzten Rahmen des Lebens mit seinen begrenzten Möglichkeiten ab.
« Letzte Änderung: 08. August 2016, 10:53:18 von Frühstücksdirektor »
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Offline Araxes

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Re: So was wie Religion
« Antwort #26 am: 05. August 2016, 17:52:56 »
Wir reden hier aber über Heilsversprechen als wiederkehrendes Muster ideologischer und religiöser Erzählungen. Das ist wirklich ein anderes Thema. Schreib doch unter "Die Wirtschaft" oder "Die rübennasigen Griechen" oder so.

Und warum kommst du dann mit Austerität? Dahinter steckt doch kein Versprechen, sondern der Zwang des Faktischen.
« Letzte Änderung: 08. August 2016, 10:53:30 von Frühstücksdirektor »

Offline Conte Palmieri

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Re: So was wie Religion
« Antwort #27 am: 08. August 2016, 11:07:36 »
...sondern der Zwang des Faktischen.
Das ist das, was Du denkst. Andere halten den Willen Gottes für unübergehbar, wieder andere glauben fest an die Zwangsläufigkeit den Histomat.
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Offline Kjeld

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Re: So was wie Religion
« Antwort #28 am: 08. August 2016, 12:54:36 »
Doch, doch. Austerität als Buhmann, wenn es mit der Verschuldung nicht weitergehen kann. Ich drehe das glatt um und behaupte, daß "deficit spending" eine Illusion und ein unhaltbares Versprechen ist. Als würde Geld endlos fließen können. Austerität kommt auch meist erst dann, wenn der Bankrott schon an die Wand geschrieben ist. Wenn dann die Austeritätskritiker wenigstens klar sagen würden, daß sie den Staatsbankrott für besser halten... tun sie ja aber nicht. Sie bauen die Illusion auf, daß man Geld immer beschaffen kann. Kann man mit einer eigenen Notenbank auch. Das verliert dann nur immer schneller an Wert. Ein Blick nach Venezuela reicht. Wir müssen nur richtig viel Schulden machen und mit dem Geld richtig viele staatliche garantierte Arbeitsplätze schaffen und dann wird die Zukunft golden. Die Vision gibt's bei Linke und SPD immer noch. Und da kommt man auch wieder zur Staatsgläubigkeit der Linken, die ihn bekämpfen, wenn sie jung sind und in ihm Karriere machen, wenn sie älter werden. Man sucht sicher selber einen Job beim Staat und hält das auch für die beste Lösung für alle anderen. Finanziert wird das mit Schulden.

Nee. Aber irgendwie muß es doch zu schaffen sein, daß

- jeder sich nach seinen Möglichkeiten einbringen kann (statt Millionen auf der Couch sitzen und Chips fressend RTL2 glotzen zu lassen),
- keiner sich totmachen muß (und jeder mit erträglichen Arbeitszeiten und genug Freizeit ausreichend Geld verdient)
- keiner Angst vor der Zukunft haben muß (statt die arbeitende Bevölkerung mit dem Hartz IV - Gespenst zu ängstigen).

Ich denke allerdings auch nicht, daß das über Schulden geht. Schulden sind nur Steuern, die man sich nicht zu erheben getraut hat.

Offline Araxes

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Re: So was wie Religion
« Antwort #29 am: 08. August 2016, 13:05:51 »
Das ist das, was Du denkst. Andere halten den Willen Gottes für unübergehbar, wieder andere glauben fest an die Zwangsläufigkeit den Histomat.

Ich werde das meiner Bank mitteilen, wenn ich mal meine Kreditraten nicht bezahlen kann und trotzdem nicht an den anderen Ausgaben kürzen will. Mal sehen, ob die sich auf eine metaphysische Diskussion einläßt.