Autor Thema: Hilfe Hilfe. ein Freund der Quartalsäufer  (Gelesen 8129 mal)

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Faulpelz

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Hilfe Hilfe. ein Freund der Quartalsäufer
« am: 02. September 2015, 07:33:13 »
Gestern rief mich eine Freundin an. Ihr Mann hat sich nachts mal wieder fürchterlich betrunken.wir haben vor ein paar Jahren schon einmal zu viert, sie und ihr Mann und ich mit meiner Frau ein langes Gespräch geführt und der Freund musste zu Hause ausziehen. Nach drei Monaten war er wieder da.  In seinen trockenen Phasen geht es den beiden sehr gut. Auch ängere Urlaubsreisen über steht der von je einen Tropfen.
Quartalssäufer scheinen schwer therapierbar, da sie durch die Trockenphasen immer wieder denken, sie hätten es im Griff und die Frau als quasi Coalkoholikerin dann auch nicht wirklich konsequent sein kann.
Erschwerend kommt hinzu, dass sie bei einer alkoholkranken Mutter aufgewachsen ist, was bei seinen Abstürzen ihre Panik verstärkt.
Hat jemand Erfahrung und weiss wie ein Paar damit besser umgehen soll. Sind beide Akademiker,sehr gebildet und lieben sich.
Selbsthilfegruppen, therapeutische Ansätze und meterlange Literatur hat nichts gebracht.
Ich will sie heute besuchen und helfen, weiss aber im Moment nicht so recht, wie.
Er kommt mir vor wie ich, als meine depressiven Phasen mich immer wieder in die Psychiatrie führten, weil ich die Medikamente, wenn es mir wieder gut ging, abgesetzt habe. Erst nach dem vierten Aufenthalt hatte ich begriffen, das das Medikament nie mehr abgesetzt werden darf und es geht mir besser damit.
Kann mir jemand eiterhelfen?

Offline Yossarian

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Re: Hilfe Hilfe. ein Freund der Quartalsäufer
« Antwort #1 am: 02. September 2015, 08:18:56 »
Nur so rumgestochert, weil Alk nicht mein Thema ist: In welchen Abständen besäuft er sich, und werden diese Abstände kürzer?

Weiß er / gibt er denn zu, daß er ein Alkoholproblem hat? Oder ist er nach jeder Episode wieder "geheilt" und schwört, nie wieder was zu trinken?

Wenn die Frau ihre Kindheit mit einer alkoholkranken Mutter verbringen durfte, ist sie jedenfalls "gelernte Co-Alkoholikerin" und sollte sich selbst professionellen Rat holen und nicht ewig warten, bis der Herr Gemahl vielleicht irgendwann mal Krankheitseinsicht zeigt.

"I came to a point where I needed solitude and just stop the machine of thinking and enjoying what they call living, I just wanted to lie in the grass and look at the clouds."

— Jack Kerouac

Online Mattieu

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Re: Hilfe Hilfe. ein Freund der Quartalsäufer
« Antwort #2 am: 02. September 2015, 09:22:22 »
Kann mir jemand eiterhelfen?

Du kannst da nichts machen.
Scheiße ist, wenn der Furz was wiegt.

Offline nigel48

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Re: Hilfe Hilfe. ein Freund der Quartalsäufer
« Antwort #3 am: 02. September 2015, 09:24:47 »
SIE sollte zu Al-Anon gehen.
weil: er hat kein wirkliches problem mit seiner sauferei. - ich hatte das so ähnlich gemacht.
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Offline Yossarian

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Re: Hilfe Hilfe. ein Freund der Quartalsäufer
« Antwort #4 am: 02. September 2015, 09:27:22 »
SIE sollte zu Al-Anon gehen.

Mein Gedanke.

Zitat
weil: er hat kein wirkliches problem mit seiner sauferei.

Subjektiv nicht. Ohne starken Leidensdruck wird der nichts machen.

Mal sehen, was Korinthe dazu zu sagen hat.
"I came to a point where I needed solitude and just stop the machine of thinking and enjoying what they call living, I just wanted to lie in the grass and look at the clouds."

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Conte Palmieri

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Re: Hilfe Hilfe. ein Freund der Quartalsäufer
« Antwort #5 am: 02. September 2015, 10:17:14 »
Du kannst da nichts machen.
Faulpez kann da nichts machen.
Fachleute schon. Für den Säufer hilft nur ein konsequenter Entzug, und wahrscheinlich kognitive Verhaltenstherapie für beide.
Aber ich bin ja nicht der Fachmann.

Offline Korinthenkackerin

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Re: Hilfe Hilfe. ein Freund der Quartalsäufer
« Antwort #6 am: 02. September 2015, 12:59:37 »
Du kannst da nichts machen.

So ist es.

Wenn die Frau ihre Kindheit mit einer alkoholkranken Mutter verbringen durfte, ist sie jedenfalls "gelernte Co-Alkoholikerin" und sollte sich selbst professionellen Rat holen und nicht ewig warten, bis der Herr Gemahl vielleicht irgendwann mal Krankheitseinsicht zeigt.

So ist es.

Ohne starken Leidensdruck wird der nichts machen.

So ist es.

Quartalstrinker hört sich natürlich weniger dramatisch an als Alkoholiker. Die Frage ist ja grundsätzlich, inwieweit alle mit sowas leben können. Vermutlich ist sein Arbeitsplatz dadurch nicht gefährdet, also auch nicht die finanzielle Existenz. Die Ehefrau leidet zwar, weil sie ihr Kindheitsmuster im Gepäck hat, trägt sich aber ja wohl nicht mit dem Gedanken einer Trennung. Der Leidensdruck scheint demnach nicht sehr ausgeprägt zu sein, also wird er auch dieses Mal wieder versprechen, dass es nicht mehr vorkommt und irgendwann einen weiteren Absturz haben. Kritisch würde ich persönlich sehen, wenn er betrunken Auto fährt, also andere gefährdet. Ich könnte wohl mit so jemanden nicht leben, habe aber eben auch eine zweijährige Beziehung mit einem alkoholkranken Partner hinter mir (in der ich auch lernen musste, dass ich ihn nicht retten konnte, sondern nur er sich selber) und bin dadurch "geheilt" von solchen Bemühungen.

Hört sich doof an, aber ich denke, es wird sich nichts ändern, wenn nicht Schlimmeres passiert (Jobverlust, weil betrunken bei der Arbeit, Verkehrsunfall, weil betrunken im Auto, etc.).

Ich schließe mich Yossi an: eine Selbsthilfegruppe für Angehörige macht Sinn für die Ehefrau. Er hat das ja wohl schon ohne Erfolg durch. Bei uns in der Praxis wird nicht therapiert, solange der Suchterkrankte nicht explizit an die Suchtberatungsstelle angebunden ist, entzogen hat und regelmäßig zu den Selbsthilfegruppen geht. Dies ist bei Suchterkrankten immer die erste Aufgabe, erst dann geht es bei uns weiter.


Faulpelz

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Re: Hilfe Hilfe. ein Freund der Quartalsäufer
« Antwort #7 am: 02. September 2015, 18:55:26 »
Ich war heute da und hatte vorher noch ein längeres für mich sehr klärendes Gespräch.
Der Epsilontrinker ist der wohl am schwersten therapierbar Alkoholiker. Es stimmt auch, dass er nach dem Besäufnis schnell dabei ist, alles zu versprechen. Das hängt aber damit zusammen, dass in den trockenen Phasen absolut kein Problem hat, nicht zu trinken. Die Abstürze selbst kommen meist ohne Vorwarnung und gehen dann sehr schnell. Da er über eine längere Zeit gar nicht trinkt, ist er schnell sturzbetrunken. Das mit den AA macht wenig Sinn, da der Epsilontrinker die Probleme des Spiegeltrinkers nicht versteht. Ähnlich ist es mit den Angehörigen.
Da therapeutisch wenig zu machen ist, werde ich nach einem Psychiater suchen, der dieses Thema kennt. Im Moment sieht es eher schlecht aus. Durch die Koppelung Ehemann/Mutter ist die Fraun am Ende und denkt über eine Trennung nach.
Ich konnte zwar nicht helfen, habe aber durch meine Recherchen Klarheit schaffen können. 
Seine Abstände sind meist sechs Wochen, es waren aber auch schon einmal sechs Monate. Was ich auch nicht wusste ist, das durch die aggressive Sauferei seine Lebenserwartung en begrenzt sind, weil die Organe dann immer wie im Schockzustand völlig überfordert werden.


Offline nigel48

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Re: Hilfe Hilfe. ein Freund der Quartalsäufer
« Antwort #8 am: 02. September 2015, 20:05:46 »
alle alks haben eins gemein : sie saufen. bloß: jeder säuft anders.

ich bin auch eher der epsylontyp. das mit schneller besoffen wg pause kannste vergessen.
bei jeder untersuchung meinten die ärzte : ihre leberwerte hätte ich gern. - der körper lernt durchs trainig besser reparieren.
zb auch gutes "heilfleisch" . platz- und schürfwunden alle ~ 2 monate..

alks lügenn. bzw, sie machen sich selbst was vor. "warn doch nur 2 bier und 2 schnaps..." ja. kästen und flaschen. bei einer tour, hintereinander wg.

charles bukowski war ein säufer. der soff, bis er genug drin hatte, oder keine lust mehr weiterzumachen. - und ist dann nach hause gegangen.
alks können nicht aufhören. wir saufen bis nix mehr da ist, die kneipe zu macht, wir rausfliegen...so lange es nachschub gibt, schläft auch keiner ein. - erst wenn langweilig wird.

jeder alk lebt in seinem eigenen universum. und wenn der körper 2 monate trocken ist, der kopf ist mit saufen beschäftigt. entweder: wie komm ich jetzt an stoff - oder: scheiße, lecker stoff, gute gelegenheit, aber aus den 2-5 gründen lass ich das heute.
mal eben ein bier geht nicht.

und co-alks können völlig abstinent sei. ihr häufigster und größter gedanke gilt dem alkohol. sie sind vom alk genauso besessen, wie der säufer. der alk bestimmt ihr verhalten und fühlen.
also : AL-ANON, wenn möglich 10 abende hintereinander in ein meeting. - das ist das gegenstück zur entzugsklinik.
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Offline Korinthenkackerin

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Re: Hilfe Hilfe. ein Freund der Quartalsäufer
« Antwort #9 am: 02. September 2015, 21:54:03 »
Da therapeutisch wenig zu machen ist, werde ich nach einem Psychiater suchen, der dieses Thema kennt.

Du? Warum du? Du trägst quasi den Hund zum Jagen. Das wird nicht klappen. Therapiemotivation in jeglicher Form erfordert, dass der Betroffene sich selber kümmert. Alles andere kannst du vergessen.  8)

Offline Yossarian

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Re: Hilfe Hilfe. ein Freund der Quartalsäufer
« Antwort #10 am: 03. September 2015, 08:24:23 »
Du? Warum du?

Das habe ich in dem ganzen Kontext auch nicht verstanden.
"I came to a point where I needed solitude and just stop the machine of thinking and enjoying what they call living, I just wanted to lie in the grass and look at the clouds."

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Faulpelz

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Re: Hilfe Hilfe. ein Freund der Quartalsäufer
« Antwort #11 am: 03. September 2015, 16:16:09 »
Das ist für Aussenstehende Eiche schwer zu verstehen und ich müsste erst meine eigene Geschichte vor euch aus leeren, doch das würde zu lange dauern.
Vielleicht soviel: Ich wäre damals froh gewesen, wenn jemand da gewesen wäre, der mir zugehört hätte. In leitender Funktion eine schwere sich wiederholende Depression mit Krankenhausaufenthalten zu vertuschen, auch den Freundeskreis ausgrenzen und  im Job und gesellschaftlich immer die Rolle des starken,klugen und durch nichts aus der Ruhe zu bringenden Topmanagers zu bleiben, da half oft nur der abendliche mich in den Schlag bringende Rotwein.
Heute bin ich Rentner und trinke seit einigen Jahren nichts mehr, nehme dafür das Medikament in Kauf und habe über die während Gründe meiner Klinikaufenthalte gesprochen. Wenn ich dann in die ungläubigen Gesichter schaute, war ich froh, vorher nichts gesagt zu haben.
Die beiden stehen der Situation hilflos gegenüber schämen sich und sind dankbar für die Zuwendung. Er ist zudem ein kleiner Trottel, der sich selbst im weg steht, aber bereits deutlich gemacht hat, dass er jetzt Hilfe braucht und sie annehmen will.
Warum also soll ich, ein alter Mann mit viel Erfahrung,meine Erfahrung nicht weitergeben. Mir geht es um das Verstehen, erst durch mich ist ihnen klar geworden, was ein Epsilontrinker ist und wie schwer der Weg ist, dennoch schließlich nur aufzeigen kann. Gehen muss er ihn ganz allein.

Faulpelz

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Re: Hilfe Hilfe. ein Freund der Quartalsäufer
« Antwort #12 am: 03. September 2015, 16:21:29 »
alle alks haben eins gemein : sie saufen. bloß: jeder säuft anders.

ich bin auch eher der epsylontyp. das mit schneller besoffen wg pause kannste vergessen.
bei jeder untersuchung meinten die ärzte : ihre leberwerte hätte ich gern. - der körper lernt durchs trainig besser reparieren.
zb auch gutes "heilfleisch" . platz- und schürfwunden alle ~ 2 monate..

alks lügenn. bzw, sie machen sich selbst was vor. "warn doch nur 2 bier und 2 schnaps..." ja. kästen und flaschen. bei einer tour, hintereinander wg.

charles bukowski war ein säufer. der soff, bis er genug drin hatte, oder keine lust mehr weiterzumachen. - und ist dann nach hause gegangen.
alks können nicht aufhören. wir saufen bis nix mehr da ist, die kneipe zu macht, wir rausfliegen...so lange es nachschub gibt, schläft auch keiner ein. - erst wenn langweilig wird.

jeder alk lebt in seinem eigenen universum. und wenn der körper 2 monate trocken ist, der kopf ist mit saufen beschäftigt. entweder: wie komm ich jetzt an stoff - oder: scheiße, lecker stoff, gute gelegenheit, aber aus den 2-5 gründen lass ich das heute.
mal eben ein bier geht nicht.

und co-alks können völlig abstinent sei. ihr häufigster und größter gedanke gilt dem alkohol. sie sind vom alk genauso besessen, wie der säufer. der alk bestimmt ihr verhalten und fühlen.
also : AL-ANON, wenn möglich 10 abende hintereinander in ein meeting. - das ist das gegenstück zur entzugsklinik.

Du scheint deine Sauferei eher sportlich zu nehmen, sehe ich das richtig? Hast du denn versucht, abstinent zu werden oder gehört du auch zu denen, die der Meinung sind, dass die Trockenzeit doch zeigt, dass du alles im Griff hast.
Wie sieht dich dein näheres Umfeld, wenn du dann mal wieder sturzbetrunken in den Seilen hängst?

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Re: Hilfe Hilfe. ein Freund der Quartalsäufer
« Antwort #13 am: 03. September 2015, 20:24:17 »
ich bin seit feb 89 trocken. ;D
I`M EASY, SO EASY....

Faulpelz

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Re: Hilfe Hilfe. ein Freund der Quartalsäufer
« Antwort #14 am: 03. September 2015, 23:48:24 »
Dann habe ich dich wohl falsch verstanden.Sorry!
Wie has t du es geschafft? Warst/bist du verheiratet. Wenn ja, wie hat die Partnerin reagiert.
Letzte Meldung von der Freundin. Sie will die Beziehung beenden. Seit 15 Jahren macht sie die Saufereimit. Sie könne nicht mehr und sucht den Neuanfang. Wenn sie geht. bzw. Ihn vor die Türe setzt, wird er das nicht überlebenden und ich sehe mich wieder in der Verantwortung.