Autor Thema: nett geschrieben - nett zu lesen  (Gelesen 31611 mal)

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Früher war alles besser, sogar die Höhlen waren größer.

Wer, wenn nicht ich?

Yossarian

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Re:nett geschrieben - nett zu lesen
« Antwort #17 am: 26. Mai 2011, 09:02:35 »

Yossarian

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Re:nett geschrieben - nett zu lesen
« Antwort #18 am: 31. Mai 2011, 16:44:19 »

Yossarian

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Re:nett geschrieben - nett zu lesen
« Antwort #19 am: 11. Juni 2011, 13:59:25 »
Hochinteressanter Artikel:

Die Kultur des Denunziatorischen

Gefunden über einen Verriß eine "Rezension" auf S.P.O.N. von einem Menschen, der den Artikel offensichtlich nicht begriffen hat.

Und ja, die Frage ist dennoch so verzweifelt wie gut und richtig. Wenn wir die Geschichte nicht mit den moralischen Maßstäben von heute bewerten, womit, um Himmels willen, denn sonst!?

Conte Palmieri

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Re:nett geschrieben - nett zu lesen
« Antwort #20 am: 11. Juni 2011, 14:16:32 »
Wenn wir die Geschichte nicht mit den moralischen Maßstäben von heute bewerten, womit, um Himmels willen, denn sonst!?
Es gibt die Auffassung, Geschichte sei überhaupt nicht zu bewerten.

Das heißt jetzt nicht, dass einen etwas der Holocaust kalt lassen solle. Aber Geschichtswissenschaft ist eben auch Wissenschaft, und wissenschaftliche Ergebnisse sind eben richtig oder falsch, und nicht gut oder böse.

Offline Unikum

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Re:nett geschrieben - nett zu lesen
« Antwort #21 am: 11. Juni 2011, 14:18:54 »
Auch Herr Diesel und Herr Otto werden derzeit noch vergöttert, in 1000 Jahren werden wohl die es sein die die Generationen nach uns wieder in die Steinzeit erfanden...Zeitgeist ändert sich, und damit wohl auf die Sicht auf die Dinge.
Früher war alles besser, sogar die Höhlen waren größer.

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Yossarian

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Re:nett geschrieben - nett zu lesen
« Antwort #22 am: 11. Juni 2011, 14:51:40 »
Erzählt mir jetzt nicht, daß Ihr zwei den Artikel in den zwei Minuten gelesen habt...  8)

Conte Palmieri

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Re:nett geschrieben - nett zu lesen
« Antwort #23 am: 11. Juni 2011, 17:09:50 »
Erzählt mir jetzt nicht, daß Ihr zwei den Artikel in den zwei Minuten gelesen habt...  8)
Natürlich nicht. Aber die Fragestellung war mir nicht so ganz neu.

Yossarian

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Re:nett geschrieben - nett zu lesen
« Antwort #24 am: 11. Juni 2011, 17:28:41 »
Natürlich nicht; aber man vergißt sie nur allzuleicht.

Ich hatte mich kürzlich mit jemandem "gestritten", der Seneca für meine Begriffe sehr verteidigt hat. Aber andererseits hatte ich wahrscheinlich zu sehr heutige Maßstäbe angelegt. Obwohl Machtgeilheit und Opportunismus wahrscheinlich eigentlich zeitlos sind...

Offline ganter

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Re:nett geschrieben - nett zu lesen
« Antwort #25 am: 12. Juni 2011, 00:45:14 »
ich hab den Artikel nun 3 mal gelesen, aber die Feinheiten sind wohl sehr juristenspezifisch. Ist das nun eine Entschuldigung für alle Mitläufer im 3. Reich, die ja nicht anders konnten, selbst wenn sie wollten? Dekane, die wegen der Rassengesetze verdiente jüdische Professoren willfährig vor die Tür setzen, anstatt die offensichtliche Schande anzuprangern? Deren Kollegen, die die Dekane auch noch willfährig unterstützen, anstatt aufzustehen? Präsidenten von Anwaltskammern, die willfährig jüdischen Anwälten die Zulassung entzogen? Die Moral gerade der Elite war 1933 zusammengebrochen und genau das hat mann ihnen 1968 vorgehalten. Viel zu spät in meinen Augen, aber immerhin.

Das Prob scheint doch der geringe zeitliche Abstand zu sein. Heutzutage hat niemand ein prob damit, Alexander den Großen als Helden, Weltreicheroberer und Verteidiger gegen die Perser anzusehen. Dass der Mensch auf seinen Eroberungszügen Hunderttausend seiner Landsleute, männer wohlgemerkt, ihren Familien entrissen hat, sie verheizt hat, sie Städte hat gründen lassen, die wenig später wieder im Sand versanken, nimmt mann als Kollateralschaden zur Kenntnis. Keiner von denen wurde vorher gefragt. Und keiner hat seine Familie je wiedergesehen.

Oder St. Petersburg
Gegründet von Peter dem Großen, unbestritten einer der Helden Rußlands.
Immerhin wehrte er die 1. von 3 Invasionen Rußlands ab, wobei ihm, wie auch seinen Nachfolgern, der unerbittliche Winter sowie die riesigen Weiten zu Gute kamen. Und er versuchte sein Land in die Moderne zu ziehen, wie in der Oper "Zar und Zimmermann" hinreichend für die Nachwelt aufbereitet.
Und er nahm das Geschenk des schwedischen Königs Karl XII. gerne an, der ihm 120.000 Schweden da ließ, die ihm halfen. die Stadt aufzubauen. Auch diese männer sahen ihre Heimat nie wieder.

Napoleon dagegen sieht mann gern als Dämon, als Menschenvernichter an, dabei hat er gerade Schland viel Gutes gebracht. Den Code Zivil zum Bleistift, aber da kann yossi vllt. kenntnisreicher Auskunft zu geben.

"Männer definieren sich sowieso nicht über die Drogeneinwurfmenge."
"Im Vergleich zur bricom dürfte jede Wand einer öffentlichen Bedürfnissanstalt ein Quell unendlicher Weisheit sein...."
Bodo

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Re:nett geschrieben - nett zu lesen
« Antwort #26 am: 12. Juni 2011, 08:49:15 »
Jaja Napoleon verdanken wir auch all die schönen Alleen...aber da war nen anderer mit ...ich glaube Autobahnen...

Für mein Empfinden bleibt Killer Killer...egal og er nebenher das Herzverpflanzen perfektionierte.
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Conte Palmieri

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Re:nett geschrieben - nett zu lesen
« Antwort #27 am: 12. Juni 2011, 11:35:05 »
...  Alexander den Großen ... Peter dem Großen, ...

Um die und ihre ambivalenten Leitungen geht es nicht; in dem Artikel geht es ja auch nicht um Hitler.

Es geht vielmehr darum, das Handeln historischer Personenvor dem Hintergrund ihrer Zeit zu bewerten. Und dazu muss man vor allem die Umstände einer vergangenen Zeit verdammt genau kennen, womit die meisten Leute selbstverständlich völlig überfordert sind. Selbst professionelle Historiker sind da eher vorsichtig und bewerten daher vorsichtshalber schon mal überhaupt nicht.

marple

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Re:nett geschrieben - nett zu lesen
« Antwort #28 am: 14. Juni 2011, 13:50:11 »
Und es geht um die Trennung das Werk/die Persönlichkeit des Schöpfers.

Beispiel Feuchtwanger: Ich habe in meinen jüngeren Jahren seine Bücher nur so verschlungen, besitze sie natürlich immer noch.

Aber ich kann sie nicht mehr unvoreingenommen "geniessen".

Zuviel habe ich später während des Studiums über ihn gelesen. Wie seine Frau als Putzfrau während des Frankreich-Exils verzweifelt versuchte, die Familie zu ernähren, während er in Strassencafés "Hof" hielt, wie er in seiner bodenlosen - ja was? - Dummheit? Einbildung? Elfenbeinturmmentalität? - seine Fluchthelfer in Lebensgefahr brachte und die Fluchtwege nach Amerika denunzierte und für Spätere unbrauchbar machte, indem er sie bis ins Kleinste der internationalen Presse schilderte, wie er über Filmrechte reich geworden und anderen Exilanten/Kollegen gegenüber hoffnungslos unhilfsbereit und arrogant entgegentrat...

Menschliche Schwächen ohne Ende, aber Romane voller humanistischer Ideale? Offensichtlich geht das hervorragend in einer Person zu vereinen.

Ob ich mich ihm irgendwann unbefangen wieder annähern kann, weiss ich nicht. Ich habe an einem Projekt über seine Villa Aurora mitgearbeitet und bin immer noch tief enttäuscht von dem Menschen in "meinem" ehemaligen Idol.

Yossarian

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Re:nett geschrieben - nett zu lesen
« Antwort #29 am: 14. Juni 2011, 14:03:07 »
Das Feuchtwanger ein Arschloch war, war mir neu. Es wundert mich aber auch nicht. Brecht hat einen Großteil seine Oevres von seinem Harem schreiben lassen, Picassos Geliebte erhängte sich und seine zweite Frau erschoß sich - eigentlich gibt´s ne Menge charakterliche Drecksäue unter den sogenannten großen Geistern.