Autor Thema: Political LowLights  (Gelesen 102291 mal)

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Offline Araxes

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Re: Political LowLights
« Antwort #525 am: 13. Juli 2015, 12:38:24 »
also wenn das die Forderungen der Finanztruppe sind, frag ich mich, warum sie den Staat nicht gleich ganz übernehmen.

Eigentlich wäre das notwendig, aber man muß eben hoffen, daß die Griechen ihren Landen auch ohne Fremdverwaltung ausmisten.

Zitat
Mann muss halt wissen, was mann will. Den Grexit mit unkontrollierbaren Auswirkungen auf die EU und andere europäische Staaten oder das politische Ziel der Einheit Europas.

Die Einheit Europas hängt nicht am Euro. Eher im Gegenteil muß man mittlerweile sagen.

Zitat
Weil eins ist doch klar: Bei Grexit gehen in Griechenland die Lichter aus und die suchen sich jeden Strohhalm, den sie kriegen können. Da springen die auch mit den Russen und Chinesen ins Bett. Wenn wir die am europäischen Tisch haben wollen, nur zu.

Das ist ein feuchter Wunschtraum. Weder Russen noch Chinesen haben was zu verschenken.

Zitat
Über den Finanzbedarf kann schland doch nur lachen. 85 Milliarden in drei Jahren. Das macht lächerliche 28,3 Milliarden pro Jahr.

Was ist daran bitte lächerlich?

Zitat
Wenn mann sich die Staatsverschuldung schlands anguckt z.B. hier
https://de.wikipedia.org/wiki/Staatsverschuldung_Deutschlands
dann stieg in schland in Folge der Finanzkrise 2009 die Verschuldung um satte 317 Milliarden.Davon ist in Schulen und Unniversitäten nix angekommen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Staatsverschuldung_Deutschlands

Ach, 317 Milliarden sind "satt", aber 85 Millliarden sind "lächerlich"? Immer so, wie man's bracht?

Offline Araxes

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Re: Political LowLights
« Antwort #526 am: 13. Juli 2015, 13:00:16 »
Faktisch tun sie das doch. Was haben die Griechen denn im eigenen Land noch zu melden?

Eben nicht. Man muß immer noch darauf vertrauen (!), daß Griechenland die Punkte zumindest ins Parlament bringt. Wobei auch eine Verabschiedung dort am Ende nicht viel bedeutet. Das kann alles immer noch in der Exekutive verschleppt und hintertrieben werden. Deshalb ist es so wichtig, daß die Troika vor Ort ist. Am Jahresende soll es Neuwahlen geben und dann geht das ganze Theater wieder los. Dann werden die Leute, die sagen, daß 6 Monate ja nicht reichen, einfach sagen, daß 12 Monate ja nicht reichen, obwohl es dann schon mehr als 5 Jahre sind.

Bezeichnend ja auch, daß Griechenland jetzt die Statistikbehörde politisch unabhängig machen soll. Das kommt sicher daher, weil Griechenland in den letzten 5 Jahren nie in der Lage war, seriöse Zahlen über seine Verhältnisse abzuliefern.

Wenn das Programm mit echtem Willen durchgesetzt wird, kann sich da was verbessern. Ich befürchte aber, daß das nicht passieren wird. Selbst hier im Forum scheint man ja der Meinung zu sein, daß die Einführung einer effizienten Verwaltung, Justizreform, Steuerverwaltung, Kataster, Mehrwertsteuerreform etc. Zumutungen sind. Die Wahrheit ist aber, daß Griechenland diese Dinge sowieso alle tun muß, nun aber wieder 30 Mrd € pro Jahr dafür geschenkt bekommt. Worin besteht da die Zumutung?

Ich fürchte nur, wir werden uns in 3 Jahren wieder treffen. Es wird nichts passiert sein und Griechenland wird nicht 30 Mrd pro Jahr anmelden, sondern 60 Milliarden und die gleichen Leute werden die Schuld dafür wieder bei Merkel und Deutschland suchen.

Zitat
Andererseits hat sich bei den Griechen an entscheidenden Punkten anscheinend - d.h., wenn man der hiesigen Propaganda glauben kann - auch nichts getan: Es ist kein effizientes Steuersystem in Angriff genommen, das insbesondere auch fällige Steuern *beitreibt*, es liegen immense Vermögensbeträge griechischer Bürger auf Schweizer Bankkonten, auf die man nicht zugreifen will (dabei sind das wohl eher die Gelder irgendwelcher Profiteure als die Sparstrümpfe irgendwelcher griechischer Omas) etc.

Sie werden nichts tun. Warum sollen sie auch? Die anderen sind ja Schuld.

Irgendwer machte den Vorschlag, die griechischen EU-Beamten nach Athen zu schicken, weil die zumindest "europäisch sozialisiert" seien und vielleicht anders arbeiten würden. Vielleicht muß man wirklich mehr in der Richtung denken und griechische Beamte durch europäische Trainee-Programme schicken.

Offline Araxes

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Re: Political LowLights
« Antwort #527 am: 13. Juli 2015, 13:13:00 »
Völlig unbemerkt vollzieht sich in Rumänien ein positiver Wandel. Da wird jetzt drastisch gegen Korruption vorgegangen. Wann kommt das in Griechenland? Dabei ist Rumänien deutlich ärmer. Das BIP pro Kopf ist in Rumänien nicht mal halb so hoch wie in Griechenland. Rumänien kriegt auch keine 30 Mrd pro Jahr hinterhergeworfen.

Offline Gianluca

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Re: Political LowLights
« Antwort #528 am: 13. Juli 2015, 13:13:30 »
Eigentlich wäre das notwendig, aber man muß eben hoffen, daß die Griechen ihren Laden auch ohne Fremdverwaltung ausmisten.
Was aber bei der vorherrschenden Vetternwirtschaft kaum umzusetzen ist. Die Oberen haben dem griechischen Volk schoen beigebracht, dass der Staat ein Selbstbedienungsladen ist. Und da darf man sich dann nicht wundern, dass dem einfachen Arbeiter und Angestellten eine Steuerpflicht am Arsch vorbei gehen.

Ich war vor 5 Jahren in Nafplio und Thessasoloniki, um mir Produktionsstaetten anzusehen. Die waren mit Enthusiasmus dabei, haben aber schon zugegeben, dass es mit Griechenland weiter bergab gehen wird. Die herunter gelassenen Rollaeden in beiden Staedten waren schon in der Ueberzahl. Quittungen in Restaurants oder in sonstigen Laeden gab es keine. Der Laden in Nafplio wird sicherlich den Bach runter gehen. Wie soll er fuer seine Solarkollektoren die erforderlichen Kupferrohre, Aluminiumstraenge, Isolierung und Abdeckungen einkaufen? Griechenland hat keine Industrie. Alles wird zugekauft. Und der Betrieb in Thessasoloniki wird auch keinen Stahl mehr fuer seine Behaelterfertigung erhalten.

Fuer Tsipras war, ist und wird das Kampf gegen Windmuehlen. Er hatte keine Chance und wird keine erhalten vom Parlament. Sicherlich hat seine Partei in den vergangenen sechs Monaten nicht gerade geglaenzt, aber was hier von ihm verlangt wird, naemlich den gesamten Sumpf aus 5 und mehr Jahren aufzuarbeiten, ist Mission Impossible. Seine Koalition mit Anel wird nicht halten. Ist eh schon wackelig.
Das verloren gegangene Vertrauen in die griechische Regierung einzig an Tsipras festzumachen, ist aus meiner Sicht etwas zu kurz gedacht. Andere (Samaras & Co) haetten (und haben) ebenso agiert, da bin ich mir sicher.

Das jetzt beschlossene Hilfspaket wird nur aufschiebende Wirkung haben fuer Griechenland, kann mit einem Suechtigen verglichen werden, der mal wieder einen Schuss braucht. Aenderungen, so meine Befuerchtung, wird es nicht bringen.

Offline Gianluca

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Re: Political LowLights
« Antwort #529 am: 13. Juli 2015, 13:16:10 »
Irgendwer machte den Vorschlag, die griechischen EU-Beamten nach Athen zu schicken, weil die zumindest "europäisch sozialisiert" seien und vielleicht anders arbeiten würden. Vielleicht muß man wirklich mehr in der Richtung denken und griechische Beamte durch europäische Trainee-Programme schicken.
Das war Chatzimarkakis. Ja, dieser Gedanke sollte fortgesetzt werden.

Offline Gianluca

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Re: Political LowLights
« Antwort #530 am: 13. Juli 2015, 13:25:00 »
Völlig unbemerkt vollzieht sich in Rumänien ein positiver Wandel. Da wird jetzt drastisch gegen Korruption vorgegangen. Wann kommt das in Griechenland? Dabei ist Rumänien deutlich ärmer. Das BIP pro Kopf ist in Rumänien nicht mal halb so hoch wie in Griechenland. Rumänien kriegt auch keine 30 Mrd pro Jahr hinterhergeworfen.
Noch nicht. Wenn Rumaenien den Euro hat, wird aber eventuell ein negativer Effekt eintreten. Momentan ist der rumaenische Leu noch wettbewerbsmaessig tief. Damit kann Rumaenien noch am europaeischen Markt bestehen. Die Lebenshaltungskosten sind entsprechend gering, auch wenn es schon anzieht. Mit dem Euro wuerde aber, wie in Griechenland, ein Quantensprung passieren was Loehne, Mieten und Lebenshaltung betrifft. Wobei Rumaenien sich fast selbst versorgen kann und nicht auf so hohe Importkosten wie GR angewiesen ist.
Die Rumaenen sind allgemein gut ausgebildet sind und verfuegen bereits ueber eine gewisse industrielle Infrastruktur, auch wenn sich zwischenzeitig die ein oder andere Firma wieder zurueckgezogen hat.

Offline Araxes

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Re: Political LowLights
« Antwort #531 am: 13. Juli 2015, 13:30:12 »
Das verloren gegangene Vertrauen in die griechische Regierung einzig an Tsipras festzumachen, ist aus meiner Sicht etwas zu kurz gedacht. Andere (Samaras & Co) haetten (und haben) ebenso agiert, da bin ich mir sicher.

Es ist natürlich schwierig und schließt die Vorgängerregierungen ein. Ich sehe aber auch nicht ein, warum man bei jeder griechischen Regierung wieder bei Null loszählen soll. Es sind jetzt 5 Jahre. Da hätte man schon was schaffen können. Eigentlich sind es sogar nicht nur 5 Jahre, sondern 14 Jahre seit Euro-Einführung. Man hätte damals schon sofort an Reformen gehen müssen, um mit dem Euro dauerhaft klarkommen zu können.

Zitat
Das jetzt beschlossene Hilfspaket wird nur aufschiebende Wirkung haben fuer Griechenland, kann mit einem Suechtigen verglichen werden, der mal wieder einen Schuss braucht. Aenderungen, so meine Befuerchtung, wird es nicht bringen.

Letzten Endes ist der Euro eben immer noch die falsche Währung für das Land. Es ist aber die Währung, in der man am ehesten fremde Hilfen bekommt. Das macht den Euro in fataler Weise attraktiv. Der Euro ist tatsächlich eine Droge für Griechenland.

Offline Araxes

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Re: Political LowLights
« Antwort #532 am: 13. Juli 2015, 13:35:27 »
Noch nicht. Wenn Rumaenien den Euro hat, wird aber eventuell ein negativer Effekt eintreten.

Zum Glück hat man das mehrmals verschoben. Statt 2015 jetzt 2019. Polen hat's auch schon verschoben. Das spricht für einen vernünftigeren Umgang mit der Sache als Griechenland, das damals unbedingt reinwollte.

Offline phoenix

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Re: Political LowLights
« Antwort #533 am: 13. Juli 2015, 13:58:45 »
Das Zerbröckeln des EURO wäre nun auch kein Grund zum Heulen gewesen. In Europa fehlt die politische Union. Wir können bestimmt auch einheitlich als Europa agieren ohne finanzielle und politische Union.
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Matrix - 2017+xth  Iteration

Offline Gianluca

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Re: Political LowLights
« Antwort #534 am: 13. Juli 2015, 14:02:30 »
Das Zerbröckeln des EURO wäre nun auch kein Grund zum Heulen gewesen. In Europa fehlt die politische Union. Wir können bestimmt auch einheitlich als Europa agieren ohne finanzielle und politische Union.
Ich behaupte mal ganz kackfrech: Sogar besser.
Was da aus Bruessel/Strassburg immer wieder fuer Knueppel zwischen die Beine geworfen werden - und nicht nur das Einheitskondom oder die EU-Banane - ist unertraeglich.
Aber wohin dann mit den Sesselpupsern? Die haben sich zudem auch noch an die fuerstlichen Gehaelter und dem monatlichen Treck nach Strassburg gewoehnt.

Offline Mattieu

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Re: Political LowLights
« Antwort #535 am: 13. Juli 2015, 14:05:12 »
In Europa fehlt die politische Union. Wir können bestimmt auch einheitlich als Europa agieren ohne finanzielle und politische Union.

Was denn nun? Politische Union ja oder nein?

Eine politische Union in Europa ist ein utopisches Konstrukt. Nice to have, aber auf Sicht nicht zu erreichen. Dazu ist den Mitgliedsländern Ihre Distinktion zu wichtig.

Die gemeinsame Währung und der Wegfall von Grenzkontrollen ist aber schonmal ein guter Anfang, ein Zeichen des guten Willens.
Scheiße ist, wenn der Furz was wiegt.

Offline Yossarian

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Re: Political LowLights
« Antwort #536 am: 13. Juli 2015, 14:19:18 »
Die gemeinsame Währung und der Wegfall von Grenzkontrollen ist aber schonmal ein guter Anfang, ein Zeichen des guten Willens.

Die gemeinsame Währung funzt aber nicht wirklich. Entweder jedes Mitgliedsland muß sich komplett seiner Souveränität in Haushaltsdingen begeben, oder es wird immer wieder Konflikte geben.
"I came to a point where I needed solitude and just stop the machine of thinking and enjoying what they call living, I just wanted to lie in the grass and look at the clouds."

— Jack Kerouac

Offline Yossarian

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Re: Political LowLights
« Antwort #537 am: 13. Juli 2015, 14:20:24 »
Aber wohin dann mit den Sesselpupsern? Die haben sich zudem auch noch an die fuerstlichen Gehaelter und dem monatlichen Treck nach Strassburg gewoehnt.

Da wird man dann leider schmerzliche Einschnitte in deren Alters- und sonstiger Versorgung vornehmen müssen.  :evil
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Offline Araxes

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Re: Political LowLights
« Antwort #538 am: 13. Juli 2015, 14:40:20 »
Die gemeinsame Währung funzt aber nicht wirklich. Entweder jedes Mitgliedsland muß sich komplett seiner Souveränität in Haushaltsdingen begeben, oder es wird immer wieder Konflikte geben.

Ich behaupte mal, daß gerade Deutschland dazu am ehesten bereit wäre und Frankreich am meisten dagegen. Einfach aus dem unterschiedlich ausgeprägtem historischen Selbstverständnis von Souveränität, Nationalstolz und daß die deutschen Staaten schon immer mit wechselnden Oberhoheiten gelebt haben.

Offline Stachelhaut

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Re: Political LowLights
« Antwort #539 am: 13. Juli 2015, 14:46:11 »
Immerhin profitiert D. ganz erheblich von dem ganzen Scheiß.

1. Die Zinsen sind sehr niedrig, nur deshalb kann D. seine Schulden noch bezahlen.
2. Der Euro ist schwach, das verbessert die Exportmöglichkeiten.
3. Die Griechen produzieren kaum was selbst. Gibt man ihnen Geld, importieren sie.

Die Griechen verarmen derweil weiter.
The union is behind us, we shall not be moved.