Autor Thema: von psychisch kranker Frau trennen?  (Gelesen 7198 mal)

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Offline Resilienzexperte

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von psychisch kranker Frau trennen?
« am: 23. April 2016, 07:04:30 »
Hallo Allerseits,

suche Hilfe/Ideen/Vorschläge/Hinweise - vielleicht ist/war ja jemand in
ähnlich schwieriger Lage.

Ich (m,47) bin verheiratet und wir haben einen Sohn (2. Klasse). Meine
Frau (37) hat verschiedene psychische und körperliche Probleme, die sich
in den letzten 2-3 Jahren verstärkt haben. Nach 3-monatiger stationärer Reha
in einer Psychosomatik ist sie psychisch zwar etwas stabiler aber körperlich
weiter sehr schwach. M.E. ist die körperliche Schwäche zu 70% Folge davon,
dass sie sich jeder etwas unangenehmen Situation entzieht und ins Bett legt,
d.h. z.T. Folge von jahrelanger körperlicher Unterforderung aufgrund psychischer
Probleme und Schlafstörungen. Sie ist natürlich in therapeutischer Behandlung
und hat in den letzten 15 Jahren schon mehrere andere Therapien gemacht.

Für mich waren die letzten Jahre grenzwertig anstrengend, einerseits rein
praktisch, weil ich neben einem fordernden Beruf sehr viel im Haushalt machen
muss (dazu gleich mehr), andererseits auch psychisch, weil ich oft trösten
oder ihre Stimmungstiefs aushalten muss. Jetzt ist bei mir eine Grenze erreicht
und ich überlege, was ich noch tun kann.

Unser Familienleben muss sich sehr stark nach den Essens- und Ruhezeiten meiner
Frau richten und auch kurze gemeinsame Unternehmungen (Freunde einen Nachmittag
lang besuchen, Zoo, Schwimmen, Wandern, Konzerte) sind unmöglich, weil sie es
nicht schafft, es ihr zu laut ist, zu viele Leute da sind, zu viel Sonne, etc.
Ziehe ich allein mit dem Kleinen los, ist es für sie schwer, allein zurückzubleiben.
Urlaube gehen nur in Hotels mit Vollpension (möglichst Bio), Kinderbetreuung
und separaten Schlafzimmern (--> sehr teuer), die mit kurzer Fahrt erreichbar sind.

Die letzten 2-3 Jahre bin ich bis auf ganz wenige Ausnahmen jeden(!) abend zuhause
geblieben, um ggf. für unseren (damals sehr schlecht schlafenden) Sohn
dazusein - wegen ihrer Schlafstörungen konnte meine Frau sich nachts nicht um
ihn kümmern.
Einen Tag allein mit dem Kleinen schafft meine Frau nicht (ihn für die Schule
fertigmachen, nachmittags nach der OGS abholen und ins Bett bringen), d.h. wenn
ich mal etwas unternehmen möchte, muss die Babysitterin sie entlasten. In den
Osterferien war sie fast jeden Tag da, weil die Schule als Entlastung wegfiel.
Großeltern wohnen zu weit weg und sind z.T. Auslöser der psychischen Probleme
meiner Frau, fallen also als Unterstützung weg (sie würden liebend gerne helfen).

Um es an ganz praktischen Sachen noch anschaulicher zu machen:

Sachen, die sie nicht mehr kann oder kann aber nicht macht:
Sohn allein für die Schule fertig machen (ist ihr zu früh), Einkaufen (auch
nicht zu Fuß - 1km ist zu viel), Auto fahren, Computer/Internet, Putzen,
generell Ordnung halten, Kontakt zu ihren Freundinnen halten, arbeiten,
Elternsprechtage, Arztbesuche mit unserem Sohn, Smalltalk über aktuelle
Themen (Politik, Sport, Kultur), usw.
Die praktische Auswirkungen auf einen Familienalltag mit Kind und auf das Kind
selbst kann sich jede(r) ausmalen.

An normalen Tagen geht: Kochen/aufwärmen (eingeschränkt durch
Nahrungsmittelunverträglichkeiten), Sohn von der OGS abholen, 2-4h für ihn da
sein/spielen/basteln, leichte Haus- und Gartenarbeit, einfache Orga-Sachen per
Telefon.

Auswirkungen auf mich sind neben wegfallendem Freundeskreis auch beruflich, d.h. ich
kann mich tagsüber nur noch schlecht konzentrieren und schaffe weniger. Dienstreisen
mit Übernachtung sind unmöglich; während ihrer Zeit in der Reha musste ich Stunden
reduzieren, um unseren Sohn betreuen zu können. Mein Arbeitgeber macht es noch mit,
aber auch seine Geduld ist endlich.

Unsere Ehe ist trotz allem eigentlich intakt, leidet aber zunehmend (auf meiner
Seite auch emotional) unter den geschilderten langjährigen Problemen. Ich muss
ihr gegenüber oft "emotional dicht machen", um mich nicht selbst runterziehen zu
lassen, oder auch schnell zwischen trösten hier und unbefangen mit Kind spielen
da umschalten.

Jetzt überlege ich, wie es weitergehen kann. Einerseits ist meine Hoffnung auf
gesundheitliche Verbesserung bei meiner Frau gering/unrealistisch und wenn, dann
in sehr kleinen, sich mit Schwankungen über Jahre hinziehenden Schrittchen.
Andererseits ist absehbar, dass ich es so nicht mehr lange aushalte.

I.W. sehe ich zwei Möglichkeiten:

(a) ich versuche, kleine Verbesserungen meiner Situation zu erreichen, z.B. durch mehr
    Unterstützung durch die Babysitterin (allerdings muss ich das Geld dafür dann auch
    verdienen was wieder Freizeit kostet), und baue mir zunehmend ein Leben außerhalb
    der Familie auf. Falls es bei meiner Frau auch aufwärts ginge, wäre das ein guter Weg.
    Sonst endet er in meinem burnout o.ä. und es wäre unklar, wer unseren Sohn dann versorgt.
    Oder es geht immer weiter wie bisher, wahrscheinlich das ganze restliche Leben lang
    (bei jetzt fast 80-jährigen entfernten Bekannten habe ich mitbekommen, wie eine psychisch
    kranke Frau das Leben ihres Mannes und ihrer Familie jahrzehntelang zur Hölle gemacht
    hat).
   
(b) ich trenne mich bald. Wäre schlimm für mich und unseren Sohn, extrem schlimm für
    meine Frau, und finanziell nicht einfach. Unser Sohn müsste mit mir kommen, denn
    das Haus gehört meiner Frau aber sie könnte es alleine nicht halten/instand halten
    und unseren Sohn auch nicht alleine betreuen.
    Hier gäbe es viele häßliche Probleme aber eine Chance auf einen Neuanfang und ein
    halbwegs normales Leben, wenigstens für zwei von uns.

Was würdet ihr machen?

VG Resilienzexperte (<-- unfreiwillig)

Offline Nikibo

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Re: von psychisch kranker Frau trennen?
« Antwort #1 am: 23. April 2016, 07:27:21 »
Liest sich als Familienleben gruselig. Ich würde an das Kind denken und mit ihm gehen. Er hat ein Recht auf eine halbwegs unbeschwerte Kindheit, das meiste davon ist ja schon fast vorbei.
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Offline Yossarian

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Re: von psychisch kranker Frau trennen?
« Antwort #2 am: 23. April 2016, 08:49:53 »
Was würdet ihr machen?

Wie wäre es denn, wenn Du mal zur Kur gingest? Erschöpft genug bist Du ja dafür.

Die Zeit, die Du Dich der Situation entziehst, ist überschaubar; es wäre also kein endgültiger Cut. Du hättest den Kopf frei, um mal zu Dir zu kommen und in Ruhe zu überlegen, was Du machen willst. Deine Frau dürfte ja bei allen psychischen Problemen klar genug in ihrem Denken sein, um sich ausmalen zu können, wie ihr Leben ohne Dich aussieht. Das bewirkt bei ihr vielleicht mehr Veränderung als jede Therapie.

Vielleicht spielst Du ihr Spiel einfach zu sehr mit.

Nur so ein paar krude Gedanken bei der ersten Tasse Kaffee...
"I came to a point where I needed solitude and just stop the machine of thinking and enjoying what they call living, I just wanted to lie in the grass and look at the clouds."

— Jack Kerouac

Offline Resilienzexperte

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Re: von psychisch kranker Frau trennen?
« Antwort #3 am: 23. April 2016, 10:07:50 »
Hallo Yossarian,

klar, Kur o.ä. wäre prima - aber: wer versorgt in der Zeit unseren Sohn? Momentan
ist es schon schwierig, mal einen abend nicht da zu sein, aber drei Wochen?? Das
würde meine Frau niemals schaffen und so viel Unterstützung können wir uns nicht organisieren.
Denkbar wären eine Vater-Kind- oder eine Mutter-Kind-Kur. An letzteres hatte sie auch schonmal
gedacht, momentan wäre sie dazu aber nicht in der Lage (das fängt schon mit der Anfahrt
an, die sie auch mit dem Zug nicht packen würde, in die Reha ist sie für einige hundert Euro Taxi
gefahren).
Das andere Problem bei Kuren usw. sind die langen Wartezeiten, oft mehr als ein halbes Jahr.
Meine Frau war schon in einer Kur (ohne Kind) und zuletzt in der Psychosomatik. Das ganze
Beantragen usw. habe ich für sie gemacht (zu schwierige Themen auf den Fragebögen) und der Kampf
mit der Rentenversicherung ist ätzend, die arbeiten mit allen Tricks, um nicht zahlen zu müssen. Wem's
richtig schlecht geht, der kann das allein gar nicht schaffen.

Aber statt Kur ist es eine Idee, mal eine Woche mit Kind und ohne sie Urlaub zu machen. Der Kleine will
gerne mal fliegen aber meine Frau nicht, das wäre ein Argument.
Als "Warnschuss" wäre das evtl. ausreichend, auch wenn ich nicht glaube, dass die Erkenntnis allein bei
meiner Frau etwas bewirkt. In der Theorie ist sie super, reflektiert usw., da loben sie die Therapeutinnen,
aber in der Praxis passiert wenig bis nichts.

Offline Kjeld

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Re: von psychisch kranker Frau trennen?
« Antwort #4 am: 23. April 2016, 10:55:37 »
Warum gehört das Haus ihr? Ist es abbezahlt? Wer hat es abbezahlt bzw. wer zahlt die Raten?

Kannst Du für ein paar Jahre auf Teilzeit gehen, macht der Ausbeuter dabei mit, reicht die Kohle dann noch?

Wäre Deine Frau imstande, sich selbst allein mit Nahrung zu versorgen und sich und ihre Hütte sauber zu halten? Zumindest, wenn sie müßte?

Offline Yossarian

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Re: von psychisch kranker Frau trennen?
« Antwort #5 am: 23. April 2016, 11:24:31 »
Wäre Deine Frau imstande, sich selbst allein mit Nahrung zu versorgen und sich und ihre Hütte sauber zu halten? Zumindest, wenn sie müßte?

Ich habe die leise Befürchtung, daß die im Ernstfall viel mehr könnte, als sie zugibt. Aber das ist reine Spekulation.
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— Jack Kerouac

Offline Yossarian

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Re: von psychisch kranker Frau trennen?
« Antwort #6 am: 23. April 2016, 11:31:23 »
klar, Kur o.ä. wäre prima - aber: wer versorgt in der Zeit unseren Sohn?

Hast Du selbst gesagt: Vater und Sohn Kur.

Zitat
Momentan
ist es schon schwierig, mal einen abend nicht da zu sein

Das kann ich mir schwer vorstellen; welche Probleme hat sie denn konkret?

Zitat
Aber statt Kur ist es eine Idee, mal eine Woche mit Kind und ohne sie Urlaub zu machen. Der Kleine will
gerne mal fliegen aber meine Frau nicht, das wäre ein Argument.

Dann macht das.
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— Jack Kerouac

Offline Nikibo

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Re: von psychisch kranker Frau trennen?
« Antwort #7 am: 23. April 2016, 11:46:52 »
Für mich liest sich das so, als ob sie sich sehr gut in ihrer Krankheit eingerichtet hätte. Aber ich muss zugeben, ich habe für diese Art von Kranken nur wenig Verständnis.
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Offline marple

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Re: von psychisch kranker Frau trennen?
« Antwort #8 am: 23. April 2016, 11:50:31 »
Ich muss gleich wieder raus zum Montieren, aber heute abend kann ich was dazu schreiben. Ich habe gleich zwei sehr ähnliche Fälle in der nächsten Umgebung. Das ist ein gefährlicher Teufelskreis.

Offline Korinthenkackerin

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Re: von psychisch kranker Frau trennen?
« Antwort #9 am: 23. April 2016, 11:53:04 »
Guten Morgen!

Auch bei uns in der Praxis gibt es Familien mit psychisch so instabilen Müttern, bei denen - wenn die Leistung durch die Krankenkasse bezahlte Haushalthilfe nicht mehr möglich ist - eine Familienhelferin über das Jugendamt organisiert wird. Hier bei uns im Kreis gibt es zudem eine Stelle auch beim Landratsamt, an die sich überlastete Familien wenden können. 

Bei deiner Beschreibung sehe ich eine erhöhte Gefahr für DEINE Gesundheit, wenn du euer Leben weiterhin so betreibst. Die Wartezeiten einer Familienkur (das gibt es tatsächlich auch) oder einer Vater-Kind-Kur sind in der Tat ziemlich lang, vor allem, wenn du dann noch haben wolltest, dass diese in einem Ferienteil stattfindet. Ein halbes Jahr ist da nicht selten. Andererseits kann man ja jetzt schon beantragen, denn so eine wirklich schnelle Lösung wird es ohnehin nicht geben.

Solltest du bei deiner Frau bleiben wollen und ihr räumlich gut aufgestellt seid, wäre vielleicht ein Au-Pair-Mädchen eine Idee? Ansonsten bewundere ich deine bisherige Geduld mit der Situation. Würdest du eine Trennung überhaupt hinbekommen, ohne ein schlechtes Gewissen? Nicht, dass du das haben müsstest, aber du hörst dich aufopferungsvoll an und bist offenbar wenig auf dich bezogen.

Offline Yossarian

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Re: von psychisch kranker Frau trennen?
« Antwort #10 am: 23. April 2016, 11:58:09 »
Für mich liest sich das so, als ob sie sich sehr gut in ihrer Krankheit eingerichtet hätte.

Der Eindruck drängt sich auf. Aber man darf nicht vorschnell urteilen, ohne das Krankheitsbild zu kennen.
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— Jack Kerouac

Offline Resilienzexperte

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Re: von psychisch kranker Frau trennen?
« Antwort #11 am: 23. April 2016, 13:44:09 »
Hallo,

danke erstmal für die vielen schnellen Antworten!

Familienkur ist eine Idee, kannte ich noch nicht. Müsste arbeitgeberverträglich organisiert werden,
ginge aber wohl.

Zum Thema "hat sich gut in ihrer Krankheit eingerichtet und könnte wahrscheinlich mehr": der Eindruck
entsteht bei mir auch oft. Ich habe aber auch mit ihrer Therapeutin sprechen können und die deutete
nichts in der Richtung an. Ich glaube meiner Frau, dass sie eine bessere/andere Situation möchte, aber
es scheint ihr sehr schwer zu fallen, dafür auch mal für sie unangenehme Dinge zu tun.
Trotzdem: die beste Lösung wäre eine, bei der es ihr besser geht und damit auch mir und unserem Sohn. So langsam gehen uns da aber die Alternativen aus: Therapien hatte sie genug, Kur ohne Kind,
3 Monate Psychosomatik, alles jeweils nur mit leichter Verbesserung bzw. Verschiebung der Probleme.
Nächste Station dann Akutklinik? Eine Geschlossene würde ihr nicht gut tun.


Bzgl. mehr bezahlte Leistungen in Anspruchn nehmen: da haben wir noch Spielraum.
Von der Krankenkasse bezahlte Haushaltshilfe wäre gut denkbar, haben wir noch nicht gemacht.
Au pair eher nicht wegen "fremder Person im Haus" und weil man auf ein Au pair ja auch ein Auge
haben muss (Freunde hatten sehr gemischte Erfahrungen).

Kennt sich jemand mit Frühverrentung aus? Lohnt sich das überhaupt, wenn zwar über 5 Jahre lang
aber nur sehr geringe Beiträge gezahlt wurden?

@Kjeld: ich würde klarkommen, meine Frau alleine vielleicht nicht. Ihr gehört das Haus und es ist
bezahlt. Da sie nicht arbeiten kann, stünde sie trotzdem finanziell nicht gut da.

@Korinthenkackerin: gute Hinweise! Hätte ich ein schlechtes Gewissen? Klar, aber bevor ich selbst
nicht mehr kann, wäre ich gezwungen, damit der Kleine versorgt ist.

@Marple: bin gespannt, was Du berichten kannst, d.h. zu Chancen und Risiken.




Offline Korinthenkackerin

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Re: von psychisch kranker Frau trennen?
« Antwort #12 am: 23. April 2016, 17:52:26 »
Von der Krankenkasse bezahlte Haushaltshilfe wäre gut denkbar, haben wir noch nicht gemacht.

Der behandelnde Psychiater kann das einleiten. Geht aber eben nur, wenn man begründen kann, dass ansonsten eine erneute Dekompensation droht und somit ein akutstationärer Aufenthalt. Als Dauerleistung geht es nicht, da springt dann eben häufig das Jugendamt ein.

Kennt sich jemand mit Frühverrentung aus? Lohnt sich das überhaupt, wenn zwar über 5 Jahre lang
aber nur sehr geringe Beiträge gezahlt wurden?

Ich verstehe nicht, wie eine Frühverrentung die Situation entspannen soll? Was verbessert sich deiner Meinung nach dadurch?
Grundsätzlich, klar, wenn sie nicht mehr arbeitsfähig ist, dann muss man sowas in Erwägung ziehen. Ablauf bei einem Berufstätigen: nach (längerer) Arbeitsunfähigkeit bekommt der behandelnde Arzt/Facharzt eine Krankenkassenanfrage und muss dort ankreuzen: Erwerbsfähigkeit gefährdet. Der Patient wird dann aufgefordert, einen Reha-Antrag zu stellen. Wird während der Reha dann festgestellt, dass ein GdB oder eine Frührente beantragt werden kann/soll, werden die Anträge direkt dort in der Reha bei der Sozialberatung mit dem Patienten ausgefüllt. Üblicherweise gibt es zuerst einen Antrag auf Schwerbehinderung beim Versorgungsamt. Ist ein GdB dann erkannt, wird man nach ein, zwei Jahren dann die Erhöhung des GdB beantragen. Ist der dann bei 60 oder höher, sind die Chancen auf eine Frühberentung gut. Kommt natürlich immer auf die Schwere der Erkrankung an.

Offline Resilienzexperte

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Re: von psychisch kranker Frau trennen?
« Antwort #13 am: 23. April 2016, 20:31:18 »
Hallo Korinthenkackerin,

danke für die guten Infos - ich bin in den Themen nur teilweise drin, bei Frühverrentung nicht.
Zur Frühverrentung: das hatte mir eine Krankenschwester vorgeschlagen, die solche Fälle hatte.
Was sich verbessert: "mehr Geld". Ich hatte mich gefragt, ob man nicht Geld verschenkt, wenn man die
Frühverrentung z.B. in 10 Jahren beantragt und meine Frau in der ganzen Zeit bis dahin nicht gearbeitet hat.

Momentan stehen wir finanziell gut da, aber langfristig sieht es unsicherer aus. Ich habe selbst
eine gesundheitliche "Zeitbombe" und plane für mich vielleicht mit "Arbeiten bis 60", wenns hoch
kommt. D.h. ich müsste in den nächsten knapp 15 Jahren genug erwirtschaften, dass es danach
nochmal 30 Jahre für mich und 40 für meine (ca. 10 Jahre jüngere) Frau reicht.
So gesehen wird es schon knapper und ich würde jetzt ungerne z.B. 10000€ verschenken, weil wir
etwas nicht beantragt haben.  Durchgerechnet habe ich es nicht, aber eigentlich ist ja klar, dass einer
mit Teilzeit innerhalb von 15 Jahren nicht genug für 2-3 Personen und z.B. 35 Jahre zurücklegen kann
(Rente bekäme ich - aber in voller Höhe nur, wenn ich länger arbeite oder freiwillig weiter einzahle).

Offline marple

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Re: von psychisch kranker Frau trennen?
« Antwort #14 am: 23. April 2016, 23:47:01 »
Meine älteste Freundin ist mit 46 in Frührente gegangen. Und sie ist auch der Fall, der deinem erschreckend ähnlich ist.

Diffuse Ängste hatte sie schon in der Schule. Bei jeder Anforderung bekam sie Durchfall und blieb zu Hause. Vor den Abschlussprüfungen fuhr sie mit dem Fahrrad in eine Baugrube und brach sich die Hüfte. Ich bin bis heute überzeugt, dass das kein Zufall war. Zudem war sie schon immer ein ausgemachter Messi und bei jeder Arbeit unmotiviert.

Das war der Urzustand.

Ein relativ normales Leben hatte sie das letzte mal vor etwa 30 Jahren, also mit 20. Damals trennte sich ihr finanziell gestellter Freund von ihr.

Jeder Freund, der danach kam - und es gab viele, war finanziell eher schwach. Das sah sie, die selber nur Hilfsjobs ausüben könnte und aus einer armen Familie kam, als unerträglich an.

Sie musste auch arbeiten, wenn sie einen Freund hatte. Unglaublich.

Und so kam ein gesundheitliches Problem nach dem anderen dazu. Die Freunde flohen immer recht schnell.

Bis sie an den jetzigen geriet, vor über 20 Jahren. Seit dem macht sie sich in zunehmender Geschwindigkeit immer abhängiger von ihm. Nacheinander gingen folgende Dinge nicht mehr - ausgehen (zu viele Leute), öffentliche Verkehrsmittel ( da gibt's kein Klo), selber Autofahren (Angstzustände), aufräumen (zu anstrengend), Arbeiten (psychisch nicht verkraftbar), allein einkaufen (Angstzustände), Dinge regeln (zu schwer), allein das Haus verlassen, allein aufstehen, allein ihre Stützstrümpfe anziehen...

Die Liste ist lang. Sie schläft nachts kaum, steht dann erst um 16 Uhr auf. Vor zwei Jahren war es noch 14 Uhr. Im Prinzip sitzt sie nur oder liegt. Sie ist extrem übergewichtig geworden und kann sich nur noch schwer bewegen. Wobei sie immer Ursache und Wirkung verwechselt - sie hat sich selber fett und schlaff gemacht. Ich behaupte - mit voller Absicht. Ihr Freund ist ihr Sklave. Und da er keine Alternative als den Unterschlupf bei ihr hat, ist er diese Symbiose eingegangen. Mittlerweile darf auch er nicht mehr jobben gehen, dass ist Verrat an ihr, er weiß doch, dass sie nicht alleine sein kann!!!

Therapien -oh klar, die hat sie durchgehend seit dreißig Jahren. Teilweise bei mehr als einem Therapeuten.
Erfolge? Dass ich nicht lache. Sie baut sich ja immer mehr ihre Angsthöhle gemütlich aus. Und solange da keiner ist, der mal auf den Tisch haut, ist sie die Queen, die alles bestimmt: den Tagesablauf, dass Essen (Unverträglichkeiten), den Zustand der Wohnung, die Zeit des Partners. Wenn irgendetwas nicht ihren Vorstellungen entspricht, schreit sie, schlägt auch mal gerne und muss anschließend besonders ausdauernd gepflegt und gehegt werden. Zudem hat sie dann ein neues Trauma, dass sich ausbauen lässt.


Ich Klinge vielleicht gemein. Mag sein, dass ich es bin. Aber ich bin die einzige, die ihr Contra gibt und einfach den  Vogel  zeigt und erstaunlicherweise kann sie dann kurzzeitig Dinge, zu denen sie angeblich seit Jahren nicht in der Lage ist. Weil sie Angst vor mir hat. Oder Respekt. Oder weiß, dass ich ihr nicht glaube.

Allerdings gehöre ich jetzt seit etwa einem Jahr auch zu den Dingen, die sie abschaffen muss - ich habe ihrem Freund zu deutlich gesagt, wie ich die Sache sehe. Damit bin ich eine Gefahr.

Ich bin sicher, dass es wirklich erkrankte gibt. Natürlich. Und ich kann und will keine Ferndiagnosen stellen. Aber ich behaupte, dass es eine Dunkelziffer x gibt, die sich in Ängsten einrichten. Solange sie Unterstützer haben.



Und mal ehrlich,zur Zeit arbeite ich wieder täglich bis zu 18 Stunden ohne Wochenenden. Ich hätte jetzt auch gerne Macken und einen Pfleger dazu. 8)